CASH 10-11/2020

68 10–11|2020 ∙ CASH F r a u e n I n t e r v i e w  b  Ma r g a r e t e G ump r e c h t / W i r t s c h a f t s k amme r W i e n Foto ©: Florian Wieser CASH: Frau Gumprecht, wie ist die Stimmung in der Innenstadt und im Handel generell? Margarete Gumprecht: Die Stimmung ist so vielfältig und unterschiedlich wie der Handel selbst. Für die KMU-Betriebe im Lebensmittelhandel der Innenstadt waren die ersten Wo- chen des Lockdowns schwierig. Vor allem die hohen Kosten für die Hygienevorschriftenmachen den Händlern zu schaffen. Branchengewinner waren der Einrichtungsfachhandel, der Sportartikelhandel oder die Baumärkte. Aber wir haben na- türlich auchVerlierer, wie die Modebranche. Das ist aber eher ein innerstädtisches Phänomen. Je weiter man in die Außen- bezirke kommt, desto besser geht es auch dem Textilhandel. Was in der Innenstadt sehr schlecht läuft, ist klarerweise der Souvenirhandel mit bis zu 90 Prozent Umsatzeinbußen. Auf Konsumentenseite konnte man beobachten, dass der Nach- haltigkeitsgedanke und derWunsch nach regionalen Produk- ten stark anwuchs. So wurde beispielsweise auch online regi- onal beim Händler ums Eck eingekauft. Die Coronaphase hat einmal mehr bestätigt, wie entscheidend die digitale Schlagkraft für Händler ist. Global denken und regi- onal handeln ist also angesagt. Welche Tipps haben Sie diesbe- züglich für Wiener Händler parat? Wenn man noch keinen eigenen Olineshop hat, sollte man zumindest im Internet mit einer Webseite präsent sein. Von derWKWien gibt es eine Förderung von bis zu 2.500 Euro und eine Onlineberatung, die wir noch stärker ausbauen wollen. Wichtig ist, dass man sichtbar ist und gefunden wird. Das gilt auch imLEH – alle, die sich spezialisiert haben, sind Gewinner. InWien haben wir auf der einen Seite die großen Ketten und auf der anderen Seite die vielen kleinen Spezialisten, wie ich Mit Margarete Gumprecht steht eine Frau an der Spitze der WK Wien. Im Juli 2020 übernahm sie als Obfrau die Agenden von Rainer Trefelik. Vor dem CASH-Interview war Gumprecht auf Betriebsbesuch in der Wiener Innenstadt unterwegs und hat die Lage sondiert. Interview: Margaretha Jurik & Daniela Purer Seit 40 Jahren Händlerin mit Leib und Seele

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