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Logistik für einen erfolgreichen Standort

Unterschiedliche Ansätze und Meinungen zu den stationären Trends und Logistik Innovationen von morgen brachte der 13. Standorttag am ThirtyFive Twin Tower ans Licht. CASH war dabei und berichtet von den Highlights.

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Der 13. Standorttag des österreichischen Handelsverbands am 27. September 2017 stand unter dem Titel „Stationäre Trends & Logistik Innovationen“. Auf der Bühne fanden sich unter anderem Speaker von Rewe, Spar, der Österreichischen Post oder des Startups byrd ein. CASH war vor Ort und berichtet über die wichtigsten Programmpunkte.

Die Rewe Gruppe verfügt über 2.500 Filialen in Österreich – ist das nicht genug?“, fragte Dieter Wasserburger von Rewe. „Es braucht aus unserer Sicht vor allem erneuerte Filialen.“ Vor zehn Jahren ist man bei Rewe von der quantitativen Expansion zu einer qualitativen übergegangen und hat die Standorte flächendeckend ausgeweitet. In Verbindung mit dem aufstrebenden Onlinehandel kann man, so Wasserburger, „den Kunden ganz individuell servicieren“. Die Städte wachsen. „Platz wird also ein zunehmender Faktor“, so Wasserburger. Standorte müssen immer individueller gestaltet werden, unter anderem auch durch komplexer werdende Anforderungen.

Konzepte für die Innenstadt
In einem anschließenden Panel kritisierte Hania Bomba von RegioPlan, dass es für den Handel oftmals keine übergreifenden Konzepte für die Innenstadt gibt. „Nette Ideen ja, Konzepte nein.“ Hierfür müsste die jeweilige Stadtregierung sorgen. Auch deshalb, um alle an einen Tisch zu bringen. Laut Michael Oberweger (Comfort) befinden sich die Einkaufsstraßen in einem ständigen Wandel: Geschäfte, die heute nicht mehr beispielsweise auf die Mariahilfer Straße passen, hätten gut funktionierende Standorte an anderen Plätzen gefunden.

„Urban Logistics – Quo Vadis“ hieß ein weiterer Programmpunkt mit Peter Umundum (Österreichische Post), Georg Hauger (TU Wien) und Davor Sertic (Unitcargo/WKO) am Podium. Umundum schließt es nicht aus, dass sich die Post in Zukunft in den Bau von E-Fahrzeugen einklinkt: „Das sind Dinge, die auf uns zukommen. Transport per Drohne oder die 3D-Druck-Anwendung in der Logistik sehe ich eher noch weiter weg.“ In einigen Anwendungsfällen ist die Drohne sicher sinnvoll, doch, so gibt Umundum zu bedenken: „Wenn wir alle Pakete per Drohen zustellen, wird es aufgrund der Masse finster über Wien.“ Same-Day-Delivery hält Umundum für „überschätzt“, der Experte ortet bei den Kundenwünschen eher die Lieferung in Zeitfenstern.

Hauger von der TU Wien sieht „wenige Probleme in der Innenstadt. Der Handel agiert sehr gut.“ Aus der Sicht des Verkehrsplaners sieht er eher keinen hohen Leidensdruck für Händler und Logistiker. Davor Sertic denkt anders: „Als Interessensvertreter hören wir oft Klagen. Der Leidensdruck ist groß – nicht im fließenden, sondern vor allem im ruhigen Verkehr.“ So etwa beim Aus- und Verladen der Ware im innerstädtischen Gebiet, wie Sertic betont. Als Vorbild sieht er Stockholm, wo von der Wirtschaft ein 30-jähriger Entwicklungsplan für die Logistik ausgearbeitet wurde. Für Hauger muss die Politik Rahmenbedingungen setzen, gleichzeitig aber auch Vertrauen herrschen. „Man muss kommunizieren, was in fünf oder gar in zehn Jahren kommen wird.“

Ideenbotschafter vor Ort
byrd ist ein Startup, an dem die Österreichische Post beteiligt ist. Für Co-Founderin Petra Dobrocka sind in der heutigen Logistik einige neue Punkte zu beachten. Unter anderem Transparenz: „Der Kunde möchte wissen, wo sich sein Paket gerade befindet und ob es schon unterwegs ist. Diese Art der Transparenz verringert auch die Kosten bei der Kundenbetreuung.“ Zudem schätzen die Konsumenten Convenience – Kunden, die gleich neben einer DPD-Abholstelle oder einer Post-Filiale wohnen, müssen dementsprechend serviciert werden.

Mit thinkport Vienna wird am 17. Oktober ein logistischer „Ideenbotschafter“ eröffnet, wie es Martin Posset ausdrückt. „Es gibt zwar viele Studien, die Ideen werden aber nicht in die Praxis umgesetzt.“ Und Posset weiter: „Wir sind kein Inkubator, aber wir haben das Netzwerk. Wir schaffen gesellschaftlich getragene Lösungen.“ Für Posset muss man die Kreise der Logistik mehr aufbrechen, die Szene ist klein, und auch mit anderen Branchen zusammenarbeiten.

Automatisierung entlastet ältere Mitarbeiter
Martin Gleiss von Spar sprach abschließend über „Neue Möglichkeiten der Teilautomatisierung“. Nicht nur ändern sich die Anforderungen an Mitarbeiter, durch die demographischen Veränderungen gibt es auch immer mehr ältere Mitarbeiter. „Dies ist ein großes Thema in der Logistik“, so Gleiss, da diese Mitarbeiter auch an ihre körperlichen Grenzen stoßen. Automatisierung kann hier für Unterstützung sorgen.

In den vergangenen Jahren wurde die Effizienz des Logistiklagers in Wels enorm verbessert, 2022 soll bereits die vierte Ausbaustufe erfolgen. Zudem wird das neue Lager in Ebergassing noch 2017 in Vollbetrieb genommen. Die Mengen unterscheiden sich an den Spitzentagen um bis zu 100 Prozent. „Dies muss aber mit der gleichen Anzahl an Mitarbeitern gelöst werden“, so Gleiss. Die Picker werden an diesen Tagen um 30 bis 50 Prozent schneller, da sie den gleichen Weg zurücklegen, gleichzeitig aber mehr Produkte transportieren.
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