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Wirtschaftskammer Österreich

KMU: Österreich braucht mehr Digital Champions

FV UBIT/Tsitsos
V.l.n.r.: Alexander Keßler (KMU Institut der WU Wien), Sophia Pipke (Management Consultant Arthur D. Little), Sonja Zwazl (Präsidentin Wirtschaftskammer NÖ), Alexander Ruck (Präsident Wirtschaftskammer Wien), Alfred Harl (Obmann Fachverband UBIT der Wirtschaftskammer Österreich), Jan Trionov (CEO Hutchinson Drei Austria). © FV UBIT/Tsitsos
V.l.n.r.: Alexander Keßler (KMU Institut der WU Wien), Sophia Pipke (Management Consultant Arthur D. Little), Sonja Zwazl (Präsidentin Wirtschaftskammer NÖ), Alexander Ruck (Präsident Wirtschaftskammer Wien), Alfred Harl (Obmann Fachverband UBIT der Wirtschaftskammer Österreich), Jan Trionov (CEO Hutchinson Drei Austria). © FV UBIT/Tsitsos

Der Digitalisierungsindex wurde auf Initiative des Fachverbands UBIT der WKÖ erstellt. Zwar stehen die österreichischen KMU noch am Anfang, zwei Drittel der Unternehmen sehen aber in der Digitalen Transformation Chancen zur Neukundengewinnung.

Arthur D. Little Austria, die Wirtschaftskammer Österreich, Hutchison Drei Austria sowie der KMU Institutsvorstand der Wirtschaftsuniversität Wien haben gemeinsam eine Studie zum Status quo der österreichischen Klein- und Mittelunternehmen bei der Digitalen Transformation durchgeführt – „Status der Digitalen Transformation Österreichsicher KMUs“, so der Arbeitstitel. Vor allem zeigt sich eines: Die österreichischen Unternehmen haben den Ernst der Lage erkannt, jedoch fehlt es an Know-how. Somit verwundert es auch nicht, dass die branchenübergreifende Studie nur wenige Digital Champions ausweist. CASH war bei der Studienpräsentation vor Ort und zeigt die wichtigsten Ergebnisse auf.

Wenig überraschend ist die Branche „Information und Consulting“ laut der Studie hinsichtlich der Digitalisierung am weitesten fortgeschritten, gefolgt von „Tourismus und Freizeitwirtschaft“. Die Kategorie „Handel“ findet sich bei der dicht gedrängten Spitze an fünfter Stelle wieder.

Mit der Digitalisierung verbinden viele kleine und mittelständische Betriebe auch bestimmte Sorgen, so etwa bei der Arbeitsplatzsituation. Besonders in den Branchen Transport und Verkehr (88 Prozent) sowie Gewerbe und Handwerk (81 Prozent) sieht ein Großteil der Befragten einen Rückgang in den nächsten Jahren. Wie Sophia Pipke, Management Consultant Arthur D. Little, betont, ist aber besonders in Branchen, in denen die Digitalisierung bereits weiter fortgeschritten ist, „die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen geringer“. Und Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich, beobachtet, dass digital gut aufgestellte Betriebe erkennen, dass durch die erweiterten Aufgabengebiete auch neue Mitarbeiter benötigt werden.

Wie mit der Digitalisierung umgehen?
Gleichzeitig verbinden die KMU aber auch neue Chancen mit der Digitalisierung. Das betrifft vor allem die Gewinnung von Neukunden – diesen Faktor geben 66 Prozent der befragten Unternehmen an, gefolgt von der Kostenersparnis (52 Prozent) sowie der Erhöhung der Agilität und Flexibilität (46 Prozent). Als größte Herausforderung wird das fehlende Know-how (36 Prozent) sowie fehlende beziehungsweise schwer definierbare Ziele (32 Prozent) angegeben. Letztgenannten Faktor nennt auch Alexander Keßler, WU Wien, Institut für KMU-Management, bei der Studienpräsentation: „Man weiß, dass die Digitalisierung ein unaufhaltsames Thema ist, weiß aber gleichzeitig nicht, wie man damit umgehen soll.“ Keßler empfiehlt eine spezifische Beratung, die mit KMU an individuellen Lösungen arbeitet. „Ausbildungsangebote müssen hier noch weiter ausgebaut werden“, so Keßler. So sagen 48 Prozent der befragten Unternehmen, dass sie sich Beratung zur Umsetzung der Digitalen Transformation wünschen.

Welche Ziele haben sich KMU in den nächsten zwölf Monaten gesetzt? Vor allem der eigene Webauftritt ist für 42 Prozent der Unternehmen von Bedeutung, gefolgt von der Datensicherheit (39 Prozent) und Internet Banking (37 Prozent). Auch dem Social Media Auftritt kommt mit 29 Prozent ein hohe Gewichtung zu.

Der Leistungsfähigkeit des Internets messen zwar 59 Prozent der Unternehmen eine große Bedeutung zu, jedoch sind mehr als 40 Prozent der Unternehmen mit dieser mittel bis gar nicht zufrieden. Ein bedeutender Teil der KMU wünscht sich daher eine höhere Internetqualität. Zu diesem Punkt äußerte sich auch Jan Trionow, CEO Hutchison Drei Austria. Drei hat in Österreich das 4G-Netz landesweit ausgebaut, derzeit sind 95 Prozent des Gebietes abgedeckt. Vor allem in den ländlichen Gegenden war eine weitere Erschließung wichtig.

Alfred Harl, Obmann Fachverband UBIT der WKÖ, ist sich für die Zukunft sicher, „dass wir Österreich schnell vorantreiben werden“. Dazu müsse sich der nächste Regierungschef stärker das Thema Digitalisierung auf die Fahnen heften. „Es brauch einen digitalen Masterplan“, so Harl, „der öffentlich transparent präsentiert und laufend evaluiert wird.“ Und Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, betont: „Es werden Arbeitsplätze wegfallen und neue entstehen. Dafür muss man die Ausbildungseinrichtungen so fit machen, dass sie den Anforderungen am Arbeitsmarkt gerecht werden.“
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