CASH+/Gastkommentar Christian Pirkner: Mobile...
 
CASH+/Gastkommentar Christian Pirkner

Mobile Payment & Loyalty: Von diesen Trends wird der Handel 2021 profitieren

Blue Code International
Christian Pirkner, CEO Blue Code International
Christian Pirkner, CEO Blue Code International

Covid-19 hat unser Zahlungsverhalten nachhaltig verändert: Während der Pandemie wurde laut Österreichischer Nationalbank erstmals wertmäßig genauso viel kontaktlos bezahlt wie in bar. Zum einen empfehlen der geöffnete Lebensmitteleinzelhandel und viele weitere Händler ihren Kunden nach wie vor, auf Münzen und Scheine zu verzichten. Zum anderen sind bei den Kunden die Schlüsselfaktoren Hygiene und Sicherheit beim Bezahlvorgang stark in den Vordergrund getreten. Neben kontaktlosen Kartenzahlungen via Nahfunktechnologie NFC konnte auch Mobile Payment, also das Bezahlen per Smartphone-App, stark davon profitieren. Gerade auch, weil Kunden dafür keine Zahlungsterminals berühren müssen und dadurch das Infektionsrisiko mindern können. Als Folge dieses „Berührungslos-Booms“ kristallisieren sich am POS gerade drei Trends heraus, von denen der Handel im kommenden Jahr stark profitieren kann:

1. Digitalisierung der Plastikkarten ins Smartphone als Chance und Risiko

In naher Zukunft werden die dicken Stapel an Plastikkarten nach und nach aus der Geldbörse der Kunden verschwinden. Denn einerseits werden die Kundenkarten der Händler und andererseits auch die Zahlungskarten der Finanzinstitute zunehmend ins Smartphone digitalisiert. Das birgt Chancen aber auch Risiken. Wenn Kundenkarten und Kundenbindungsprogramme – wie zum Beispiel Sammelpässe und Rabattmarken – noch mehr in die mobilen Endgeräte wandern, können Händler ihre Kunden noch persönlicher und direkter via Handy erreichen. Das Mobiltelefon hat man ja immer und überall dabei. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bietet sich die Chance, durch neue digitale Kundenbindungsinstrumente die Beziehung zu den Kunden zu stärken.
Befeuert durch Apple Pay und den kürzlich erfolgten Österreich-Start von Google Pay wird gleichzeitig auch die Digitalisierung der Debit- und Kreditkarten von VISA und Mastercard ins iPhone und Android-Smartphone vorangetrieben. Es ist zu erwarten, dass hierzulande künftig noch mehr Zahlungen über diese US-basierten Kartensysteme in den mobilen Geldbörsen der US-amerikanischen IT-Konzerne Apple und Google laufen werden. Händler können sich durchaus als innovativ positionieren, wenn sie diese Zahlungsarten akzeptieren. Aber es besteht dadurch auch das Risiko steigender transaktionsbasierter Gebühren und einer wachsenden Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungssystemen.

Daher entwickeln führende europäische Mobile-Payment-Anbieter und Banken derzeit günstigere Alternativen für den Handel: Zum einen arbeiten beispielsweise 12 europäische Mobile-Payment-Anbieter in der EMPSA (European Mobile Payment Systems Association) daran, ihre nationalen Handy-Zahlungslösungen durch „Roaming-Agreements“ quer durch Europa untereinander kompatibel zu machen. Ausländische Nutzer werden dann auch im österreichischen Handel mit ihrer von zuhause gewohnten Smartphone-App bargeldlos bezahlen können. Zum anderen haben u.a. auch 16 große Finanzinstitute aus Deutschland, Frankreich und weiteren EU-Ländern die European Payments Initiative (EPI) ins Leben gerufen. Sie möchten bis 2022 eine einheitliche und europaweit verfügbare digitale Geldbörse für das Bezahlen am POS und im Internet schaffen.

2. Mobiles Bezahlen mit Mehrwert: Payment verbindet sich mit Loyalty

Im Zuge dieses Digitalisierungstrends stellt sich die Handelsbranche vermehrt auch die Frage, wie sie ihre digitalen Kundenkarten und Kundenclub-Apps noch direkter mit dem mobilen Bezahlen per Smartphone verbinden kann. Denn die bestehenden Systeme verknüpfen in der Regel keine Mehrwerte mit dem bargeldlosen Bezahlen. Auch hier geht es künftig noch stärker darum, wie Händler dabei ein positives Einkaufserlebnis gestalten und gleichzeitig die Kundenbindung stärken können.

Die bereits gut etablierten Loyaltyprogramme werden üblicherweise mittels Barcode oder QR-Code direkt über die Registrierkassensysteme gescannt. Bei der Verbindung von Payment und Loyalty sind optische Smartphone-Zahlungssysteme im Vorteil, die gemeinsam mit den Loyaltyprogrammen direkt an der Registrierkasse gescannt werden, solange der Warenkorb noch offen ist. Das heißt, dass bei jedem mobilen Bezahlvorgang automatisch der Bonus des jeweiligen Händler-Loyaltyprogramms gesammelt bzw. gutgeschrieben werden kann. Anstatt Angebote erst nach dem Bezahlen auf den Kassenbon zu drucken, können Händler treue Kunden so noch schneller und direkter via Handy belohnen und durch gezielte digitale Kundenbindungsaktionen die Umsätze ankurbeln. Das zeigen auch die technologischen Vorreiter bei optischen Zahlungssystemen aus Asien, Alipay und WeChat Pay, erfolgreich vor.

3. Mit Instant Payments in Echtzeit zum Geld

Für den Handel bedeuten mehr bargeldlose Zahlungen nicht nur weniger menschliche Fehlerquellen und geringere Kosten im Bargeld-Handling, sondern auch, dass sie künftig größere Anteile ihrer Umsätze auf elektronischem Weg erhalten werden. Bisher ist das mit Verzögerung eines Bankgeschäftstages geschehen. In Zukunft werden Händler von schnelleren "Instant Payments" profitieren, die vom European Payments Council (EPC) entwickelt wurden und an denen die Retail- und Händlerbanken teilnehmen können. Diese "Echtzeit-Zahlungen" vom Girokonto des Kunden sollen bis Ende 2021 ausgerollt werden und dafür sorgen, dass Händler in Sekundenschnelle ihre Umsätze erhalten. Dies gilt nicht nur für Bankgeschäftstage, sondern rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Die Einkaufbeträge sind dann unmittelbar auf dem Händlerkonto verfügbar – gerade für kleinere Händler ein wichtiger Liquiditätsfaktor.

Fazit: Krise als Chance nutzen

Die Corona-Krise hat einen nachhaltigen Paradigmenwechsel im Zahlungsverhalten eingeläutet: Laut bevölkerungsrepräsentativer Umfrage des Gallup Instituts und der WU Wien wollen 35 Prozent der Bevölkerung auch nach der Krise häufiger auf Bargeld verzichten. Für den Handel gilt es nun, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und die Chancen der Digitalisierung auch am POS noch besser zu nutzen. Damit Kunden jene modernen Payment- und Loyaltylösungen vorfinden, die ihren erhöhten Bedürfnissen nach Hygiene und Sicherheit beim Bezahlen entsprechen.
Ad personam

Christian Pirkner ist CEO der Blue Code International AG und Anbieter der europäischen Mobile-Payment-Lösung Bluecode, die u.a. bei Billa, Merkur, Spar und vielen weiteren Händlern im Einsatz ist.

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