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Das österreichische Startup-Ökosystem im Visier

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Die österreichische Startup-Szene blüht auf. Kürzlich holte sich das Klagenfurter Startup bitmovin finanzstarke Investoren an Bord, das Grazer Jungunternehmen Synvo schnuppert dieses Jahr Luft im Gründer-Mekka Silicon Valley. Anlass genug, die österreichische Gründerszene etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Aus internationaler Sicht mag Österreich ja noch in den Kinderschuhen stecken, wenn es um die Startup-Kultur geht. Natürlich: An die Entwicklungen in Berlin reicht Wien noch lange nicht heran – zu sehr hätten die heimischen Gründer mit GmbH-Recht, Kosten und fehlender Offenheit zu kämpfen. Trotz alledem wächst die heimische Jungunternehmer-Szene seit Jahren beständig weiter. Wir haben uns die einzelnen österreichischen Bundesländer etwas genauer angesehen.

Das österreichische Gründer-Mekka ist wenig überraschend die Bundeshauptstadt Wien. 68 Prozent aller österreichischen Startups sind hier beheimatet, hat die Startup-Initiative Austrian Startups ausgerechnet. Zum „Start-up-Bezirk“ schlechthin hat sich der zentral gelegene Bezirk Wien Margareten entwickelt, die Gegend rund um den Naschmarkt. In günstigen Geschäftslokalen hat sich hier eine Vielzahl an Coworking Spaces wie etwa der Sektor 5 gebildet, auch Inkubatoren wie i5invest und größere Büros (z.B. Kochabo.at) siedelten sich hier innert kürzester Zeit an. Wichtige Anlaufstellen für Wiener Jungunternehmer ist die Startup-Initiative der Stadt Wien, Mingo. Außerdem unverzichtbar: die AustrianStartups-Initiative und das Pioneers Festival. Mysugr, Whatchado und zoomsquare gehören zu jenen Wiener Startups, die 2014 Investments in Millionenhöhe an Land ziehen konnten.

Viele Jungunternehmer versuchen ihr Glück auch in der zweitgrößten Stadt Österreichs, Graz. 7,5 Prozent aller österreichischen Startups sind in der Steiermark zuhause. Dort gibt es neben Crowdfunding-Plattformen wie Green Rocket und 1000×1000 auch öffentliche Initiativen zur Startup-Förderung: So hat die Stadt Graz zu Jahresbeginn einen Call für einen Coworking Space ausgeschrieben und will besonders ambitionierte Projekte finanziell fördern. Wichtige Anlaufstelle für Jungunternehmer ist zudem das IdeenTriebwerk Graz, das die Grazer Startup-Szene vernetzen möchte. Einen steirischen Erfolg feiert aktuell das Grazer Startup Synvo, das sich auf Text-to-Speech Technologien spezialisiert hat: als einziges steirisches Unternehmen erhielt es dieses Jahr die Möglichkeit, im Rahmen der WKO-Initiative „Go Silicon Valley“ Unternehmerluft im Silicon Valley zu schnuppern. Zwei weitere erfolgreiche Startups aus der Steiermark sind BikeCityGuide und Trendley.

Eine überschaubare Szene mit viel Aufwind kann die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz für sich in Anspruch nehmen. Zwar ist nur etwa jedes zwanzigste österreichische Startup in Oberösterreich zuhause, doch ist die 200.000 Einwohner Stadt Linz immerhin Heimat eines der erfolgreichsten heimischen Startups, Runtastic. Eine exzellente Infrastruktur für junge, technologie-orientierte Startups bietet der Softwarepark Hagenberg, von vielen Seiten liebevoll als das „Silicon Valley vor den Toren von Linz“ bezeichnet. Dort sind etwa 60 Unternehmen angesiedelt, darunter tiscover, bluesource und reqPool. Zur Anlaufstelle hat sich auch akostart entwickelt, ein hochschulübergreifendes Netzwerk für akademische Startups und Spinoffs. LineMetrics, eventogram und Bizzify sind nur drei der vielen aufstrebenden Akteure in der Linzer Startups-Szene.

Etwas dünner wird die „Startup-Luft“ in den restlichen Bundesländern. Das Bundesland Salzburg etwa ist zwar Heimat einer Reihe von spannenden Startups – beklagt wird jedoch der Mangel an Kapital und Interesse für diese junge Branche. Zudem ist dort nicht nur die Gründerszene selbst relativ überschaubar – lediglich 5 Prozent aller österreichischen Startups sind dort beheimatet – sondern auch die entsprechende Infrastruktur. Einen Coworking Space für Jungfirmen schafft bislang nur das Gemeinschaftsbüro Coworking Salzburg, das von Romy Sigl gegründet wurde. Als wichtige Anlaufstelle für Salzburger Jungunternehmer gilt zudem das AplusB-Zentrum Business Creation Center Salzburg. Mit Wikitude hat die Mozartstadt aber auch einen prominenten Pionier in Sachen Augmented Reality vorzuweisen. Das Salzburger Startup Authentic Vision bietet Lösungen gegen Produktpiraterie und hat im Juni 2014 eine hohe sechsstellige Summe erhalten – unter anderem von einem Finanzier aus den USA. Spannende Ideen stammen zudem von den Salzburger Startups Onyx, Symptoma und Findologic.

Im Schatten von Wien steht das größte Bundesland Österreichs, Niederösterreich. Nur zwei Prozent aller österreichischen Startups kommen von dort, hat AustrianStartups errechnet. Das hat vor allem mit der Lage von Wien zu tun, das auf niederösterreichische IT-Talente mit Gründergeist magnetische Wirkung hat. Finanzierungsmöglichkeiten ergeben sich in Niederösterreich aus dem regionalen Förderprogramm ecoplus, beratende Unterstützung erhält man bei der regionalen Gründeragentur RIZ, die im Rahmen des RIZ-Genius Wettbewerbs auch gern einmal Gelder vergibt. Anlaufstellen für junge Unternehmer mit Fokus auf IT ist auch das Gründerservice accent: gemeinsam mit der FH St. Pölten formt Accent die innovativsten Ideen der FH-Studenten zu Startup-Projekten – das „Pre-Incubator“-Programm startet im September 2014. Ein spannendes Startup aus Niederösterreich ist LineMetrics, das es Unternehmen ermöglichen will, Daten aus ihrer Umgebung aufzuzeichnen und zu analysieren. Niederösterreichischer Herkunft ist auch das auf Indoor-Navigation spezialisierte Startup indoo.rs, das den Sprung in den US-amerikanischen Markt bereits erfolgreich hinter sich gebracht hat.

Etwa fünf Prozent aller heimischen Startups stammen aus dem südlichsten Bundesland Österreichs. Wie in den meisten anderen Bundesländern, erwächst die Startup-Szene auch in Kärnten vor allem aus dem universitären Bereich (Lakeside Science & Technology Park). Erst vor kurzem sich das 2012 gegründet Spin-Off der Alpen-Adria Universität Klagenfurt/Celovec Bitmovin zwei prominente Investoren angeln, nämlich Speedinvest und Constantia. Mit seiner neuen Streaming-Technologie namens „Bitdash“ will Bitmovin eine doppelt hohe Streaming-Qualität erreichen, als sie derzeit vorhanden ist – das junge Spin-Off strebt einen Markteintritt in den USA an. Weitere bekannte Startups aus Kärnten sind Checkrobin und Sportly. Anlaufstellen finden Kärntens Jungunternehmer im Gründerzentrum build! und in der Innovationswerkstatt der FH Kärnten.

Die Schlusslichter in Österreichs Startup-Szene bilden sowohl das westlichste als auch das östlichste Bundesland, Vorarlberg und das Burgenland. Dort finden sich jeweils ca. 2,5 Prozent aller österreichischen Startups, vor allem in den Ballungszentren Dornbirn und Eisenstadt. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Startups mit technischen Schwerpunkten. Die Vorarlberger Startup-Szene trifft sich im Dornbirner Co-Working Space.  Burgenländische Jungunternehmer vernetzen sich bei der Konferenz winquadrat in Eisenstadt oder können sich beim Ideenwettbewerb Mein Masterplan behaupten. Dort reüssierte dieses Jahr etwa das Purbacher Team von ready2order, das ein mobiles und plattformunabhängiges Kassen- und Fakturierungssystem entwickelt hat. Das Burgenland will in Zukunft verstärkt in Forschung und in die Vernetzung von Startups investieren: Noch vor der Sommerpause 2014 stellte die Landesregierung die sogenannte FTI-Strategie (Forschungs-, Technologie und Innovationsstrategie) auf die Beine. Kern der Strategie ist es, die Zusammenarbeit von Industrie-, Forschungs- und Schulungseinrichtungen des Landes mit Jungunternehmen zu fördern.

  Gründer-Mekka Wien
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Unternehmergeist in der Steiermark
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Oberösterreichisches Aushängeschild: Softwarepark Hagenberg
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Mangel an Interesse und Kapital in Salzburg
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Dünne Startup-Luft in Niederösterreich
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Kärnten: Startups wachsen aus universitärem Umfeld
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  Burgenland setzt auf Tech-Startups
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