CASH 03/2019

3|2019 ∙ CASH 93 K o m m e n t a r b  Uwe K n o p A lle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch das Frühjahr und damit die stets wiederkehrende Hochsaison für die Diätbranche. Denn mit Beginn der sonnig-warmen Jahreszeit werden die Kleidungsstücke dünner, die Ab- speckversprechen der Diätpäpste hin- gegen nehmen deutlich zu. Doch so sicher wie Zigtausende Frauen alljähr- lich und endlich auf „den Schlankeffekt“ des neusten Diäthypes hoffen, so klar und gewiss ist: Auch die 2019-er Trend- diäten werden mittel- bis langfristig nicht schlanker machen, sondern dicker, essgestört und mit wachsender Diät- karriere auch krank. Alle Diäten, ob LowCarb oder Inter- vallfasten oder XYZ-Diät, haben zwei elementare Eigenschaften gemeinsam. Erstens, egal wie sie heißen und was sie versprechen, sie wirken stets über ein- und dasselbe biologische Universalprin- zip: Die negative Energiebilanz. Der Körper bekommt weniger Kalorien als er benötigt und wird deshalb gezwun- gen, seine „geliebten“ Energiereserven abzubauen. Die Pfunde purzeln, und zwar nicht nur in Formvon Fett, sondern auch alsWasser undMuskelmasse – aber eben nur, solange man auf Diät is(s)t. So haben jüngst gleich zwei große Studien gezeigt, dass weder das derzeit oberhip- pe Intervallfasten (Helena) noch der „Diätklassiker“ LowCarb (Dietfits) zu besseren Abspeckerfolgen führen als ganz banale Reduktionsdiäten. Der alljährliche Marketingclou fin- digerVerkaufsgenies ist dabei: Rund um die negative Energiebilanz werden jede Saison neue „geheimnisvolle Erfolgs­ storys“ erfunden, um alten (verlogenen) Wein in neuen Hochglanzflaschen zu verkaufen – meist mit „Promietikett“, das verkauft sich dann noch besser, Misserfolg garantiert: G a s t k Diäten machen dick & krank wenn Lady Celebrity mit der neuen „LowCarb-Schlank-Pasta supertoll viel abgenommen hat – und ihre Haut fühlt sich auch noch viel besser an“. Denn es ist im Grunde genommen ja ganz ein- fach:Wer weniger als 1.400 Kcal amTag zu sich nimmt, der nimmt merklich ab – übrigens so auch mit der brandneuen „Austria-Nativ-Diät“, bei der man nur österreichische Köstlichkeiten wie Fia- kergulasch, Kaiserschmarren, Linzer Torte, Grießnockerlsuppe und natürlich Wiener Schnitzel essen darf. Und davon, kein Scherz, so viel man will – aber ma- ximal 1.400 Kcal amTag. Sechs Kilos in sechs Wochen schmelzen weg – garan- tiert! Durch Diäten bekommt man sein Fett weg – und wieder zurück! Aber anschließend folgt die zweite Ge- meinsamkeit aller Diäten: Zwischen 80 und 90 Prozent aller Abspecker werden nach der Diät wieder genauso schwer oder sogar noch schwerer – oftmals auch fetter als vorher, denn der Körper baut die während der Abspeckkur zwangs- aufgelöste Muskelmasse nicht wieder auf, denn: Fett einlagern ist physiolo- gisch viel einfacher. Das ist der bekann- te JoJo-Effekt. Nicht selten wirken sich Diäten zusätzlich negativ auf unsere Gesundheit aus. Neben Stimmungs- schwankungen und Granteligkeit auf- grund unterschwelligen Dauerhungers können auch Essstörungen eine folgen- schwere Nebenwirkung des künstlichen Hungerzustands sein. Diäten werden daher als „Einstiegsdroge“ in Essstörun- gen und Fettleibigkeit bezeichnet. Die Diätbranche: Ein marktwirt- schaftliches Paradox Das Abspeckbusiness ist der einzige Wirtschaftszweig, dessen Produkte un- wirksam seinmüssen, damit der Betrieb weiterläuft und der Cashflow gewähr- leistet werden kann. Denn, wenn es eine Diät gäbe, die dauerhaft schlank macht, dann gäbe es auch dieses Jahr keine neuenTrenddiäten. Ergo: Finger weg von Diäten. Foto: BoD Books on Demand Ad personam Uwe Knop ist Diplom-Ökotro- phologe und Buchautor (unter anderem „intuitiv essen“). Seit mehr als 10 Jahren bildet die ob- jektive, ideologiefreie und kriti- sche Analyse Tausender aktuel- ler Ernährungsstudien den Kern seiner Arbeit. Sein essenzielles Anliegen ist ihm dabei sowohl die Vermittlung der massiven Aussageschwäche und system- immanenten Limitierungen der Ernährungsforschung, die nur Korrelationen, aber keine Kausa- litäten liefert, als auch die Of- fenlegung der Mechanismen er- nährungslobbyistischer Verbrauchermanipulation.

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