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Terry von Bibra, Alibaba: „Wir haben gesagt, nein, wir machen es anders“

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Terry von Bibra, Alibaba, bei seiner Keynote Speech am Handelsverband-Event „Future Commerce: #Gamechanger für den Handel“. (Foto: Redaktion)
Terry von Bibra, Alibaba, bei seiner Keynote Speech am Handelsverband-Event „Future Commerce: #Gamechanger für den Handel“. (Foto: Redaktion)

Heute lädt der Handelsverband zum Veranstaltungstag „Future Commerce: #Gamechanger für den Handel“. Keynote Speaker war Terry von Bibra von Alibaba, der für das chinesische Unternehmen die Geschicke in Europa lenkt.

In seinem Vortrag sagte von Bibra: „Das meiste, was Alibaba macht, wird nicht verstanden.“ etailment.at berichtet vor Ort vom Vortrag.



Am 21. Juni 2016 fand die Handelsverband-Veranstaltung „Future Commerce: #Gamechanger für den Handel“ im Conference Center des NH Hotel am Schwechater Flughafen statt. Nach einem kurzen Einführungsvortrag vom Handelsverband-Präsidenten Stephan Mayer-Heinisch betrat Terry von Bibra, Managing Director Alibaba Group Germany, Austria, Switzerland, Turkey and Eastern Europe, die Bühne. „Es geht nicht um Online, es geht nicht um Offline. Es geht darum, wie man seine Kunden am besten bedienen kann“, so von Bibra gleich zu Beginn. Viele Händler wollen mit Online ihre stagnierenden Umsätze im stationären Handel ausgleichen. Dies kann aber nicht den richtigen Ansatz darstellen. Technische Neuerungen werden heute schnell als für selbstverständlich genommen. Als Beispiel nannte von Bibra etwa kostenloses WiFi: „Innerhalb von 18 Monaten boten Hotels zuerst kein WiFi, dann kostenpflichtiges, letztendlich kostenloses WiFi im Zimmer an. Der Mensch gewöhnt sich sehr schnell an neue Möglichkeiten und nimmt diese als gegeben an.“



Kundenansprache nach chinesischen Bedürfnissen



Die Geschäftstätigkeiten von Alibaba werden von vielen Wirtschaftstreibenden in Europa noch nicht richtig oder unvollständig verstanden, wie es von Bibra zum Ausdruck brachte. Alibaba bietet die Infrastruktur für Unternehmen, die nicht nur in China, sondern weltweit ihre Waren an den Mensch bringen wollen. „Die meisten kennen uns eigentlich nur über unseren Börseneintritt oder unseren Gründer Jack Ma. Das meiste, was Alibaba macht, wird nicht verstanden. Ich wusste selber nicht, was Alibaba macht, bevor ich bei der Firma angefangen habe“, gab von Bibra zu. „Alibaba ist ein komplexes Unternehmen, jeden Tag kommen neue Bereiche hinzu. Wir sind extremst vielfältig.“



Über die Partnernetzwerke von Alibaba werden täglich 30 Millionen Pakete verschickt. Anders als bei Amazon ist es nicht der Anspruch von Alibaba, eigene Logistikhallen zu besitzen, „wir lagern hier lieber aus“, so von Bibra. „Unsere Idee ist es, mit Partnern diese Infrastruktur zu stellen. Unsere Anfangsidee ist noch immer unser Leuchtturm: Wie kann ich die Welt einfacher gestalten, um überall auf der Welt Geschäfte zu machen“, so von Bibra. „Wir wollten es für chinesische Händler möglich machen, am globalen Handel teilhaben zu können.“



„Wir machen es anders“



Derzeit werden 73 Prozent der Umsätze der Alibaba Gruppe über mobile Geräte erwirtschaftet. von Bibra brachte es auf den Punkt: „Wir haben den Umstieg auf Mobile First geschafft.“ Die Menschen am chinesischen Markt stellen dabei ihre eigenen Anforderungen, die oftmals von europäischen Playern aber nicht verstanden werden, wie von Bibra den Anwesenden zu erklären versuchte: „Was Alibaba erfolgreich gemacht hat, war, den chinesischen Kunden mit seinen Ansprüchen zu erreichen.“ Am Anfang wurde Alibaba geraten, es so wie die großen U.S.-amerikanischen Konzerne zu machen. „Wir haben gesagt, nein, wir machen es anders.“ Demnach wurde versucht, diese Zielgruppe nach ihren eigenen Ansprüchen anzusprechen.



Alibaba profitiert sehr stark von den gesellschaftlichen Veränderungen in China. Die chinesische Mittelschicht wächst stark an, Konsumenten kaufen sich damit oft Qualitätsprodukte aus Europa. Babypulver aus Europa ist bei Weitem das Top-Produkt auf TMall.com, wie von Bibra verkündete. Mit dem jährlichen Single’s Day veranstaltetet Alibaba darüber hinaus das größte Verkaufs-Event der Unternehmensgruppe, ähnlich dem Amazon Prime Day. Am Single’s Day kommt es oftmals zu 140.000 Bestellungen in der Sekunde. Viele Paare bleiben über die Nacht auf, um sich beim Shoppen abzuwechseln, wie von Bibra erzählte: „Oftmals sind Angebote nur zehn Minuten online.“



„E-Commerce ist in China das Hauptgericht“



Wieso ist China so entscheidend für die Zukunft des Handels? „China ist ein produzierendes Land, kein konsumierendes Land. Dies ändert sich nun. Darüber hinaus ist noch eine Menge an Spielraum für Wachstum vorhanden“, so von Bibra. Kunden aus China bestellen dabei auch gerne aus Europa, den Grund dafür nannte von Bibra: „Kunden in China verbinden mit Europa Qualität.“ Nur die Hälfte der Chinesen ist derzeit online. 600 Millionen Chinesen können laut von Bibra noch nicht erreicht werden. In Europa findet der Handel noch immer am stärksten im stationären Handel statt. „Aber E-Commerce ist in China bereits das Hauptgericht.“ Einkaufsstraßen konnten sich in China nicht so richtig entwickeln, wie von Bibra berichtete. Der E-Commerce hingegen hat es in China bereits in den Mainstream geschafft. „Wir haben versucht, Tausende von Dörfern in China an den Onlinehandel anzuschließen, die noch nicht daran beteiligt sind.“ So wurden Computer in Läden installiert, damit Kunden kommen und Produkte für den täglichen Bedarf bestellen können. Gleichzeitig wurde es für Händler aus Dörfern möglich, ihre Produkte nun über das Netz verkaufen. Und das in der ganzen Welt.



Fälschungen sind „für uns eine Katastrophe“



Als größte Herausforderung im Cross-Border-Handel empfindet von Bibra die Zollbestimmungen in beide Richtungen: „Die Logistik ist unheimlich leistungsfähig, aber Zollbestimmungen sind unglaublich komplex und erfordern oftmals eine sehr schnelle Anpassungsfähigkeit.“ Gefragt, welche Rolle der österreichische und europäische Markt für Alibaba spielen, sagte von Bibra: „Mir ist es lieber, wenn viele österreichischen Händler über Alibaba verkaufen. Das würde mein Herz höher schlagen lassen. Gründer Jack Ma hat den europäischen Markt als derzeit wichtigsten Markt genannt.“ Ziel sei es, in Österreich mit großen Firmen zusammenarbeiten, ebenso aber auch mit KMU. Die österreichischen Konsumenten spielen eher eine geringe Rolle für das Unternehmen. Alibaba beginnt derzeit, sich auch mit dem osteuropäischen Markt auseinanderzusetzen. Für die Türkei verfolgt man das Ziel, E-Commerce für kleine Händler zu ermöglichen: „Wir möchten helfen, E-Commerce in der Türkei zu integrieren. Dies ist für uns spannend und eine große Aufgabe.“



Fälschungen nennt von Bibra ein prinzipielles Problem des Onlinehandels: „Für uns vor allem dahingehend, weil Kunden in China Qualität kaufen wollen. Das ist für uns eine Katastrophe und ein Problem, das nicht von heute auf morgen zu lösen ist.“



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