CASH 02/2019

30 2|2019 ∙ CASH b  F l e i s c h d e b a t t e H a n d e l Foto: bierwirm – stock.adobe.com W urden in Österreich 2007 noch 66,8 kg Fleisch pro Kopf und Jahr verspeist, waren es 2017 nur mehr 63,4 kg. Besonders deutlich ist der Rück- gang laut AMA bei Schweinefleisch, nämlich von 40,9 kg auf 37,2 kg. Rind- und Kalbfleisch stagnieren bei etwa zwölf Ki- logramm pro Kopf und Jahr, eine leichte Zunahme um etwa ein Kilogramm auf 12,6 kg gab es bei Geflügel. Trotzdem werden laut Österreichischem Ernährungsbe- richt 2017 (herausgegeben vomGesundheitsministerium) die empfohlenen drei Portionen proWoche von beiden Geschlech- tern weiterhin deutlich übertroffen: Männer verspeisen 900 bis 1.320 Gramm Fleisch und Fleischprodukte proWoche und überschreiten die empfohlene Menge von maximal 300 bis 450 Gramm um etwa das Dreifache. Frauen liegenmit 483 bis 546 Gramm ebenfalls über diesen Empfehlungen, wenn auch nur geringfügig. Der Umweltschutzorganisation WWF Österreich geht es um andere Aspekte. In ihrem kürzlich publizierten Fleischrat- geber für nachhaltigen Fleisch-Einkauf wird Fleisch von Rind, Schwein und Huhn in den Kriterien „Klima“, „Artenvielfalt“, „Überdüngung“, „Pestizide“, „Antibiotika“ und „Tierwohl“ anhand eines Ampelsystems auf Basis ihrer Umweltfolgen bewertet. Empfohlen, wenn auchmit Einschränkungen, wird eigentlich nur Bio-Fleisch. Konventionell erzeugtes und im- portiertes Fleisch schneiden dramatisch schlecht ab. Dr.Tho- mas Lindenthal, Mitautor der Studie und Forscher an der Universität für Bodenkultur Wien sowie am Forschungsins- titut für biologischen Landbau (FiBL), erläutert die Ergebnisse: „Ein Blick auf das Etikett lohnt sich. Fleisch aus biologischer Landwirtschaft weist deutlicheVorteile gegenüber konventi- onellem Fleisch auf. Betrachtet man nur konventionelles Fleisch, so schneiden Hühnerfleisch und Rindfleisch aus Österreich in der Regel besser ab als importiertes. Denn ös- terreichisches Fleisch basiert auf meist gentechnikfreiem Futter und die Tiere haben mehr Platz. Bei österreichischem Schweinefleisch hingegen besteht dringender Nachholbedarf, sowohl in der Fütterung wie auch beimTierwohl. Hier gibt es oft nur geringe Qualitätsunterschiede zu importierterWare.“ Methodik hinterfragen Als Erster hinterfragte der Verein Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) den Fleischratgeber des WWF. „Die Kriteri- Ist Fleischeslust bald tabu? Der Fleischkonsum sinkt, die empfohlene Menge wird dennoch übertroffen. Und mit dem WWF Fleischratgeber erreicht das „Meat-Bashing“ eine neue Qualität. CASH bat Experten um eine Objektivierung. Autor: Max Pohl

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