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„Die Eigenverantwortung der Österreicher ist unfassbar groß“

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Hannes Jagerhofer, Gründer von checkrobin.com (Foto: checkrobin.com)
Hannes Jagerhofer, Gründer von checkrobin.com (Foto: checkrobin.com)

Hannes Jagerhofer ist als Gründer von checkrobin.com mit seinem Service dafür verantwortlich, dass Menschen in Österreich täglich dringend benötigte Gegenstände schnell, sicher und billig verschicken können. Wie Jagerhofer auf seine Geschäftsidee gekommen ist, hat er Werbeplanung.at „update“ im Interview verraten. Im Printprodukt „update“ können unsere Leser seit der Frühjahrsausgabe 2015 die Rubrik „etailment inside“ mit den wichtigsten Ereignisse im österreichischen E-Commerce finden.

update: Wie ist eigentlich die Idee zur Plattform checkrobin.com entstanden?



Hannes Jagerhofer: Ich habe damals bei der Wien-Ausfahrt in Guntramsdorf getankt und die hohe Anzahl an Kärntner Kennzeichen bemerkt, die immer wieder zu- und abgefahren sind. Auffallend war vor allem, dass in jedem Auto nur eine Person unterwegs war. Ich habe mich dann bei der ASFINAG um ein paar Zahlen bemüht und angefragt, wie viele Fahrzeuge täglich auf dieser Strecke unterwegs sind. Erhalten habe ich extrem hohe Zahlen, die darauf hingewiesen haben, wie viel leeres Ladevolumen täglich ungenutzt durch die Gegend fährt. Zur gleichen Zeit musste ich ein technisches Produkt verschicken. Nach fünfstündigem Verpacken ging ich zur Post – diese hatte aber aufgrund der Mittagspause gerade geschlossen. Damit sich andere Personen eine derartige Situation ersparen können, kam mir die Idee, ein Unternehmen ins Leben zu rufen, das Gegenstände flexibel und schnell transportiert. So kam es zur Gründung von checkrobin.com.



update: Welche Rolle spielen Flexibilität und der Community-Gedanke bei checkrobin.com?



Jagerhofer: Das Tolle ist, wie verlässlich unser Service ist. Die Eigenverantwortung der Österreicher ist unfassbar groß, und wir hatten bis jetzt noch kein einziges Mal ein Problem hinsichtlich eines beschädigten Pakets oder ähnlicher Beschwerden. Ebenfalls führt unser Service zu einer Reihe an netten Geschichten. Einmal etwa hat ein Robin (Robin ist die Bezeichnung für den Fahrer des Pakets, Anm. der Redaktion) bei der Übersiedlung geholfen – die beteiligten Personen sind jetzt miteinander befreundet. Ein anderes Mal hat einer unserer Kunden einen Fernseher verschickt. Der Robin hat den Fernseher für die Dame sogar noch aufgebaut, angesteckt und alle Kanäle eingestellt. Das ist der Community-Gedanke, die Share Economy hinter checkrobin.com. 30 Prozent unserer Nutzer verwenden checkrobin.com, weil sie unsere Idee cool finden und etwas Gutes tun wollen. Der Umweltgedanke spielt ebenso eine Rolle.



update: War der Umweltgedanke von Anfang an etwas, das hinter checkrobin.com stehen sollte?



Hannes Jagerhofer: Unsere Politiker überlegen, eine 100-km/h-Beschränkung auf allen Autobahnen einzuführen, gleichzeitig fahren Menschen Zehntausende von Kilometern mit leerem Laderaum. Dies belastet sowohl das Individuum als auch dessen Geldbörse. Wir bieten also eine Win-win-Situation an: Der Fahrer kann seine Betriebskosten niedrig halten, während auf der Senderseite eine Transportfahrt eingespart werden kann.



update: Wird dieser Umweltgedanke auch innerbetrieblich gelebt?



Hannes Jagerhofer: Ich persönlich bin der beste Kunde von checkrobin.com. Ich habe sicherlich drei Sendungen am Tag. Unsere ACTS Group veranstaltet im Sommer das Beachvolleyball-Turnier in Klagenfurt. Da unser Team auch anreist, ist es natürlich perfekt, hier Sachen mitzunehmen und nachzuschicken.



update: Worin sehen Sie das Alleinstellungsmerkmal von checkrobin.com?



Hannes Jagerhofer: Das ist sicher, Dinge unverpackt und schnell zu verschicken. Die Verpackungsindustrie ist heute prinzipiell infrage zu stellen. Wenn Produkte auf einer Plattform wie willhaben.at oder eBay ersteigert werden, haben die Leute oftmals Probleme mit dem Verpacken und dem Transport mit der Post. Wir sind sicher der direkte Dienst, das ist unser USP.



update: Diesen Gedanken greifen heutzutage viele Geschäftszweige auf. So gibt es etwa Supermärkte, die ihre Produkte nur mehr unverpackt anbieten.



Hannes Jagerhofer: Das Verpacken ist eine große Industrie. Wenn man diese vom Umweltstandpunkt betrachtet, ist vieles völlig sinnlos, lässt sich aber nicht verhindern, da du das Objekt der Begierde unversehrt haben willst. Durch checkrobin.com bietet sich die Möglichkeit, mit diesem Thema verantwortungsvoll umzugehen.



update: In den vergangenen Jahren gab es oftmals stark ansteigende Benzinpreise. Haben Sie durch diesen Umstand positive Auswirkungen auf Ihr Geschäft bemerken können?



Hannes Jagerhofer: Der Benzinverbrauch ist für viele Menschen ein Bereich, in dem man als Verbraucher sparen will. Man merkt hier also schon, dass ein großer Bedarf herrscht.



update: Wie sieht bei checkrobin.com die Bandbreite an Transportgütern aus?



Hannes Jagerhofer: Wir transportieren keine gefährlichen Güter. Aber wir haben bereits sehr viele Tiere transportiert. Zurzeit gibt es beispielsweise eine Kooperation mit einem großen Tierheim. Hier werden Tiere an ältere Damen und Herren vermittelt, die nicht mehr mobil sind. Mit unseren Robins funktioniert der Transport perfekt. Die Personen suchen sich das Haustier, das sie gerne hätten, online aus, und wir stellen es mit unserem Service zu. Es gibt also Märkte, die ein anderer Anbieter nicht bedient oder auch gar nicht bedienen kann.



update: Was war bis jetzt der außergewöhnlichste Transport eines Robins, der Ihnen spontan einfällt?



Hannes Jagerhofer: Sicherlich eine Mutter, die uns darum gebeten hat, ihren zehnjährigen Sohn nach Graz zu transportieren. Der Fahrer hat dann den Jungen sicher abgeliefert. Unser Ziel ist es ja, viele Fahrer mit hohen Bewertungen und einem großen Vertrauen zu haben, um solche Transporte zu ermöglichen. Ein ebenfalls kurioser Transport war das Gebiss einer älteren Dame, das diese im Hotel vergessen hat.



update: Vor allem die Nutzung von Smartphones macht checkrobin.com zu einem flexiblen Tool am Puls der Zeit. Wie hoch ist der Anteil der mobilen Nutzung von checkrobin.com?



Hannes Jagerhofer: Der mobile Anteil steigt auch bei checkrobin.com stetig an. 40 Prozent der Nutzung laufen über die App, 60 Prozent über die Website. Durch die mobile Nutzung können Kunden sofort reagieren. Stark bemerkbar ist, dass Fahrten auf der Plattform eingegeben werden, aber die Abfragen zum Verschicken größtenteils über die mobile App erfolgen.



update: checkrobin.com bietet Lösungen für den Transport mit Kraftfahrzeugen an. Haben Sie schon jemals in Erwägung gezogen, das Angebot auch auf andere Verkehrsmittel auszuweiten?



Hannes Jagerhofer: Auf jeden Fall ist alles, was Flug betrifft, eine mögliche Option. Aufgrund der Zoll- und Sicherheitsbestimmungen ist dies aber auch ein heikles Thema. Interessant ist ebenfalls die Möglichkeit des Transports mit dem Zug.



update: Welche Angebote kann checkrobin.com für den B2C-Markt bereitstellen?



Hannes Jagerhofer: Unsere nächste Ausbaustufe ist ein Marktplatzsystem für den B2C-Markt. Der ganze E-Commerce-Bereich ist für checkrobin.com interessant. Wir haben zum Beispiel einen Teppichhändler, der österreichweit liefert und ohne uns nicht wettbewerbsfähig wäre. Den Teppich auf normalem Weg zu schicken, hat ihn früher 150 Euro oder mehr gekostet. Mit checkrobin.com hat dieser Händler schon einige Teppiche verschickt – für den Fahrer ist hier sicherlich eine Summe von 40 oder 50 Euro möglich. Entscheidend ist aber trotzdem, dass der Fahrer mit den Ausgaben über den Einnahmen bleibt. Wir wollen nicht, dass jemand bei uns sein Auto startet, weil es ein Geschäftsmodell ist.



update: Wie sieht es mit den steuerlichen Regelungen für Fahrer aus, die mit checkrobin.com einen kleinen Nebenverdienst erwirtschaften?



Hannes Jagerhofer: Vom Studenten bis zum Pensionisten hat jeder seinen Freibetrag. Wenn dieser überschritten wird, muss die jeweilige Person ganz normal versteuern. Hier ist jeder für sich selbst verantwortlich.



update: Gegen den Taxikonkurrenten Uber gab es hierzulande, aber auch in anderen Ländern eine Menge Widerstand. Gab es auch Widerstand gegen Ihr Angebot beziehungsweise Ihr Unternehmen?



Hannes Jagerhofer: Wir haben mit der Wirtschaftskammer immer wieder massiv Diskussionen bezüglich des Gewerbescheins geführt. Wir sind der Meinung, dass es sich nicht um ein Gewerbe handelt, solange keine Gewinne erwirtschaftet werden. Hier muss man flexibel sein, die Zeiten verändern sich. Wer hätte sich zum Beispiel einen Service wie car2go vor fünf Jahren vorstellen können? Es gibt also neue Ansätze, die neben den bestehenden ihre Berechtigung haben.



update: Sie sind als Unternehmer bereits in verschiedenen Bereichen aufgetreten: Als Event-Veranstalter, Gründer von checkfelix.com oder Anbieter eines Hubschauber-Shuttle-Services. Welche Eigenschaften müssen Unternehmer Ihrer Meinung nach mitbringen, unabhängig von der Sparte, in der diese tätig sind?



Hannes Jagerhofer: Ich versuche nicht, krampfhaft nach einer neuen Idee zu suchen, sondern habe immer Sachen gemacht, die einen gewissen Bedarf hervorrufen. Wichtig ist es, die Zeichen zu erkennen und an seine Idee zu glauben. Es ist ebenfalls nötig, Geld zu investieren und die richtigen Partner ins Boot zu holen. Für einen Unternehmer ist es außerdem wichtig, die Berg- und Talfahrt der Emotionen durchzustehen. Dies ist sicherlich ein harter Weg über einen nicht zu unterschätzenden Zeitraum.



update: Gibt es bereits Pläne zur Erweiterung der Geschäftstätigkeit oder dem Angebot neuer Services?



Hannes Jagerhofer: Wir wollen das sogenannte iHiking, also elektronisches Autostoppen, anbieten. Hier wird auch Personentransport möglich gemacht. Ebenfalls suchen wir spezielle Fahrer, die Know-how zu Samsung-Fernsehern haben – diese können dann etwa einen Fernseher mitnehmen und auch aufstellen beziehungsweise installieren. Weiters wollen wir in Deutschland im Testbetrieb starten.



update: Wir würden Sie die langfristige Vision für checkrobin.com umschreiben?



Hannes Jagerhofer: Sicherlich in anderen Märkten über die Grenzen Österreichs hinaus aktiv zu werden. Und sich als das Transportmittel vom Reisepass bis zum Human Being zu etablieren.



update: Wie sieht der Business Case für checkrobin.com in etwa aus?



Hannes Jagerhofer: Wir wollen in Zukunft eine Vermittlungsprovision verlangen, die sich in einem überschaubaren Bereich bewegt und quasi als Revenue für die Nutzung der Plattform dient. Dies wird frühestens in einem Dreivierteljahr so weit sein.



update: Was hat es eigentlich mit den Markennamen auf sich und warum ist „Felix“ ein guter Name für eine Flugsuchplattform und „Robin“ ein guter Name für ein Transportunternehmen?



Hannes Jagerhofer: Erstens ist es nicht leicht, eine URL zu finden, die noch nicht geschützt ist. Zweitens ist checkrobin.com aus dem Namen Checkfelix entstanden. Robin steht für Robin Hood, den Rächer der Witwen und Waisen, der Gutes tut. Dieser Name ist auch international gut besetzt. Den Namen Checkfelix hat eine Mitarbeiterin von mir entwickelt. Felix ist der Glückliche und „Check“ steht für suchen.



update: Lassen Sie uns gemeinsam in die Zukunft blicken: Wird es in absehbarer Zeit noch weitere Check-Spin-offs geben und wenn ja, welche Geschäftszweige sind hier denkbar?



Hannes Jagerhofer: Nein, wir haben nun „ausgecheckt“. Wir planen sicherlich neue Sachen, aber die werden nicht mehr mit Check beginnen.



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