: „Einkaufen ist heute multimedial“
 

„Einkaufen ist heute multimedial“

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Johannes Weinzierl (Hartlauer), René Tritscher (WKO), Hanna Bomba (RegioPlan), Michael Nitsche (Gallup Institut) und Moderator Georg Wiederhofer (CONplementation) (v.l.n.r.) diskutierten bei der etailment Wien, wie Kunden im 21. Jahrhundert erreicht werden können.
Johannes Weinzierl (Hartlauer), René Tritscher (WKO), Hanna Bomba (RegioPlan), Michael Nitsche (Gallup Institut) und Moderator Georg Wiederhofer (CONplementation) (v.l.n.r.) diskutierten bei der etailment Wien, wie Kunden im 21. Jahrhundert erreicht werden können.

„Der Weg zum Kunden im 21. Jahrhundert“ war das Thema, zu dem Michael Nitsche vom Gallup Institut, Hanna Bomba von RegioPlan, René Tritscher von der WKO und Johannes Weinzierl von Hartlauer bei der etailment WIEN Konferenz am 24. Februar 2015 diskutierten. Dabei ging es darum, wie sich stationärer Handel und Online-Handel beeinflussen und, ob die beiden Vertriebswege überhaupt noch getrennt voneinander betrachtet werden können. etailment.at war vor Ort und fasst die wichtigsten Informationen für Sie zusammen.

„Online einkaufen wird immer beliebter“, resümierte Michael Nitsche in seinem Impulsvortrag eine repräsentative Studie zum Einkaufsverhalten der Österreicher. Zwischen 2013 und 2015 stieg die Anzahl derer, die zumindest einmal im Jahr online einkaufen von 57 auf 77 Prozent. Besonders gerne werden Bücher online gekauft oder Reisen gebucht. Auch der Textilhandel oder elektronische Unterhaltung wie Musik und Film funktionieren gut online. „Grundsätzlich wollen die meisten Kunden aber beides, also Onlineshop und Geschäft“, so Nitsche. Generell lassen sich die beiden Bereiche aber nicht klar voneinander trennen. „Einkaufen ist heute multimedial“, sagte der Experte von Gallup. Es gibt nicht mehr Onlinehandel auf der einen und stationären Handel auf der anderen Seite. Beide Bereiche sind verknüpft und künftig wird es keine Seltenheit sein, dass Kunden mit dem Smartphone oder Tablet im Geschäft stehen.



Dynamisches Wachstum im Online-Bereich



Die Umsätze im stationären Handel sind gleichbleibend, während es im Online-Bereich ein dynamisches Wachstum gebe, so René Tritscher. Dabei müsse man aber bedenken, dass online insgesamt nur circa fünf Prozent der Umsätze ausmacht. „Wir haben aber ein volkswirtschaftliches Problem“, sagte Tritscher. Der größte Teil der österreichischen Online-Shopper kauft nämlich nicht bei österreichischen Shops, sondern bei Online-Riesen wie Amazon.



„Wir haben in Österreich im Moment den zweiten Strukturwandel im Handel“, erklärte Hanna Bomba. Der erste Strukturwandel fand statt, als man zur Selbstbedienung überging. Der zweite Wandel kam mit neuen Technologien. Zwischen den einzelnen Branchen gebe es aber sehr große Unterschiede beim Online-Handel, so Tritscher und ein Patentrezept gebe es sowieso noch nicht. „Vor einiger Zeit hat es geheißen, jede Zeitung muss online gehen. Das optimale Onlinemodell wurde aber bisher noch nicht gefunden. Ähnlich ist es mit Onlineshops“, so Tritscher.



Wissen, wo man Kunden erwischen kann



„Es ist nicht automatisch so, dass sich Onlinekäufer online und Offlinekäufer offline informieren“, sagt Nitsche. Leute lesen möglicherweise ein Flugblatt eines stationären Händlers und kaufen dann aber zum Beispiel bei Amazon. „Die Kunst liegt darin, das Informationsverhalten genau zu tracken und zu schauen, wo man Käufer erwischen kann“, so der Experte vom Gallup Institut. Eine Herausforderung sei es, Kunden an jedem möglichen Touchpoint, on- wie offline, beraten zu können, sagte Johannes Weinzierl. Kunden müssten die Wahl haben, sich online zu informieren und dann offline zu kaufen und umgekehrt, so der Marketingchef von Hartlauer.



Umsätze, die online gemacht werden sind laut einer Studie von RegioPlan zusätzliche Umsätze. Von Kannibalismus könnte man also nicht sprechen, so Bomba. Aber auch sie misst Multichanneling eine sehr hohe Bedeutung bei. „Botschaften an die Konsumenten müssen unglaublich klar sein und zwar auf allen Kanälen. Multichanneling bedeutet in erster Linie eine Erhöhung meiner Kontaktpunkte mit dem Kunden“, so Bomba. Wichtig sei aber nicht nur, dass auf allen Touchpoints kommuniziert werde, sondern, dass das, was kommuniziert wird, eingehalten wird, so Weinzierl.



Alles in allem dürfe der menschliche Einfluss beim Kaufen nicht unterschätzt werden, so Nitsche „Eine automatisierte Empfehlung vom Computer ist einfach etwas anderes, als persönliche Beratung“, erklärt er. Doch nicht jedes Produkt werde künftig im stationären Handel erhältlich sein, denn: „Manche Produkte sind viel cooler online zu bestellen und wenn ein Kunde das so will, kann ich mich noch so auf die Beine stellen mit Multichannel“, so Bomba.



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