: Internationaler Handelstag GDI: Zuviel Flä...
 

Internationaler Handelstag GDI: Zuviel Fläche und zu wenig Service

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GDI CEO David Bosshart: „Keiner will mehr warten.“ (Foto Copyright: Gottlieb Duttweiler Institute)
GDI CEO David Bosshart: „Keiner will mehr warten.“ (Foto Copyright: Gottlieb Duttweiler Institute)

Die Lebensmittelhändler haben – gegenüber dem Modehandel – noch eine Galgenfrist. Sie sollten sie nützen, die richtigen Führungskräfte für den digitalen Wandel und den Wettkampf mit neuen Mitbewerbern zu finden. Dagmar Lang, Herausgeberin und Geschäftsführerin des Manstein Verlag, war bei der internationalen Handelstagung des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) vor Ort und berichtet für etailment.at.

„Die Supermärkte haben ihre individuellen Merkmale verloren. Der Konsument findet sie austauschbar“, befindet Joanne Denney-Finch, CEO des britischen Marktforschungsinstituts IGD auf der Internationalen Handelstagung des Gottlieb Duttweiler Instituts in Rüschlikon. Jetzt stehen die Food-Retailer vor neuen Herausforderungen durch neue Mitbewerber aus dem Netz und anderen Branchen. „Die Veränderungen von Monat zu Monat sind klein,“ sagt Denney-Finch, „aber ingesamt ist es eine Revolution.“ „Mit Smartphones wird man Preise vergleichen können, Artikel des täglichen Bedarfs wie Milch, Shampoo, Waschpulver oder Cerealien werden im Abo per Knopfdruck gekauft werden“, ist Denney-Finch sicher. „Der Handel muss sich neu erfinden, wenn er in diesem Spiel dabei sein will.“ Noch hätten die Händler Zeit sich umzustellen, aber sie müssen jetzt schon die Führungskräfte mit den richtigen Fähigkeiten (zur Datenanalyse, Kommunikation, Optimierung der Lieferkette) rekrutieren. Rewe-CEO Alain Caparros, der als Videobotschaft eingespielt wurde, ergänzt: „Das Geschäft braucht viel mehr Freiheit. Wir müssen neue Geschäftsmodelle testen. Auch stationär. Wir brauchen neue Ideen, wie wir unsere Kunden besser verstehen. Die lebendige Testkultur kostet Geld – aber das ist eine Investition in die Zukunft.“ GDI CEO David Bosshart analysiert: „Wait Time is Waste Time. Keiner will mehr warten. Wir haben zur Zeit zu viel Fläche und zu wenig Service. Wir müssen den Kunden besser zuhören, die Daten besser analysieren“, sagt Bosshart. „Kindle weiß, wie schnell ich lese, wo ich stecken bleibe, wann ich aufhöre.“ Lebensmittelhandel und Gastronomie werden ineinander übergehen, ist Christopher Muller, Professor aus Boston, überzeugt. Amazon Prime liefert in Boston Lebensmittel innerhalb einer Stunde. Uber Eats bringt das Mittagessen in drei Minuten. „Wie schnell ist schnell?“, fragt Muller. Der Schweizer Spitzengastronom Rolf Hiltl glaubt nicht an die Zustellung für jedermann. „Die Arbeitskosten in der Schweiz sind viel zu hoch.“



Noch gibt es sie, die erfolgreichen Einzelhändler. Karstadt gilt als saniert. „Es war eine Operation am offenen Herzen, der Glaube der Führungskräfte strapaziert“, erzählt Karstadt-Chef Stephan Fanderl. Heute verdienen die Filialen wieder Geld: „Von 79 waren nur 34 im Plus, jetzt sind es 65 und nur vier sind noch im Minus,“ erklärt Fanderl, dass Karstadt wieder eine CASH-Rendite von 2,5 Prozent erzielt. Und in Berlin Tegel nach 20 Jahren wieder eine neue Filiale eröffnen wird. Macht doch Mut.



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