: E-Commerce im Lebensmitteleinzelhandel: Sc...
 

E-Commerce im Lebensmitteleinzelhandel: Schluss mit dem Heimschleppen von Einkaufssackerln!

-
Foto: Copyright: iStock
Foto: Copyright: iStock

Auch vor dem Lebensmitteleinzelhandel machen die Digitalisierung und der Trend zum E-Commerce nicht halt. etailment.at hat sich im Lebensmitteleinzelhandel, bei Logistikdienstleistern und bei Lieferservices für Speisen umgehört und dabei nicht nur die großen Player, sondern auch kleinere Anbieter ins Visier genommen.

Während Web-Shopping von Kleidung, Büchern, DVDs, Flugtickets und Urlaubsreisen boomt, können die Lebensmitteleinzelhändler in Österreich meist nur auf einen einstelligen Prozentanteil von E-Commerce-Erträgen am Gesamtumsatz verweisen.



Aber was treibt Konsumenten überhaupt an, Lebensmittel online zu bestellen? Eine von Werbeplanung.at „update“ in Auftrag gegebene Studie der Mediaagentur Mindshare hat sich mit der Materie auseinandergesetzt und Konsumenten, die bereits im Online-Lebensmitteleinzelhandel gekauft haben, über ihre Motivation befragt. 29 Prozent der Befragten schätzen vor allem die bequeme Lieferung, die das Schleppen von sperrigen Sachen vermeidet. 20 Prozent wollen stressfrei und rund um die Uhr bestellen und 13 Prozent haben bereits bei Aktionen, die nur für Onlineshopper verfügbar waren, zugeschlagen. Fünf Prozent geben an, überhaupt nur aus Neugierde das Netz als Kaufkanal für Lebensmittel gewählt zu haben.



Service und Preis/Leistung als Assets



Unter den Handelsriesen im heimischen Lebensmitteleinzelhandel konnte Billa bei der Onlinebestellung am besten abschneiden: Immerhin vier Prozent der Befragten gaben an, sowohl stationär als auch online bei der einst von Karl Wlaschek gegründeten Supermarktkette einzukaufen. Gerade mal zwei Prozent der in der Mindshare-Studie befragten Österreicher gaben zu Protokoll, bei Märkten der Marke Spar sowohl offline als auch online zu kaufen. Noch ist das E-Commerce-Fieber im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel also nicht ausgebrochen.



Nicole Berkmann, Unternehmenssprecherin von Spar, sieht vor allem die Kommissionierungs- und Transportkosten als Wachstumshemmer: „Bei Produkten, die so kleine Preise haben wie 1,29 oder 0,89 Euro, wie das bei Lebensmitteln ja der Fall ist, möchte niemand Transportkosten von mehreren Euro bezahlen. Und dann geht sich für den Händler die Rechnung einfach nicht aus.“ Für Berkmann kann nur jener Händler Erfolg haben, „der es schafft, einen wirklich erstklassigen Service bei einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten, und gleichzeitig betriebswirtschaftlich sinnvoll wirtschaftet“.



Viele Erstkunden bestellen erneut



Eine in einer Nische angesiedelte Supermarktkette in Österreich geht das Thema Online-Lebensmittelhandel bereits progressiver an: denn’s Biomarkt hat erst vor Kurzem eine Partnerschaft mit Zuper geschlossen, damit Kunden auch online die Ware von denn’s ordern können. Geschäftsführerin Mareike Nossol erklärt die Entscheidung für das Startup wie folgt: „Zuper ist ein junges und innovatives Unternehmen – genau wie wir – und passt daher sehr gut zu uns. Die Zustellung innerhalb von zwei Stunden hat uns außerdem überzeugt.“



„Der Umsatzanteil ist noch relativ klein, befindet sich aber im stetigen Wachstum. Allerdings gehen wir nicht davon aus, dass der Onlineumsatz in absehbarer Zeit eine bedeutende Stellung erreichen wird“, sagt Nossol. Jedoch ist erkennbar, dass der Dienst angenommen wird: So bestellen viele Kunden nach der ersten Order erneut. Dazu fallen die Durchschnittskäufe online deutlich höher aus als im Offlinebereich. Außerdem können durch die Hauszustellung Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten beliefert werden, so Nossol: „Egal ob bio oder nicht, wir finden, dass jedes Unternehmen eine soziale Verantwortung trägt. Barrierefreiheit ist für uns selbstverständlich.“



Immer mehr neue Nischenanbieter



Neben den großen Playern zeigen immer mehr kleinere Anbieter Alternativen und neue Lösungen für den Markt auf. Der Onlinedienst Rita bringt’s ist einer dieser Nischenanbieter. Das Unternehmen liefert vegetarische und vegane Speisen, hergestellt aus biologischen Zutaten. Geliefert wird bei Rita bringt’s mit dem Lastenfahrrad, der Umweltgedanke steht bei dem Unternehmen prinzipiell im Vordergrund. Zum Gründungskonzept sagt Geschäftsführerin Rita Huber: „Wir haben uns gewundert, dass es so ein ganzheitliches Konzept in Wien noch nicht gibt, und haben es deshalb kurzerhand auf die Beine gestellt.“ Das Onlinekonzept wurde laut Huber aus Gründen des Zeitgeists und der Praktikabilität gewählt. Mitgründer Gerald Költringer und Huber sehen sich darüber hinaus als internetaffin.



Ein Routenplanungstool, das in die Website eingebaut ist, hilft dabei, die schnellsten Wege und die Anzahl der Bestellungen beziehungsweise Speisen zu berücksichtigen. Mobil können die Kunden (noch) nicht bestellen – die Möglichkeit einer App hat Huber zwar im Kopf, diese braucht aber noch Entwicklungszeit. Darüber hinaus besteht von Kundenseite „noch kaum Bedarf“, so Huber.



Feedback ist bei Rita bringt’s äußerst erwünscht und hilft, den Service zu verbessern, so Huber: „Anregungen oder Kritik zu ignorieren oder nicht zu beantworten, ist für uns der falsche Weg, so verliert man nur wertvolle Kunden.“



Optimale Auswahl durch Kundenwissen



Auf gesundheitsbewusste Ernährung setzt auch das Startup Treats, mit dessen Hilfe Kunden online Snacks in Automaten oder per Snackboxen ins Büro bestellen können. Die Snacks sollen dem Konsumenten die Möglichkeit bieten, auch in stressigen Situationen gesunde Nahrung zu sich zu nehmen. Den USP von Treats beschreibt Mitgründerin Ines Grangl wie folgt: „Unsere Produkte decken sämtliche Ernährungsweisen und Unverträglichkeiten ab, somit findet tatsächlich jeder etwas. Dazu sammelt unsere Datenbank im Benutzerprofil der Einkäufer Verkäufe und Bewertungen zu den Snacks.“ Somit ist es für das Unternehmen möglich, das Sortiment optimal auf die Kunden abzustimmen.



Das Wissen über den Kunden hilft Treats auch bei der Optimierung der Bestell- und Kaufprozesse. Durch die Daten kann das Food-Tech-Startup die Logistikkette von Produzenten bis hin zur Lieferung an die Automaten bestmöglich gestalten. Bei den Webshopbestellungen werden die kleinsten Snackboxen in den Briefkasten zugestellt, die großen Boxen mit einem Logistikpartner versandt. Grangl zur Flexibilität und Schnelligkeit der Zustellung: „Je nach Bestelluhrzeit wird die Box noch am selben Tag, spätestens am nächsten Tag verschickt.“ Künftig will man noch genauer selektieren können. Grangl dazu: „Als Hilfestellung werden wir Produkte nach den Allergien und Ernährungsweisen filtern lassen, der Kunde kann aber natürlich auch schon vorab ein Profil anlegen, damit seine Einstellungen stets hinterlegt bleiben.“ Diese Neuerung soll in den nächsten zwei Monaten umgesetzt werden. Auch soll in Zukunft verstärkt für die Möglichkeit der Individualisierung der Boxen durch den Kunden gesorgt werden.



Vorteile gegenüber anderen Unternehmen sieht Grangl bei Treats vor allem in der Einzigartigkeit der Produkte, die nicht im gewöhnlichen Lebensmitteleinzelhandel gekauft werden können. Das Angebot umfasst Boxen mit den Ernährungsweisen Vegan, Bio, Proteinreich, Paleo und Schoko. Unterstützt wird die Geschäftstätigkeit von Treats durch einen umfangreichen Blog. „Wir wollen ‚mehr‘ bieten. Uns liegt es am Herzen, den Kunden nicht nur tolle Produkte anzubieten, sondern auch darüber zu informieren, was für sie am besten/gesündesten in den jeweiligen Lebenssituationen ist“, so Grangl. Dabei soll das Thema „Ernährung und Gesundheit“ auf verständliche Weise vermittelt werden. „Nur so kann man eine nachhaltige Community aufbauen und halten“, wie Grangl weiß.



Veloce stellt Logistiknetzwerk



Neben der Österreichischen Post gibt es zahlreiche Logistikunternehmen, die am Lebensmittelmarkt mit-mischen. Veloce ist als Lieferservice schon seit 30 Jahren im Geschäft. Paul Brandstätter, der Geschäftsführer des Unternehmens, kennt die Regeln des Marktes: „Wir bedienen heute mit unserem Same-Day-Zustellservice ungefähr 40 Prozent der Bevölkerung und werden das Servicegebiet in nächster Zeit auf ganz Österreich ausweiten. Wir haben in früheren Jahren schon andere internationale Logistiknetze aus- und aufgebaut.“



Veloce unterstützt unter anderem auch den Online-Lebensmittelhandel und verfügt mit KochAbo und HelloFresh über bekannte Partner, weitere sollen folgen. Veloce kann im Lebensmittelhandel kleine wie auch große Lieferungen bis 1.000 Kilogramm übernehmen. Auch die Lieferung von temperaturgeführten Lebensmitteln, sperrigen Gütern oder unverpackter Waren ist möglich. „Die Temperaturführung passiert in mehreren Thermozonen: tiefgekühlt, gekühlt, Normaltemperatur und warme Speisen. Dafür haben wir jeweils mit unseren Kunden individuell vereinbarte Lösungen“, führt Brandstätter aus.



Der neue Wind im Online-Lebensmittelhandel entsteht nicht nur durch Startups, so die Meinung von Brandstätter: „Der Online-Lebensmittelhandel wächst, weil die Nachfrage der Konsumenten vorhanden ist, aber nicht wegen einiger Startups.“ Brandstätter zufolge vertrauen die Konsumenten eher auf etablierte Handelsbetriebe: „Da arbeiten Handelsprofis und Logistikprofis Hand in Hand und für die Konsumenten kommt etwas Durchdachtes und Erprobtes heraus.“



Fertiges Essen auf Rädern



Während viele Supermarktketten oder Startups Lebensmittel nach Wahl liefern, hat sich das Lieferservice mjam.at auf die Kooperation mit Restaurants spezialisiert – eine Zustellung an die Haustüre ist innerhalb von 30 bis 45 Minuten möglich. Viktoria Reitlinger, bei Mjam für PR verantwortlich, sieht Bewegung im Online-Lebensmittelhandel: „Der Trend zu Onlinebestellungen hält an und wirkt sich natürlich sehr positiv auf die Geschäftstätigkeiten von Mjam aus. Gegenüber Supermarktketten haben wir als Online-Essensbestellplattform aber einen klaren Vorteil: Wir können unseren Kunden servierfertige Gerichte anbieten, die von unseren Partnerrestaurants frisch zubereitet und geliefert werden.“ Mjam ist beispielsweise auch für den Lieferservice von McDonald’s zuständig, laut Reitlinger gelingt meist sogar eine Lieferung in 30 Minuten, abhängig von den Wetterbedingungen.



Mjam verfügt ebenfalls über eine App für iOS und Android. Das Unternehmen zeichnet dabei eine sehr starke mobile Nutzung aus, die Bestellungen über Smartphone nehmen zu, so Reitlinger: „Immer mehr Kunden bestellen via Smartphone, unsere Produkte werden dahingehend laufend optimiert und wurden zudem Anfang des Jahres einem kompletten Relaunch entsprechend unserem neuen Markenauftritt unter-zogen. Etwa die Hälfte unserer Kunden nutzen unseren Service über Mobile Devices.“ Ebenso wie etwa Treats ist auch mjam.at mit einem eigenen Blog aktiv. „Das Ziel unseres Blogs ist es, neuen und unterhaltsamen Content anzubieten, den Food-Liebhaber in der Konstellation sonst nicht finden“, so Reitlinger.



Die Fast-Food-Restaurantkette McDonald’s zeigt, wie Lebensmittel über mehrere Kanäle gehandelt werden können: McDonald’s kooperiert nicht nur mit mjam.at bei der Onlinebestellung, sondern liefert mit der „Quick Mac“-App und Selbstbedienungsterminals in den Filialen vor Ort zwei Möglichkeiten, die das stationäre Geschäft mit digitalen Tools aufladen und somit Offline mit Online verbinden. Die Kooperation mit mjam.at ist noch in der Testphase. Andreas Schmidlechner, Managing Director bei McDonald’s, erläutert: „Wir sehen, dass der Erfolg aus McDelivery den Umsatz der teilnehmenden Restaurants gut ergänzt und nicht ersetzt.“ Österreich war eines der ersten McDonald’s-Länder, das weltweit eine Bestell-App ausgerollt hat. „Unsere Gäste schätzen sehr, dass sie in Ruhe vorweg bereits ihre Bestellung zusammenstellen können, bargeldlos zahlen können und dann in Ruhe ihre fertige Bestellung im Restaurant oder am McDrive abholen“, wie Schmidlechner erklärt. Neben den Selbstbedienungsterminals gibt es in vielen Restaurants auch mittlerweile iPads für Gäste. Über die digitalen Zukunftspläne des Fast-Food-Riesen sagt Schmidlechner: „Für die Zukunft haben wir noch einiges vor, das möchte ich aber noch nicht verraten.“



stats