Wirtschaftskammer Wien: Die Zukunft des Großh...
 
Wirtschaftskammer Wien

Die Zukunft des Großhandels liegt in der Digitalisierung

Florian Wieser
Karl Kristian Gödde, Rainer Trefelik, Peter Voithofer (v.li.) © Florian Wieser
Karl Kristian Gödde, Rainer Trefelik, Peter Voithofer (v.li.) © Florian Wieser

Eine Studie der KMU Forschung Austria zeigt: Der Wiener Großhandel setzt als wesentlicher Wirtschaftsfaktor rund 61 Milliarden Euro um, weswegen es wichtig sei, den Wandel in der Branche als Chance zu nützen.

Die genannte Studie zum Großhandel in Österreich wurde gestern auf einer Pressekonferenz präsentiert, und sie erkennt, vereinfacht gesagt, dass die Digitalisierung die Voraussetzung für den Erfolg als Großhändler ist. Über Omnichannel-Services für Einzelhändler und Gewerbe können Großhändler hier wesentliche Logistik- und Servicefunktionen übernehmen, etwa 24-Stunden-Belieferung oder Direktbelieferung von Endkunden im Corporate Design des Einzelhandelspartners. Über eigene Webshops können auch Großhändler Endkunden direkt ansprechen. E-Commerce bietet auch die Chance maßgeschneiderter Angebote für Klein- und Mittelbetriebe.

Auf der Basis der Studienergebnisse ergaben sich für die Wirtschaftskammer folgende vier Umsetzungsstrategien. Nischenstrategie: Der Großhändler verfügt über ein hochspezifisches Sortiment, sehr hohe Qualität und umfassendes Service. Serviceorientierte Strategie: Zum Angebot steht ein breites und tiefes Sortiment. Der zentrale Fokus liegt auf zusätzlichen Serviceleistungen, die einen Mehrwert für Kunden bieten. Multispezialisten-Strategie: Das Großhandelsunternehmen bietet in einem spezifischen Bereich ein tiefes Sortiment an. Dazu kommt ein umfassendes Leistungsangebot über Komplettlösungen bis zur Integration der Wertschöpfungskette, zum Beispiel zusätzliche Planung von Bauvorhaben. Preisführer-Strategie: Das Unternehmen bietet ein breites Sortiment zu attraktiven Preisen an. Dabei muss der Großhändler einen ausgeprägten Fokus auf die Kosten legen und über hocheffiziente Prozesse und schlanke Strukturen verfügen.

„Der Großhandel ist vor allem auch in Wien ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Das zeigen schon die nackten Zahlen. 5.700 Großhandelsunternehmen haben ihren Sitz in Wien. Sie beschäftigen 55.000 Mitarbeiter und machen einen Jahresumsatz von rund 61 Milliarden Euro“, sagt Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien. Karl Kristian Gödde, Vorsitzender der ARGE Großhandel Wien, ergänzt: „Auch der Heimmarkt ist für die Wiener Großhändler von wesentlicher Bedeutung. Sie setzen innerhalb der Bundeshauptstadt rund 38 Milliarden Euro um.“ Gödde sieht den Großhandel als „unersetzbares Scharnier zwischen Industrie, Handwerk, Tourismus, Gastronomie und Einzelhändlern“.

„Die Zukunft des Großhandels ist von einem kompetitiven Konkurrenzumfeld und sich auflösenden Grenzen zum Einzelhandel und zu den Produzenten gekennzeichnet“, sagt Peter Voithofer, Direktor der KMU Forschung Austria. Immer mehr große Hersteller würden ihre Produkte direkt an Einzelhändler und auch Endkunden verkaufen und so den Großhandel umgehen. „Gleichzeitig werden Märkte und Zielgruppen immer globaler. Digitalisierung und E-Commerce verstärken diese Entwicklung – bei steigender Geschwindigkeit. Das Geschäft wird schnelllebiger.“
stats