Roland Berger: Digitalisierung in einer Somme...
 
Roland Berger

Digitalisierung in einer Sommernacht

Eine Nachlese zum 19. „Roland Berger Summernight Symposium“, das sich am 19. Juni 2017 im Wiener Palais Niederösterreich des Themas „Die Perspektiven Europas zwischen Arbeitsmarktflaute und Digitalisierung“ annahm.

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Experten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien diskutierten die Auswirkungen der Digitalisierung – am Podium waren Günther Oettinger, Europäischer Kommissar für Haushalt und Personal; Univ.-Prof. MMag. Dr. Gottfried Haber, Leiter des Forschungsbereichs Wirtschafts-, Budget- und Finanzpolitik an der Donau-Universität Krems; Dr. Johann Strobl, Vorsitzender des Vorstandes der Raiffeisen Bank International AG, und Dr. Alexander Wrabetz, Generaldirektor des ORF; die Diskussion wurde moderiert von den Roland-Berger-Partnern Ing. Rudolf Kemler und Dr. Vladimir Preveden – vor über 200 Entscheidungsträgern aus Industrie, Wirtschaft und Finanz über die Rolle Europas in einer digitalisierten Welt.

Prof. Dr. Roland Falb, Managing Partner von Roland Berger Wien, betonte in seiner Eröffnungsrede die Notwendigkeit, die zunehmende Komplexität einer digitalisierten Welt zu meistern. Dazu bedürfe es neuer Lösungen, denn etablierte Wege und Herangehensweisen würden nicht mehr zu den gewünschten Erfolgen führen. Diese neuen Lösungen gelte es gemeinsam mit den Kunden zu entwickeln.

„Automatisierung, Globalisierung und Digitalisierung sind Fakten, die nicht aufhaltbar, aber sehr wohl gestaltbar sind“, betonte Günther Oettinger in seiner Keynote. „Eine wachsende Zahl an Menschen hat aber zunehmend das Gefühl, dass diese gegen sie laufen würden. Die Gegenbewegungen sind Populismus, Protektionismus und Nationalismus. Nicht zielführend und kurzsichtig, aber bei Wahlen nicht ganz erfolglos“, betonte Oettinger und resümierte, dass man Arbeitsplätze und Wertschöpfung nur durch Innovation, Investition, Forschung und gute Infrastruktur gewinne. Innovation ginge immer von den führenden Köpfen der Wirtschaft aus, doch diese Elite stelle sich momentan zu wenig den kritischen Themen, weswegen es an einem breiten Diskurs mangle.

Die Rolle der EU in Sachen Digitalisierung beleuchtete auch Johann Strobl: „Europa sollte ein neues Gleichgewicht zwischen europäischen und regionalen Themen finden. Bei großen strategischen Themen braucht es zukünftig mehr Europa. Wenn wir den wirtschaftlichen Anschluss nicht verlieren wollen, müssen wir die Fragmentierung des europäischen Markts überwinden. Wir brauchen als Ergänzung zur Bankenunion dringend die europäische Kapitalmarktunion und einheitliche regulatorische Vorschriften.“

Generell zeichneten die Prognosen wieder ein positives Bild der Wirtschaftsentwicklung in Europa, auch wenn der Brexit, die geopolitische Lage und neue Ansätze der internationalen Handelspolitik sowie globale Unsicherheiten noch keine Entwarnung auf dem Arbeitsmarkt zuließen, erläuterte Gottfried Haber: „Digitalisierung und Industrie 4.0 werden große Chancen für neue Arbeitsplätze bringen, gleichzeitig aber auch erhebliche Herausforderungen in Hinblick auf Strukturwandel und Qualifikationsprofile bedeuten.“

Zum Wandel im Medienmarkt meinte Alexander Wrabetz: „Durch die Digitalisierung wird sich der Medienmarkt in den kommenden Jahren nachhaltiger verändern als in den vergangenen 30 Jahren zusammen: Das betrifft die Mediennutzung und die Medienproduktion bis hin zu den Medienplattformen und den neuen multimedialen Konkurrenten. Damit sich die nationalen Märkte in diesem Umfeld behaupten können, sind eine konsequente europäische Industrie- und Standortpolitik für das digitale Zeitalter und die fortlaufende Innovation der klassischen Medienunternehmen gefragt.“ Der ORF sei im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten gut unterwegs, dieser Rahmen müsse aber angepasst werden. Abschließend wünschte sich Wrabetz neue Allianzen der nationalen Player abseits der „althergebrachten Grabenkämpfe“.
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