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Millionengeschäfte: So rasant wächst der österreichische Online-Lebensmittelhandel

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Wo es um Wachstumsmärkte geht, will natürlich auch Amazon mitmischen. Medienberichten zufolge soll der deutschsprachige Ableger des Nahrungsmittel-Lieferservices Amazon Fresh im Herbst 2014 auch in Österreich starten.
Wo es um Wachstumsmärkte geht, will natürlich auch Amazon mitmischen. Medienberichten zufolge soll der deutschsprachige Ableger des Nahrungsmittel-Lieferservices Amazon Fresh im Herbst 2014 auch in Österreich starten.

Lebensmittel sind das nächste große Ding im Onlinehandel.

2013 verzeichnete der österreichische Lebensmittelhandel einen Online-Umsatz von 220 Millionen Euro (2006 waren es noch 20 Millionen Euro), womit er sich unter die fünf umsatzstärksten Branchen im heimischen Internet-Einzelhandel reiht. Doch auch, wenn der Online-Anteil bislang nur einen Prozent am Gesamtumsatz der Lebensmittelbranche ausmacht, prognostizieren Experten in den kommenden Jahren einen Durchbruch im “E-Food” Segment. Einer Studie von AT Kearny zufolge kauften im Jahr 2013 zwar nur vier Prozent der Österreicher wiederkehrend online Lebensmittel ein, doch zeichne sich auch hier ein Wachstum für die kommenden Jahre ab.

Spar beliefert Grazer Businesskunden

Auf den anfahrenden Zug „E-Food“ springt nun auch der Handelskonzern Spar auf. Innerhalb der Grazer Innenstadt bietet Spar Firmen und Businesskunden schon jetzt ein Lieferservice für Lebensmittel, die über einen eigenen Webshop bestellt werden können. Die Produkte werden in den Kategorien Getränke, Kaffee, Süßes und Salziges sowie Jause angeboten. Firmen und Businesskunden können an Werktagen zwischen 8 Uhr morgens und 14 Uhr nachmittags ihre gewünschten Produkte online auswählen und Zustellzeit und –ort angeben – die Waren werden dann am selben Tag zwischen 11 und 18 Uhr geliefert oder können in einer der Spar-Filialen abgeholt werden. Bezahlt wird vom Kunden jeweils in bar bei der Übergabe der Ware. Weitere Zustelladressen außerhalb der Grazer Innenstadt müssen derzeit noch individuell mit Spar vereinbart werden. In einem Interview mit der Kleinen Zeitung kündigte Spar-Geschäftsführer Christoph Holzer an, das Angebot mit erweitertem Produktsortiment auf Privatkunden auszuweiten, sollte sich das bisherige Angebot erfolgreich weiterentwickeln.

“Nachfrage nach Lieferservices nimmt stetig zu”

„Heute bestellt, heute geliefert“, heißt es auch bei Billa in Wien. Innerhalb der Bundeshauptstadt und neuerdings auch im Wiener Umland bietet Billa seinen Privatkunden ein eigenes Same Day Delivery Lieferservice an. Kunden können bis 10 Uhr vormittags im Onlineshop bestellen und selbst wählen, wann die Lieferung erfolgen soll – die Ware kann bis spätestens 21 Uhr direkt zur Haustüre geliefert werden. „Wir sehen, dass die Nachfrage nach Lieferservices im Lebensmittelhandel stetig zunimmt“, erklärt Billa Vorstandssprecher Volker Hornsteiner. In den letzten Monaten ist die Zahl der Online-Bestellungen nach eigenen Angaben um mehr als 65 Prozent gestiegen, Billa setzt online bislang zwischen drei und vier Millionen Euro um – Tendenz steigend. Ab Herbst dieses Jahres will Billa sein Same Day Delivery Konzept auch in den beiden Landeshauptstädten Graz und Linz zum Einsatz bringen, angedacht ist auch Salzburg.

Das oberösterreichische Modell: Pick up Stationen

Auf der Suche nach einer E-Commerce Lösung im Lebensmitteleinzelhandel ist auch die Pfeiffer Handelsgruppe fündig geworden: Pfeiffer will über seine Vertriebe Unimarkt und Zielpunkt Pick Up Stationen zur Selbstabholung sowie Hauszustellung von Lebensmitteln in ganz Österreich anbieten. Seit April 2014 läuft in Linz ein zweimonatiger Pilotversuch für gekühlte Abholboxen von Lebensmitteln. Kunden können online bestellen und ihre Waren wenige Stunden später bei den sogenannten Pick up Stationen abholen. Das österreichweite Rollout ist für das kommende Jahr 2015 geplant. Im Sommer 2014 startet Pfeiffer gemeinsam mit der Post außerdem ein Hauszustellservice in Oberösterreich, das Lebensmittel auf Wunsch bis 21 Uhr liefern soll. Interessant: Die Zustellung soll sich nicht nur auf die Ballungsräume konzentrieren, sondern auch ländliche Gegenden Oberösterreichs mit einschließen. Langfristiges Ziel sei es, „eine flächendeckende und zeitnahe Hauszustellung von Lebensmitteln in ganz Österreich zu etablieren“, so Markus Böhm, Holding Geschäftsführer der Pfeiffer Handelsgruppe.

Herbst 2014: Amazon Fresh will nach Österreich


Den Raum Innsbruck will Mpreis mit seinem Onlineshop tanteM.at abdecken, der aktuell mit rund 7.000 Produkten aufwartet. Die Lieferung erfolgt bei Bestellung bis 12 Uhr noch am selben Tag, alternativ kann der Kunde seinen Einkauf auch fertig verpackt in der Innsbrucker Mpreis-Filiale abholen. Bezahlt wird mit Bankomat- oder Kreditkarte. Wo es um Wachstumsmärkte geht, will natürlich auch Amazon mitmischen. Medienberichten zufolge will der Internet-Riese sein Nahrungsmittel-Lieferservice Amazon Fresh nun auch nach Österreich und Deutschland bringen. Der Start des deutschsprachigen Ablegers soll im September 2014 starten, Lagerflächen und Lkw-Flotten sollen an mindestens vier Standorten in Deutschland, Österreich und Nachbarländer entstehen. Neben Spar, Billa, Mpreis, Pfeifer und Amazon werden in den nächsten Monaten gewiss noch einige andere heimische Lebensmittelhändler in das E-Commerce Geschäft einsteigen, um das Feld nicht völlig kampflos der Konkurrenz zu überlassen.

Nicht nur für den Lebensmittel-Einzelhandel, sondern auch für Logistik-Anbieter sind Online, E-Food und Same Day Delivery eine riesige Herausforderung. Wie die österreichische Logistik auf die geänderten Anforderungen im Zeitalter des E-Commerce reagiert, lesen Sie hier.
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