: „Es gibt bei neuen Technologien immer krit...
 

„Es gibt bei neuen Technologien immer kritische Stimmen“

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Die Speaker bei Future of Payments (v.l.n.r.): Moderator Stephan Beyer (Pioneers Disover), Rainer Schamberger (PSA Payment Services Austria), Roland Toch (Wirecard CEE), Markus Lobmaier (kWallet), Daniel Pichler (Bitcoin Austria & MD Global Pioneers) und Christian Pirkner (BC Capital und Lead Investor Blue Code).
Die Speaker bei Future of Payments (v.l.n.r.): Moderator Stephan Beyer (Pioneers Disover), Rainer Schamberger (PSA Payment Services Austria), Roland Toch (Wirecard CEE), Markus Lobmaier (kWallet), Daniel Pichler (Bitcoin Austria & MD Global Pioneers) und Christian Pirkner (BC Capital und Lead Investor Blue Code).

Die Veranstaltungsreihe MobileMonday trug am 19. Oktober 2015 im Naturhistorischen Museum in Wien den Titel „Future of Payments“. Moderator Stephan Beyer (Pioneers Disover) durfte beim Expertenpanel Rainer Schamberger (PSA Payment Services Austria), Roland Toch (Wirecard CEE), Markus Lobmaier (kWallet), Daniel Pichler (Bitcoin Austria & Global Pioneers) und Christian Pirkner (BC Capital und Lead Investor Blue Code) am Podium begrüßen. etailment.at war vor Ort und berichtet vom Event.

In Anspielung auf den Veranstaltungsort, dem Naturhistorischen Museum, sagte Schamberger zur rasanten Veränderung im Mobile Payment: „Das Aussterben der Arten ist ein Teil der Evolution.“ Toch hingegen war der Meinung: „In der Evolution haben sich Lebewesen, die überlebt haben, angepasst. Wir bei Wirecard haben auch klassisch als Payment Service Provider begonnen und später eine Banklizenz erworben.“ Und der Managing Director von Wirecard weiter: „NFC gibt es schon seit zehn Jahren. Früher herrschte in Österreich die Meinung vor, dass sich diese Technologie nie durchsetzen wird. Nun da Apple hier in der Entwicklung voranschreitet, wird NFC auch in Österreich als Chance für die Zukunft gesehen.“ Laut Schamberger müsse die Diskussion auch von einer weiteren Ebene aus betrachtet werden: „Wir müssen uns in Europa überlegen, wie wir miteinander kooperieren. In Brüssel werden uns Regulative aufgelegt. Wenn wir hier nicht kooperieren, wird sich Europa abschaffen – nicht nur politisch, sondern auch technologisch.“ Für Pirkner von BC Capital ist es besonders wichtig, in Europa Angebote im Kreditkartenbereich zu schaffen: „In den USA haben wir MasterCard und viele weitere Anbieter, in China ist Union Pay sehr stark – solche Lösungen braucht es auch am europäischen Markt.“



Komplementierung, nicht Konkurrenz



Beyer fragte Pirkner, ob Blue Code von anderen Mobile Payment Anbietern als Konkurrenz gesehen wird. Pirkner dazu: „Ich denke, alle die hier sitzen, haben Interesse daran, dass die Entwicklung in diesem Beriech noch schneller vonstatten geht. Das tolle an Blue Code ist, dass Barcodes immer funktionieren, egal welches Betriebssystem das Smartphone besitzt.“ Auch Lobmaier wollte nicht von Konkurrenz, sondern Komplementierung sprechen: „Über unsere Software wird auch zukünftig Apple Pay und Android Pay akzeptiert werden. Wir wollen sowohl dem Merchant als auch dem User einen Zusatznutzen bringen.“ Bitcoin wurde unter anderem von der Finanzaufsichtsbehörde bezüglich einer Vielzahl an Risiken kritisiert, so eine Stimme aus dem Publikum. Für Pichler ein ganz normales Phänomen, das bei neuen Lösungen am Markt auftritt: „Es gibt bei neuen Technologien immer kritische Stimmen. Selbst beim Aufkommen des Internets war dies der Fall.“ Und Pirkner bestärkte Pichler: „Staaten wollen nun mal die Kontrolle behalten. Aber meiner Meinung nach braucht es ebenso dezentrale Bezahlsysteme wie Bitcoin.“



Höhe der Summe bei der Anwendung mitentscheidend



Ebenfalls diskutiert wurden die Anwendungsbereiche für die unterschiedlichen Zahlungsmethoden, die beim Panel vorgestellt wurden. Für Pirkner ist Blue Code für Händler beim Bezahlen von Kleinbeträgen interessant. Vor allem wurde der Barcode favorisiert, da er dem Handel keinen großen Mehraufwand bringt, so Pirkner, und auch beim Kunden sowie beim Kassier im Supermarkt im täglichen Leben verankert ist. Für Schamberger ist bei Supermärkten ein schneller Durchsatz entscheidend. kWallet hat sich laut Lobmaier vor allem für Zahlungen in der Gastronomie spezialisiert. „Wir wollen hier eine bestimmte Nische bedienen“, so Lobmaier. Bei Bitcoins ist die Höhe der Summe nicht entscheidend, wie Pichler ausführte: „Im Moment kann man den Kaffee mit Bitcoins bezahlen, ebenso wie eine große Transaktion oder dem Investment in Aktien.“



Services wie Number26 bieten eine Alternative zum klassischen Bankgeschäft und waren ein weiterer Teil der Diskussion. Beyer fragte die Teilnehmer, ob es denn in fünf Jahren überhaupt noch einer Bankfiliale benötigt. Lobmaier sieht in Number26 ein Top-Produkt, „mit dem man alles machen kann, was der Kunde auch in einer Bankfiliale machen kann, nur eben am Handy“. Und Lobmaier weiter: „Ich glaube, auch beim Banking wird kein Stein am anderen bleiben.“ Auf die Frage, ob Kunden 2020 noch Bargeld verwenden, antwortete Pirkner: „Ja. Ich hoffe darauf, denn auch Bargeld hat seine Anwendungsgebiete.“ Interessant ist für Pirkner hingegen eher der Mix und Frage nach den Gewinnern der Veränderungen im Zahlungsbereich. Und auch Toch betonte, dass die Konsumenten letztendlich entscheiden, wie sie bezahlen. Ebenfalls sollte man aber laut Toch die Banken nicht schlechtreden, denn „George ist ja schließlich auch ein Bankprodukt“.



Bargeldlose Gesellschaft denkbar?



„Welche Rolle können Wearables beim Bezahlen in Zukunft spielen?“, fragte Moderator Beyer. Für Toch sind diese vor allem in bestimmten Anwendungsgebieten eine Lösung für die Zukunft, so etwa im Sportartikelhandel. Toch: „Hier wollen Kunden die Daten nicht unbedingt verheimlichen. Wenn man diese Technologie in diesem Kontext sieht, kann sie erfolgreich sein.“ Ist eine bargeldlose Gesellschaft in den nächsten fünf bis sechs Jahren denkbar, frage Beyer zum Abschluss. Toch dazu: „Ich glaube, dass es noch schneller gehen wird. Dieses Thema wird in den nächsten zwei oder drei Jahren in unserer Gesellschaft angekommen sein.“



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