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„Einen Onlineshop zu haben ist gut, aber nur die halbe Miete“

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“Wir möchten bis Ende des Jahres in dem Tempo, in dem wir in den vergangenen zwei Monaten an Fahrt aufgenommen haben, weiterwachsen”, sagen Cool Media-Geschäftsführer Johannes Meßner und Sales Manager Christoph Lechner (v.l.n.r.) im etailment.at Interview.
“Wir möchten bis Ende des Jahres in dem Tempo, in dem wir in den vergangenen zwei Monaten an Fahrt aufgenommen haben, weiterwachsen”, sagen Cool Media-Geschäftsführer Johannes Meßner und Sales Manager Christoph Lechner (v.l.n.r.) im etailment.at Interview.

Das Wiener Startup Coolshop ist im Jänner 2014 gestartet und bietet eine Onlineshop-Lösung für Einzelhändler an. Händler bekommen binnen 24 Stunden einen eigenen Onlineshop im individuellen Design und sollen sich damit auf das Wesentliche konzentrieren können: “Verkaufen”, sagt Cool Media-Geschäftsführer Johannes Meßner.

Im Gespräch mit etailment.at erklären Meßner und Sales Manager Christoph Lechner, wie sie den stationärem Handel die Angst vor E-Commerce nehmen, wovon ihre Coolshop-Händler profitieren und welche Ziele sich das junge Startup für die kommenden Monate gesetzt hat.



Etailment.at: Seit wann ist Coolshop online und wie entwickelt sich das Angebot?



Johannes Meßner: Wir sind mit Coolshop am 15. Jänner 2014 gestartet, nachdem wir bereits im Sommer 2013 mit der Entwicklung begonnen hatten. Unsere Erwartungen wurden bislang weit übertroffen. Zwei Wochen nach unserem Start – Ende Jänner – hatten wir acht Händler, aktuell stehen wir bei 40.



Etailment.at: Im Angebot sind bislang ausschließlich Wiener Händler. 



Johannes Meßner: Wir haben unseren Fokus zunächst auf Wien gesetzt, weil es geographisch sehr nahe liegt. Doch mittlerweile ist da schon ein „Boost“ drin, und wir erhalten aktiv Anfragen auch aus Linz, der Steiermark, Salzburg, Deutschland und der Schweiz, von denen einige noch im Mai 2014 „einsteigen“ werden.



Etailment.at: Sind eure Händler E-Commerce Neulinge?



Johannes Meßner: Der Großteil ist über Coolshop neu in den E-Commerce gegangen, weil wir eine gute Einstiegsmöglichkeit für sie bieten, es keine Investition darstellt und für die Händler unkompliziert zu handhaben ist. Aber dann haben wir auch Händler, die zuvor schon einen eigenen Onlineshop hatten. Einer davon hatte vier Jahre lang einen Onlineshop und dafür wirklich viel Geld ausgegeben. Dabei hat sich aber niemand wirklich mit der Materie ausgekannt, das Angebot wurde nicht entsprechend beworben und nach vier Jahren war der Onlineshop auch schon wieder veraltet. Darum schauen wir darauf, Coolshop ständig weiter zu entwickeln. Das ist ein Main-USP und ein Grund, warum wir auf das Abo-Modell bauen: weil wir auch immer Updates rausbringen. In den nächsten Tagen etwa kommt ein neues Design-Template. Wir wollen monatlich ein neues Design-Template launchen, damit unsere Händler am Ende des Jahres aus vielen verschiedenen Templates auswählen können.



Christoph Lechner: Man muss sich überhaupt einmal die Frage stellen, warum haben so wenige Einzelhändler einen Onlineshop – weil das einfach wahnsinnig viel Geld kostet! Und dieses Geld bekommst du im Normalfall nicht herein, denn das spielt ja doch in einer Größenordnung von einigen zigtausend Euro. Bei uns bekommt man zu einem relativ geringen monatlichen Beitrag einen voll funktionsfähigen und gut designten Onlineshop, den man befüllen kann. Dabei helfen wir auch, durch unsere Überplattform, den Bekanntheitsgrad zu steigern. Einen Onlineshop zu haben ist gut, aber nur die halbe Miete – denn die Kunden müssen davon ja auch mitbekommen. Die goldene Regel ist: Von allen Ausgaben fürs Online-Business sollten ein Drittel in den Shop und zwei Drittel in die Marktkommunikation fließen. Das vergessen sehr viele, und hier liefern wir einen Kickstart mit, indem wir unsere Händler automatisch über unsere Überplattform mit-promoten. Unser System ist auf jeden Fall die Zukunft.



Johannes Meßner: Apropos Zukunft: auch das Thema Multichannel-Commerce ist uns ein großes Anliegen. Zum Beispiel Click & Collect: dazu haben wir bereits großartiges Feedback von unseren Händlern bekommen. Viele Kunden kommen in das Geschäft und wissen schon, welches Produkt sie kaufen wollen. Oder viele bestellen online und holen die Ware dann direkt im Shop ab. Viele nutzen den Webshop also als eine Art Onlinekatalog. Im Multichannel-Bereich arbeiten wir mit Vereinen und Organisationen aus dem Handel zusammen, um die Händler zu mehr Multichannel zu motivieren.



Etailment.at: Woran mangelt es in Sachen Multichannel bislang?



Christoph Lechner: Der Einzelhändler an sich ist ja nicht einmal schlecht aufgestellt. Oft betreiben Händler sehr gute Facebook-Seiten und Social-Media-Kanäle. Was fehlt, ist eine Schnittstelle, wo man das bündeln kann und das ist ein Onlineshop. Man muss dem Händler klarmachen, dass er nicht allein ist, dass er nicht allein „kämpfen“ muss, sondern es gibt einen Partner – als solchen verstehen wir uns mit Coolshop – der dabei helfen kann. Online als Vertriebskanal ist immens wichtig für die Gegenwart und für die Zukunft.



Etailment.at: Was ist die größte Angst, die der stationäre Handel vor Online hat?



Christoph Lechner: Es wird als großer, zusätzlicher Aufwand gesehen – etwa wenn es darum geht, gute Produktfotos zu liefern. Aber auch da beraten wir sehr stark, wie man den ganzen Aufwand minimal halten kann, etwa über Kooperationen mit Fotografen. Wenn jemand als Händler in den stationären Handel einsteigt, hat er erst einmal mit Herausforderungen zu kämpfen, und beim Einstieg ins Online-Geschäft befürchtet er, dass noch einmal so viel Aufwand auf ihn zukommen könnte. Da kommen wir ins Spiel und sagen dem Händler, wir nehmen dir 90 Prozent von dieser Arbeit ab und bei den restlichen zehn Prozent unterstützen wir dich noch soweit, dass dein Aufwand wirklich auf ein Mindestmaß reduziert wird. Ich bin mir sicher, im Vergleich zu allen anderen Mitbewerbern am Markt bieten wir in dieser Richtung den meisten und besten Service.



Etailment.at: Wie kommen B2C-Kunden auf eure Plattform? Wie macht ihr Marketing?



Johannes Meßner: Zusammen mit den einzelnen Shops und auch aktiv innerhalb der Shops. Marketing machen wir außerdem über Google AdWords, SEO und Social Media. Außerdem haben wir auch Medienkooperationen, beispielsweise mit Morowa.



Etailment.at: Wie groß ist euer Team?



Johannes Meßner: Derzeit sind wir acht Leute, drei davon im Back-Office, aber die Zahl wächst kontinuierlich. Wir wachsen sozusagen mit der Zahl der Händler.



Etailment.at: Wie finanziert ihr euch?



Johannes Meßner: Letztes Jahr wurden wir gefundet. Morawa, Tailored Apps und ein paar Business Angels sind bei uns eingestiegen. Das ist schon mal kein schlechter Umsatz, um Mitarbeiterkosten decken zu können.



Etailment.at: Eine ganz allgemeine Frage: Worauf legen B2C-Kunden beim Online-Einkauf eurer Meinung nach am meisten Wert?



Johannes Meßner: Ich glaube, dass mittlerweile mit mehr Bedacht eingekauft wird. Die Amazon- und Zalando-Welle ist ein tolles Delivery- und Logistik-Service, aber ich glaube, dass der Trust-Faktor zukünftig eine noch größere Rolle spielen wird. Das ist auch unser Ansatz, indem man als Kunde bei echten Händlern einkauft, die auch selbst für die Produktsammlung in ihrem Laden zuständig sind – also das Authentische.



Christoph Lechner: Da stimme ich überein. Der Einzelhandel an sich ist ja unglaublich stark. Die Händler draußen haben ihre Kundschaft. Und auch diese Kundschaft wird online einkaufen, und das natürlich bevorzugt beim lokalen Händler als bei Amazon und Co., frei nach dem Motto: Wenn mein Händler online ist, kauf ich auch online bei ihm ein. Das wichtigste für Endkunden ist außerdem eine funktionierende Plattform. Das ist klar – wenn die Plattform nicht oder nur schlecht funktioniert, kann auch nicht eingekauft werden.



Etailment.at: Wie ist Coolshop bei Bezahlung und Logistik aufgestellt?



Johannes Meßner: Wir bieten derzeit alle Zahlungsmethoden, bis auf Zahlung auf Rechnung. Wir planen aber auch, diese Zahlungsart einzuführen. In der Logistik pflegen wir eine Kooperation mit GLS.



Etailment.at: Noch eine allgemeine Frage: Wie fit schätzt ihr den österreichischen E-Commerce ein?



Christoph Lechner: Ich glaube, der österreichische Einzelhändler steht diesem Thema noch ein wenig skeptisch und abwartend gegenüber. Ich glaube, dass er sehr wohlüberlegt an die Sache herangeht. Aber unsere Kunden sind schon sehr überzeugt davon. Im Grunde weiß doch jeder, dass Online – und vor allem die Verbindung zwischen Off- und Online – die absolute Zukunft ist. Wir sagen dem Händler ja auch nicht, dass er sein stationäres Geschäft aufgeben soll. Wir sagen ihm: Du bist stationär, aber du musst auch online vertreten sein. Ich persönlich glaube, dass es in anderen Märkten wie Deutschland sicher leichter ist, aber es wird auch der österreichische Einzelhändler nachziehen – denn er wird es müssen.



Johannes Meßner: Ich bin sehr viel mit unseren Kunden in Kontakt, die bemerkt haben, dass E-Commerce doch nicht beißt (lacht).



Etailment.at: Welche Ziele habt ihr euch mit Coolshop für das laufende Jahr 2014 gesetzt?



Johannes Meßner: Für mich steht eine gute Produktentwicklung im Fokus. Wir möchten zudem gerne in Richtung Smart- und Mobile-Lösungen gehen und daneben viele Designs und weitere Features anbieten. Aktuell haben wir für jeden Shop ein gutes Tracking eingerichtet. Einer unserer Main-KPI’s ist logischerweise die Händleranzahl. Wir möchten bis Ende des Jahres in dem Tempo, in dem wir in den vergangenen zwei Monaten an Fahrt aufgenommen haben, weiterwachsen.



Christoph Lechner: Wir werden in der näheren Zukunft auch einige sehr bekannte, beliebte und überregionale Shops dazubekommen. Wir gehen davon aus, dass danach wiederum einige Händler nachziehen werden. Grundsätzlich schauen wir dabei aber nicht nur auf Quantität, sondern auf Qualität.



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