: „Bitcoins haben das Potenzial, eine Weltwä...
 

„Bitcoins haben das Potenzial, eine Weltwährung zu werden“

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Erik Meierhoff, Head of Business Development EU Rakuten: „Ein klarer Vorteil für den Kunden ist die Transparenz des Zahlungsprozesses und die Tatsache, dass man Zahlungen ohne Eingabe sensibler Daten vornehmen kann.“ (Foto: Rakuten)
Erik Meierhoff, Head of Business Development EU Rakuten: „Ein klarer Vorteil für den Kunden ist die Transparenz des Zahlungsprozesses und die Tatsache, dass man Zahlungen ohne Eingabe sensibler Daten vornehmen kann.“ (Foto: Rakuten)

Rakuten hat im März 2015 angekündigt, Bitcoins auf seinen Markplätzen weltweit als Zahlungsmittel einzuführen, ab Mitte 2015 auch für Händler und Kunden in Österreich – etailment.at hat berichtet. Im Interview haben wir Erik Meierhoff, Head of Business Development EU von Rakuten, über die Chancen der Kryptowährung befragt.

etailment.at: Viele Onlinehändler sind gerade erst dabei, alle gängigen Zahlungsmethoden in ihre Onlineshops zu integrieren. Weiters zahlen in Österreich erst ein paar tausend Menschen mit Bitcoins. Trifft hier Rakuten nicht auf schwierige Voraussetzungen?



Erik Meierhoff: Ganz im Gegenteil: Bitcoins haben das Potenzial, eine Weltwährung zu werden, was gerade in einem relativ kleinen Markt wie Österreich für Händler und Kunden durchaus interessant sein wird. Weltweit sind immerhin schon knapp acht Millionen Bitcoin Wallets in Gebrauch und über 80.000 Händler akzeptieren Bitcoins, darunter Dell, Microsoft, Expedia und bald auch Rakuten. Mit unseren Bestrebungen, alle Marktplätze weltweit zusammenzubringen, steigt auch die Relevanz von Kryptowährungen für kleinere, lokale Anbieter.



etailment.at: Und wieso haben Sie sich gerade dazu entschlossen, Bitcoins als Zahlungsmittel einzuführen?



Erik Meierhoff: Zu den Hauptpfeilern unseres Ökosystems in Japan zählen neben digitalem Content und E-Commerce auch Finanzdienstleistungen. Wir sind stetig dabei, zu bewerten, welche Services, regional angepasst, auch in Europa Potential bieten könnten und bei Kryptowährungen sehen wir ebendieses Potential.



Marktplätze sind Aggregatoren, die Angebot und Nachfrage zusammenbringen, deswegen unsere Entscheidung, Bitcoins durch unser Engagement aus der Nische in die breite Öffentlichkeit zu bringen. Rakuten bündelt damit die Nachfrage von Händlern und Kunden, Bitcoins auch im täglichen Leben nutzen zu können.



Das deckt sich zusätzlich haargenau mit unserer Vision von grenzenlosem, weltweitem Handel, für die Kryptowährungen eine Basis bieten können.



etailment.at: Welcher Grund war für Rakuten ausschlaggebend, sich für Bitnet als Partner zu entscheiden?



Erik Meierhoff: Bitnet ist einer der führenden Enterprise Provider von Bitcoin-Zahlungsdiensten und entwickelt Technologien, die das erforderliche Vertrauen und nötige Funktionalitäten bieten und sich nahtlos in bestehende Systeme integrieren lassen. Deswegen haben wir auch sofort in Bitnet investiert, da wir ihre Lösung schnell selbst nutzen können. Gleichzeitig unterstützen wir ein Geschäftsmodell, das wir als sehr zukunftsweisend erachten.



etailment.at: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Vorteile von Bitcoins hinsichtlich Sicherheit gegenüber anderen Zahlungsarten im Internet?



Erik Meierhoff: Ein klarer Vorteil für den Kunden ist die Transparenz des Zahlungsprozesses und die Tatsache, dass man Zahlungen ohne Eingabe sensibler Daten vornehmen kann. Händler profitieren in erster Linie von den Vorzügen einer direkten, unumkehrbaren Transaktion. Damit entfällt das Chargeback-Risiko komplett und auch die Betrugsgefahr wird minimiert. Außerdem sind die Paymentkosten für solch eine sichere und globale Zahlart sehr gering.



etailment.at: Bitcoins dürfen in Österreich auch ohne Banklizenz vertrieben werden – das Grazer Startup Coinfinity hat erst vor kurzem eine Anfrage an die Finanzmarktaufsicht (FMA) gestellt und einen positiven Bescheid erhalten. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?



Erik Meierhoff: Die Herausforderung für einen Player wie Rakuten ist, dass die Regulatoren in der EU noch keine einheitliche Definition im Umgang/Regulierung mit Bitcoins haben. Viele Österreicher kaufen jetzt schon in Deutschland, viele Deutsche in Österreich, Tendenz steigend – eine wie auch immer geartete lokale (Nicht-) Regulierung nützt damit leider keinem etwas. Grundsätzlich sehen wir große Vorteile in der einheitlichen Regulierung über die Bankbehörden, denn Bitcoins brauchen dringend klare gesetzliche Regelungen, um das Vertrauen der Kunden und auch der Händler zu gewinnen. Dies ist auch ein Grund, warum Rakuten in Europa beispielsweise durch die BaFin (Deutschland) und durch die CSSF (Luxembourg) reguliert ist!



etailment.at: Rakuten hat angekündigt, Bitcoins als Zahlungsmittel bis Mitte 2015 auf dem österreichischen Marktplatz anzubieten. Welche Hürden hat Rakuten bis zu diesem Zeitpunkt noch zu bewältigen?



Erik Meierhoff: Da wir die Zahlungsabwicklung für unsere Händler komplett übernehmen, geht es dabei in erster Linie um den Prozess zwischen Rakuten, Bitnet und unserem PSP Computop. Der Kunde zahlt nicht an den Händler, sondern direkt an uns, was für Händler wie Kunden Vorteile hat. Das heißt, Händler und Kunden bekommen von der Komplexität im Hintergrund gar nichts mit, es ist für diese dann „einfach da“. Das bedeutet für Rakuten natürlich, diese Dreiecksbeziehung in allen Aspekten durchzuplanen, viele Detailfragen zu klären, zum Beispiel wie Rückbuchungen sauber und zeitnah erledigt werden können.



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