: „Mobile wird sich als eigener Shopping-Kan...
 

„Mobile wird sich als eigener Shopping-Kanal durchsetzen“

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Robert Hadzetovic, Country Manager Klarna Austria. (Foto: Richard Tanzer)
Robert Hadzetovic, Country Manager Klarna Austria. (Foto: Richard Tanzer)

Die mobile Nutzbarkeit von Online-Shops in Österreich ist verbesserungswürdig, befindet Robert Hadzetovic, Country Manager Österreich vom Zahlungsanbieter Klarna. „Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass von 100 ‚mobilen’ Kaufinteressierten, die sich bis zum Checkout eines Shops durchklicken, nur 16 den Kauf abschließen. Das ist eine Kaufabbruchrate von 84 Prozent“, lautet die nüchterne Bestandsaufnahme des E-Commerce Spezialisten Hadzetovic.

„Den Online-Shopbetreibern entgeht dabei nicht nur enorm viel Umsatz, sondern oft auch der Kunde selbst.“ Wieso Kunden auf Usability-Defizite im Mobil-Bereich besonders sensibel reagieren, wie Onlinehändler den ersten Schritt ins M-Commerce wagen können und wieso sich Mobil als eigener Verkaufskanal ganz bestimmt durchsetzen wird, erklärt Robert Hadzetovic im Etailment.at Interview.



“Online-Shop Besitzer, die das enorme Potenzial von M-Commerce nutzen wollen, müssen alle Kanäle spezifisch auf die neuen Anforderungen anpassen”, sagt Robert Hadzetovic, Country Manager Klarna Austria, im Etailment.at Interview.



Etailment.at: Herr Hadzetovic, worauf sind die niedrigen Konversionsraten im mobilen Segment zurückzuführen?



Robert Hadzetovic: Die meisten Online-Händler glauben, dass ihr bestehender Internetauftritt ausreicht, um über alle Kanäle des E-Commerce erfolgreich zu verkaufen. Das ist allerdings ein Irrglaube. Der Internetauftritt muss an die technischen Notwendigkeiten des M-Commerce angepasst werden. Dazu gehören neben einer veränderten Produktansicht auch ein an Mobilgeräte angepasster Kassabereich. Die Konversionsrate ist vor allem dann sehr niedrig, wenn die individuell bevorzugte Zahlungsart nicht angeboten wird. Wobei Kauf auf Rechnung die beliebteste Bezahlvariante darstellt.



Etailment.at: Ist Mobile nur ein Zubringer für andere Kanäle oder wird es sich als eigenständiger Shopping-Kanal behaupten können?



Hadzetovic: Mobile wird sich definitiv als eigener Shopping-Kanal durchsetzen. Einkaufen über mobile Endgeräte ist derzeit die am stärksten wachsende Form des Online-Einkaufs. M-Commerce ist aber auch für Produkt- und Preisvergleiche äußerst wichtig und kann ein ideales Medium zur Verbindung mit dem stationären Outlet darstellen. Daher sehe ich „Mobile” als einen multifunktionalen Kanal.



Etailment.at: Dank der rasanten technischen Entwicklung im Mobile-Bereich ist das Wachstumspotenzial für den M-Commerce enorm hoch. Worauf müssen sich Händler im Web in Zukunft einstellen?



Hadzetovic: Erfolg wird derjenige haben, der alle Bereiche des E-Commerce technisch optimal bespielt, wobei M-Commerce immer wichtiger wird, da die Wachstumsraten enorm sind.



Etailment.at: Ist eine eigene M-Commerce Strategie für kleinere Shops nicht zu aufwendig und zu teuer? Lohnt eine solche Investition für KMU überhaupt?



Hadzetovic: Wenn der Markt dies verlangt, muss man sich darauf einstellen oder bereit sein, Kunden zu verlieren. Es muss daher jeder für sich entscheiden, ob er dieses Wachstumssegment ignorieren will oder nicht. Die Anpassungskosten sind im Hinblick auf  ein sehr interessantes und rasch wachsendes Kundensegment sicher überschaubar.



Etailment.at: Für welche Branchen eignet sich Mobile Shopping, welche Kundenschicht spricht der Trend in erster Linie an?



Hadzetovic: Mobile-Shopping eignet sich für alle Branchen. Vorrangig aber sicher für Produkte im unteren Preissegment, da der Einkauf rasch und sicher vor sich gehen soll. Als Nutzer sind Digital Natives sicher die Vorreiter. Aber man darf nicht vergessen, dass gerade die ältere Generation heute oftmals über Tablets oder Smartphones ins Internet einsteigt. Daher betrifft dieser Trend jede Kundenschicht, unabhängig von Generation und Einkommen. Ergänzend muss man aber immer wieder darauf hinweisen, dass es nicht nur um Branchen geht, wo per M-Commerce tatsächlich eingekauft wird. Es geht auch darum, dass die mobilen Endgeräte für Produkt- und Preisvergleiche sehr oft herangezogen werden. Das heißt der Online-Shop muss technisch für alle Kanäle optimal aufgebaut sein, damit er auch für alle Bedürfnisse und schlussendlich für den Kaufabschluss, auf welcher Ebene auch immer (PC, M-Commerce oder stationäres Outlet), genutzt werden kann.



Etailment.at: Zum Thema Bezahlung: Mobil wollen die wenigsten ihre sensiblen Kontodaten eintippen, erstens aus Sicherheitsgründen, zweitens oftmals aufgrund von Usability-Defiziten. Wird sich auch Mobile die Kreditkarte als Zahlungsart durchsetzen?



Hadzetovic: Die meisten Zahlungen im mobilen Bereich erfolgen nicht mit der Kreditkarte, da viele Online-Shopper sich davor scheuen, in der Öffentlichkeit sensible Daten, wie seine Kreditkarten- bzw. Kontodaten, einzugeben. Zudem ist dies zum Beispiel am kleinen Smartphone-Bildschirm relativ unpraktisch. Letztlich ist – ob vom Desktop oder mobilen Gerät – die beliebteste Zahlungsart im Internet Kauf auf Rechnung. Denn dabei muss der Online-Shopper keinerlei sensible Daten im Netz eingeben und kann die Ware vor dem Bezahlen begutachten. Bietet der Shop-Betreiber die Zahlungsfunktion Kauf auf Rechnung über Klarna, hat er noch den Vorteil, dass Klarna das Bezahl- und Betrugsrisiko für ihn übernimmt. Er erhält also immer sein Geld.



Etailment.at: Worauf müssen Händler und Kunden in Hinblick auf Datenschutz und Sicherheit besonders achten? 



Hadzetovic: Der Moment des Bezahlens ist der kritischste Moment im Hinblick auf Sicherheit und Datenschutz beim Online-Kauf. Kunden achten immer mehr auf Sicherheit und geben ungern sensible Daten im Internet ein. Sie brechen auch ihren Einkauf ab, wenn sie ihre bevorzugte Zahlungsart nicht vorfinden. Online-Händler sollten daher ihren Kunden eine große Auswahl an Zahlungsarten anbieten, damit der Kunden diejenige auswählen kann, die er bevorzugt. Im Idealfall bietet der Händler seinem Kunden solche Zahlungsarten an, bei denen erst gar keine sensiblen Daten notwendig sind und gleichzeitig volle Sicherheit für beide Parteien bieten.



Etailment.at: Einer globalen IPSOS-Umfrage aus dem Jahr 2013 zufolge ist von einem M-Commerce-Boom vor allem in Ländern wie China und Indien zu sprechen, während Europa samt Österreich und Deutschland hinten nach hinkt. Wie lässt sich das erklären?



Hadzetovic: Ein Vergleich von Europa mit Indien und China ist schon aus infrastruktureller Hinsicht nicht zielführend. Auf Europa bezogen zeigen die Statistiken sehr positive Werte auf: Laut einer internationalen Studie zum M-Commerce von deals.com in Zusammenarbeit mit dem Centre for Retail Research (Feb 2014) gibt es derzeit rund 183 Millionen Smartphones in Europa – Tendenz steigend. Zudem soll sich der Umsatz des M-Commerce allein in Deutschland im Jahr 2014 von 3,1 Milliarden auf 6,6 Milliarden Euro (Smartphones: 4,1 Milliarden, Tablets: 2,5 Milliarden) verdoppeln. (Anm. d. Red.: Link zur Studie)



Etailment.at: Wie wird sich der M-Commerce in Österreich in den kommenden drei Jahren entwickeln?



Hadzetovic: Für Österreich weist eine weitere Statistik von MindTake Research/Several (2013) aus, dass bereits 22,8 Prozent über Smartphones einkaufen und 11,6 Prozent über Tablets  (Anm. d. Red.: Link zum Werbeplanung.at Bericht). Die Entwicklung zeigt steil nach oben und wir erwarten weitere, stark steigende Zuwachsraten im M-Commerce. Für Online-Shop Besitzer, die dieses enorme Potenzial nutzen wollen, hat also oberste Priorität: Alle Kanäle müssen spezifisch auf die neuen Anforderungen angepasst werden.



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