: Die E-Commerce-Revolution made in China
 

Die E-Commerce-Revolution made in China

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Der Sitz der Alibaba Group in Hangzhou, China. (Foto Copyright: Alibaba Group)
Der Sitz der Alibaba Group in Hangzhou, China. (Foto Copyright: Alibaba Group)

Weltweit noch eher unbekannt, hat Alibaba den Onlinehandel in China revolutioniert.

In den vergangenen 15 Jahren baute Gründer Jack Ma das Unternehmen zu einem gigantischen E-Commerce-Imperium auf. Werbeplanung.at „update“ hat sich die Fakten und Hintergründe angesehen.



Im Rahmen der Markenwertstudie BrandZ des internationalen Marketing- und Marktforschungsunternehmens Millward Brown wurde Alibaba als die wertvollste Retail-Marke der Welt ausgewiesen – und liegt damit im Ranking sogar noch vor Amazon. Doch wie hat es ein in Europa noch weitgehend unbekanntes Unternehmen wie Alibaba geschafft, einen Internetgiganten wie Amazon in der Studie zu übertrumpfen?



Alibaba sorgt in den Wirtschaftszeitungen weltweit regelmäßig für Schlagzeilen. In den internationalen Blickpunkt rückte das Unternehmen vor allem durch den 25 Milliarden US-Dollar schweren Börsengang an der Wall Street am 19. September 2014. Alibaba-Gründer Jack Ma ist das Gesicht des Unternehmens und wird als einer der reichsten Männer der Welt geführt. Ma schafft es laut der aktuellen Forbes-Liste auf Platz 33 der reichsten Menschen der Welt. Sein Vermögen wird auf 22,7 Milliarden US-Dollar geschätzt. Und in den vergangenen zwölf Monaten haben 367 Millionen aktive Käufer die chinesischen Shoppingplattformen genutzt. In China selbst werden rund 80 Prozent der Alibaba-Umsätze erwirtschaftet.



Trotz dieser beeindruckenden Zahlen hat sich Alibaba weiterhin große Ziele gesteckt. Auf der Webseite des Unternehmens kann man von folgender Vision lesen: „Our culture, business models and systems are built to last.“ 1999 gegründet, will das Unternehmen mindestens 102 Jahre bestehen – somit würde man nach eigener Aussage die Geschichte des E-Commerce in drei verschiedenen Jahrhunderten – vom 20. bis ins 22. Jahrhundert – aktiv mitgestalten.



Der Aufstieg zum Imperium



Die Alibaba Group verfügt über ein breites Netzwerk an Plattformen, die unterschiedliche Bereiche des E-Commerce bedienen. Mastermind Ma baute die Alibaba Group in den vergangenen 15 Jahren sukzessive auf. Dabei begann das Unternehmen ganz klein: 1999 wurde Alibaba von Ma und 17 weiteren Personen gegründet – als Büro diente damals das Appartement von Ma in Hangzhou. Mit dem Namen Alibaba wollte der Gründer dem Unternehmen einen weltweit bekannten Namen geben, der gleichzeitig die globale Ausrichtung von Alibaba unterstreichen sollte.



Das Unternehmen startete mit dem Ziel, kleine und mittlere Unternehmen Chinas in der Welt des Internets konkurrenzfähig zu machen. Dabei kam Ma nach eigenen Aussagen erst 1995 bei einem Besuch in den USA das erste Mal mit dem Medium Internet in Kontakt. Mit Alibaba.com ging dann 1999 eine englischsprachige Website online, die einen weltweiten Handelsplatz für chinesische Unternehmen bot. Bereits im Dezember 2001 konnte Alibaba.com eine Million User zählen.



Im Mai 2003 folgte der nächste große Schritt: Die Onlineshopping-Website Taobao wurde ins Leben gerufen. Taobao ist ein eBay nicht unähnlicher Marktplatz. Vor allem kleine Händler können auf der Plattform Produkte zu einem Fixpreis oder zur Auktion anbieten. 2008 wurde das Portal Tmall.com ins Leben gerufen: Der Name ist die Abkürzung von Taobao Mall und soll als Spin-off den B2C-Markt bedienen. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens war der Launch von AliExpress im April 2010, wodurch Exportunternehmen in China der globale Zugang zu Konsumenten ermöglicht werden soll. Mit Alipay schuf die Alibaba Group 2004 überdies ein Payment Service, das über alle Währungen hinaus Käufe und Zahlungen weltweit ermöglichen sollte. Der Bezahldienst Alipay hat heute mehr als 300 Millionen aktive Nutzer. Im Laufe der Jahre schuf Alibaba eine Reihe weiterer Plattformen für die Anbahnung von Geschäften im E-Commerce. Ebenfalls wurden strategische Partnerschaften geschlossen, so 2005 mit Yahoo!, wobei das US-amerikanische Unternehmen 40 Prozente der Anteile von Alibaba übernahm. Die Anteile wurden 2012 zu einem großen Teil wieder zurückerworben.



E-Commerce in China boomt



Die Gründung von Alibaba erfolgte jedoch in einem eher wenig verheißungsvollen Markt: Laut den Zahlen der Weltbank nutzte um die Jahrtausendwende gerade einmal jeder fünfzigste Mensch in China das Internet. Zum Vergleich: In Österreich waren es zum gleichen Zeitpunkt bereits 34 Prozent.



Heute bricht der E-Commerce-Markt in China mit einem Verkaufszuwachs von rund 20 Prozent im Jahr 2014 laut Aussagen der Wirtschaftskammer Österreich „alle Rekorde“, während im Reich der Mitte zum Vergleich im Einzelhandel „nur“ ein Anstieg von rund sechs Prozent zu verzeichnen ist. Die Außenwirtschaft der WKO spricht auf ihrer Website sogar davon, dass „speziell in China für diese Branche so günstige Rahmenbedingungen wie nirgendwo auf der Welt herrschen“. Verantwortlich dafür sind unter anderem die geringen Markteintrittsbarrieren.



Auch im Global Retail E-Commerce Index von A.T. Kearney zeigt sich die starke Position des chinesischen Onlinehandels. Zwar konnten die USA 2014 China wieder von der Top-Position verdrängen, jedoch verzeichnet der Onlinehandel in China einen weiteren Wachstumsschub, wenn auch schwächer als in den Vereinigten Staaten. Mit dem zweiten Platz im Ranking unterstreicht China weiter die Attraktivität seines Onlinemarktes.



Charismatische Galionsfigur



Jedes erfolgreiche Unternehmen verlangt nach einer charismatischen Führungspersönlichkeit. Stehen der Name Steve Jobs für Apple und Jeff Bezos für Amazon, so verbindet man Alibaba unweigerlich mit dem Namen Jack Ma – einer internationalen Form seines bürgerlichen Namens Ma Yun. Im Mai 2013 hat Ma seinen Posten als CEO zurückgelegt und agiert nun ausschließlich als Vorstandsvorsitzender.



Der 50-jährige Chinese ist das Aushängeschild des Unternehmens und schafft es neben seinen geschäftlichen Erfolgen immer wieder mit knackigen Aussagen in die Schlagzeilen. So etwa betont Ma immer wieder die untergeordnete Stellung, die Aktionäre in der Unternehmensphilosophie haben: Diese stehen laut Ma nach den Kunden und Angestellten des Unternehmens seiner Ansicht nach erst an dritter Stelle in der Prioritätensetzung.



Bevor sich Ma dem Internet-Business zuwandte, arbeitete er jahrelang als Englischlehrer. Auf dem World Economic Forum in Davos im Jänner 2015 sagte Ma in einem Interview, die Aufnahmetests für die Universität drei Jahre lang nicht geschafft zu haben. Auch seine vielen erfolglosen Jobbewerbungen betont Ma in Interviews regelmäßig. Diese Kultur des Scheiterns – und des daraus resultierenden Lernens – sind für Ma ein wichtiger Schlüssel für den heutigen Erfolg des Unternehmens. Bereits vor der Gründung von Alibaba hatte es Ma mit einem Internet-Start-up versucht: Nach seinem ersten Kontakt mit dem Medium Internet im Jahr 1995 startete er das Unternehmen ChinaPages.com, ein Adressverzeichnis für chinesische Unternehmen.



Bezahlen mittels Gesichtserkennung



In seiner globalen Ausrichtung ist Alibaba heute bemüht, mit internationalen Partnern die eigenen Geschäftsbereiche weiter auszubauen. Erst im Sommer 2014 schloss Ma auf einer vom „Wall Street Journal“ veranstalteten Konferenz eine Zusammenarbeit mit Apple bezüglich eines Bezahldienstes nicht aus. Weiters verfolgt das Unternehmen die Umsetzung von neuen und innovativen Ideen: Auf der CeBIT im März 2015 demonstrierte Ma, wie das Bezahlen mittels Gesichtserkennung beim Onlineshopping funktionieren könnte. Jedoch gibt es im globalen Handel selbst für Alibaba und Jack Ma noch einige Hürden zu meistern. So war das Unternehmen in den vergangenen Monaten wegen des Verkaufs von Plagiaten bekannter Marken in die Schlagzeilen geraten, mit dem Vorwurf, nicht entschieden genug gegen gefälschte Waren auf Alibaba vorzugehen. Doch selbst diese Aufgabe sollte für ein Unternehmen wie Alibaba keine unüberwindbare Hürde darstellen. Oder, um Jack Ma zu zitieren: „Stop complaining, you can find opportunities.“





Foto der Eröffnungszeremonie zum Launch von Alibaba.com 1999. (Foto Copyright: Alibaba Group)
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Foto der Eröffnungszeremonie zum Launch von Alibaba.com 1999. (Foto Copyright: Alibaba Group)


Jack Ma, Gründer von Alibaba ist laut der aktuellen Forbes-Liste auf Platz 33 der reichsten Menschen der Welt. (Foto Copyright: Alibaba Group)
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Jack Ma, Gründer von Alibaba ist laut der aktuellen Forbes-Liste auf Platz 33 der reichsten Menschen der Welt. (Foto Copyright: Alibaba Group)
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