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Apple Pay und Alipay: Wie könnte eine zukünftige Zusammenarbeit aussehen?

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Screenshot: apple.com
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Erst vor kurzem hat Alibaba-Chef Jack Ma auf einer vom “Wall Street Journal” initiierten Veranstaltung Interesse an einer Zusammenarbeit mit Apple geäußert.

Denn mit Apple Pay und Alipay haben beide Unternehmen vielversprechende Bezahldienste. Ebenfalls anwesend war Apple-CEO Tim Cook, der sich später ebenfalls positiv über eine mögliche Partnerschaft äußerte. etailment.at hat die wichtigsten Pressestimmen der vergangenen Tage für Sie zusammengefasst.



“Eine mögliche Partnerschaft, gleich welcher Art, hätte ungeheures Potenzial in China”, schreibt Juro Osawa vom deutschen Online-Portal des “Wall Street Journal”. Alibaba kontrolliert im Land ungefähr 80 Prozent des Online-Handels. Ebenso wird ein Großteil der Transaktionen bereits über Alipay abgewickelt. Alibaba will in Zukunft vor allem in Geschäften, Restaurants oder Taxis expandieren. Eine gegenseitige Zusammenarbeit würde laut Osawa Vorteile für beide Seiten bringen. So hätte etwa Alibaba einen Zugang zum Einkaufsverhalten der Nutzer von iPhones, die am chinesischen Markt von einer eher wohlhabenden Kundschaft genutzt werden. Alibaba könnte „mehr Daten über Offline-Zahlungen von Premiumkunden sammeln“, wie Osawa Bryan Wang von Forrester Research zitiert. Apple wiederum hätte Zugriff auf das große Transaktionssystem von Alipay. Dieses wird nicht nur von tausenden Verbrauchern und Unternehmen genutzt: Bei mehr als 200 Finanzinstituten in China können Kunden Geld von ihrem Konto zu Alipay überweisen lassen.


Mögliche Hürden



Jedoch würde die Allianz laut Osawa auch auf einige Hindernisse stoßen: So haben die klassischen Staatsbanken in China bereits ihren Unmut geäußert. Ebenfalls müssten Kassen in China landesweit mit entsprechenden Chips ausgestattet werden, die iPhones lesen können. In dieser Hinsicht bietet sich Apple in China mit Union Pay noch ein anderer attraktiver Partner an. Der staatliche Monopolist betreibt in ganz China bereits Kartenleser, mit denen auch ein Bezahlen mit iPhone möglich ist. „Kurzfristig würde ein Deal mit Union Pay für Apple Sinn ergeben. Eine Allianz mit Alipay dagegen könnte langfristigen Entwicklungen in der Zukunft dienen“, zitiert Osawa den Experten für Finanzdienstleistungen bei Deloitte, Chris Harvey.



Regulatorische Fragen sind zu klären



Christian Höller von der “Presse” fragt sich, welche Rolle Banken durch die Zusammenarbeit in Zukunft spielen werden. Zwar läuft der Zahlungsverkehr von Apple Pay in den USA über Visa und MasterCard, jedoch hält es Höller für durchaus möglich, dass IT-Konzerne bald selbst um Banklizenzen ansuchen werden, um Konten führen zu können. Somit werden Teilgeschäfte der Banken überflüssig. In Großbritannien hat Google bereits eine Banklizenz, auch Facebook plant den Einstieg ins Finanzgeschäft. Höller zitiert Peter Bosek, Vorstand der Erste Bank, der sich gegenüber der „Presse“ so äußerte: „Innerhalb der nächsten zwölf bis 18 Monate werden sie (Google und Facebook; Anm. d. Autors) in Teilbereichen Finanzdienstleistungen anbieten.“ Als Vorteil von Apple sieht Bosek vor allem die hohe Anzahl an Daten, die das Unternehmen etwa durch iTunes-Accounts generieren kann. Würde man aus allen Accounts Girokonten machen, hätte Apple „mehr Kunden als die drei größten US-Banken zusammen“, so Bosek. Durch die Kooperation von Apple und Alibaba sind für Höller aber auch eine Reihe von regulatorischen Fragen zu klären. Themen wie Einlagensicherung und Datensicherheit müssten geklärt werden, da „viele Internetkonzerne darauf spezialisiert sind, die Daten ihrer Nutzer zu Geld zu machen“, so Höller.



Geschäftsmodelle müssen überdacht werden



“Alibaba und Apple. Diese Kombination sollte die letzte Bank hellhörig machen, die bisher gedacht hat, der reine Zahlungsverkehr sei kein spannendes Geschäft mehr”, schreibt Carsten Knop von der “Frankfurter Allgemeine Zeitung”. Im Vorstoß von Apple und Alibaba sieht er genau das Gegenteil und darin eine „Bedrohung“ für die Finanzdienstleister. Nicht nur zukünftige Strategien für Privatkunden müssen überdacht werden – so werden Technologiekonzerne wie Apple und Alibaba laut Knop in Zukunft auch Transaktionen zwischen Unternehmen in Angriff nehmen. Knop dazu: „Nicht nur die Banken, aber besonders diese, brauchen eine neue Idee von ihrem künftigen Geschäftsmodell.“



Kooperation als Strategie



Li Xiaoxiao fragt auf marketwatch.com: „Wollen beide Unternehmen wirklich zusammenarbeiten? Oder ist dies nur eine PR-Aktion, um Union Pay, den derzeitigen Partner von Apple in China, neidisch zu machen?“ Xiaoxiao beruft sich auf den Payment-Experten Chen Jianwei, der Union Pay noch immer vorne sieht, wenn es um eine Partnerschaft mit Apple geht. Vor allem deshalb, weil Union Pay den Offline-Zahlungsmarkt mit seinem enormen Netzwerk am Point of Sale bestimmt. Laut Jianwei würde es Jahre dauern, bis Alipay eine Konkurrenz für Union Pay darstellen könnte. Und Jianwei weiter: „Wieso sollte ein Unternehmen wie Apple mit dem Hang zum Perfektionismus Apple Pay in einem Land launchen, wo ihm nur eine limitierte Anzahl an Geschäften zur Verfügung steht, um mit dem Service bezahlen zu können?“ Laut Jianwei sind die Gespräche um eine mögliche Kooperation mit Alibaba nur eine Strategie, um die Verhandlungen mit Union Pay voranzutreiben und Druck aufzubauen.



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