Amazon: Großrazzia im Paketzentrum Österreich
 
Amazon

Großrazzia im Paketzentrum Österreich

Wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Schwarzarbeit stürmte die Finanzpolizei am Dienstag das Amazon-Verteilzentrum in Großebersdorf bei Wien.

Eine nicht ganz so schönen Überraschungsbesuch erlebte man am Dienstag bei Amazon Österreich. Über 60 Mann der Finanzpolizei stürmten unangemeldet das erst im Februar 2019 eröffnete Verteilzentrum Großebersdorf und filzten dieses zwei Stunden lang. Das berichtet die Tageszeitung "Die Presse", die offenbar gerade zu dieser Zeit eine Werksführung bekam, als die Beamten "anklopften". "Ein paar hektische Minuten später steht das perfekt aufeinander abgestimmte Räderwerk still", schreibt die Zeitung über den ereignisreichen Tag im Amazon-Lager.

Das Finanzministerium bestätigte den Einsatz. Grund für die Razzia war der Verdacht auf gewerbsmäßige Schwarzarbeit und galt nicht direkt Amazon selbst, sondern den Subfirmen, die für den Onlineriesen Pakete im Großraum Wien auslieferten. Wie ein Sprecher des Finanzministeriums gegenüber der APA angab, wurden in erster Linie die Fahrerlisten sichergestellt, um die tatsächlichen Dienstzeiten zu überprüfen. Betroffen sind rund 500 Fahrer, von denen viele nur geringfügig gemeldet sind. Bei einer Kontrolle von 174 Dienstnehmern in 36 Betrieben seien 49 Verstöße festgestellt worden, vor allem gegen das Lohn- und Sozialdumping- sowie das Ausländerbeschäftigungsgesetz.

Zuspruch von Seiten der Gewerkschaft
Die Gewerkschaft vida begrüßt die Kontrollen der Finanzpolizei bei den Paketzusteller-Subunternehmerfirmen und fühlt sich jetzt in ihrer jahrelangen Kritik an Sozialdumping, Scheinselbstständigkeit und Schwarzarbeit in der Zustellungsbranche im Onlinehandel bestätigt, wie Karl Delfs, Bundesekretär des vida-Fachbereichs Straße, verkünden lässt. "Es war ein richtiger Schritt, dass die Behörden diese Kontrollen jetzt durchgeführt haben. Nun wird man solche Fälle von Scheinselbstständigkeit und Schwarzarbeit jedenfalls nicht mehr nur als Vergehen einiger schwarzer Schafe in der Branche abtun können", so Delfs. Der Gewerkschafter fordert eine Versenderhaftung für den Onlinehandel, eine personelle Aufstockung der Kontrollbehörden sowie eine gesetzliche Aufzeichnungspflicht der Arbeits- und Ruhezeiten auch für Kleintransport-LKW unter 3,5 Tonnen.
stats