: „Unser Konzept bietet eine Chance gegen In...
 

„Unser Konzept bietet eine Chance gegen Internetgiganten wie Amazon“

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Dieter Kindl, Geschäftsführer Rakuten Österreich. (Foto: Yield Public Relations)
Dieter Kindl, Geschäftsführer Rakuten Österreich. (Foto: Yield Public Relations)

Dieter Kindl ist CEO von Rakuten Österreich und einer der Teilnehmer der etailment WIEN Konferenz, die vom 23. bis 25. Februar 2015 im Austria Trend Hotel Savoyen in Wien stattfinden wird. Gemeinsam mit anderen Experten wird er beim Panel “Die Qual der Wahl – Welches Shopsystem passt zu dir?” diskutieren. Vorab erklärt Kindl, inwiefern sich die Philosophie von Rakuten von anderen Unternehmen unterscheidet, wie kleine und mittlere Unternehmen durch Rakuten profitieren können und wie die Ziele für das nächste Jahr aussehen.

etailment.at: Rakuten Gründer Hiroshi Mikitani hat das hochgesteckte Ziel ausgegeben, innerhalb weniger Jahre Amazon zu überholen. Wie realistisch ist dieses Ziel und inwiefern sehen Sie Unterschiede zwischen Rakuten und Amazon?



Dieter Kindl: Diese Aussage muss auf jeden Fall relativiert werden. Hiroshi Mikitani weiß ganz genau, wie man als Unternehmen in den Medien Gehör findet. Es ist natürlich ein sehr hohes Ziel, zeigt aber auch gleichzeitig die Mentalität. Lieber hoch gesteckte Ziele zu 90 Prozent erreichen, als niedrig angesetzte Ziele vollständig zu realisieren. Was Rakuten von Amazon unterscheidet, ist meines Erachtens der partnerschaftliche Ansatz, gerade in der Händlerbetreuung. Wir sehen den Händler nicht als Handlanger zur Erweiterung unseres eigenen Portfolios, sondern als Partner, mit dem wir gemeinsam Geschäfte machen. Wir stellen beispielsweise die Infrastruktur und Services für den Händler zur Verfügung, sowie kostenlosen Zugang zu unserem Know-how. Es kommt praktisch zu einem Zusammenspiel zwischen Rakuten und den Händlern. Natürlich hat Amazon ein gutes System, aber Rakuten einen ganz anderen Ansatz, der auf Partnerschaft einen größeren Wert legt.



etailment.at: Inwiefern werden Händler beraten, wenn diese mit Fragen an Rakuten herantreten?



Dieter Kindl: Der Händler bekommt von uns über die gesamte Zeit der Zusammenarbeit einen Betreuer, den sogenannten E-Commerce Consultant, zur Seite gestellt. Dieser hilft dem Händler mit Verbesserungsvorschlägen, damit der Händler seinen Umsatz steigern kann. Mit 39 Euro haben wir eine sehr geringe Fixgebühr pro Monat, mit der wir unsere externen Fixkosten decken. Ansonsten profitieren wir von den Verkäufen der Händler auf Rakuten.



etailment.at: Richard Lugner ist das Testimonial Ihrer neuesten Kampagne, eine Person die durchaus auch polarisiert. Wieso haben Sie sich gerade für ihn entschieden?



Dieter Kindl: Dies hat mehrere Gründe. Richard Lugner ist die lauteste Stimme für die Liberalisierung des österreichischen Handels, etwa wenn es um die Öffnungszeiten an Sonntagen geht. Rakuten steht ebenfalls für den freien Markt. Gleichzeitig wollen wir auch zeigen, dass wir zwar ein Onlinemarktplatz sind, aber nicht den stationären Handel vergessen. Viele unserer Händler wechseln vom stationären in den Onlinehandel. Die Bekanntheit von Herrn Lugner sollte sich natürlich auch positiv auf die Wahrnehmung der Werbung auswirken. Wir sind nicht so sichtbar wie Amazon, weil dies, wie vorher bereits angeführt, auch gar nicht unser Konzept ist. Trotzdem wollten wir mit der Werbung den Traffic auch verstärkt auf die Plattform selbst lenken. Dies ist von den Händlern extrem positiv angenommen worden. Vorher waren wir am Kern der Kaufentscheidung sichtbar. Durch die Werbekampagne hat sich unsere Bekanntheit auch in der Allgemeinheit erhöht. Das hat uns vor allem im B2B-Bereich sehr viel gebracht.



etailment.at: Welche Zwischenbilanz können Sie zum jetzigen Zeitpunkt ziehen?



Dieter Kindl: Die internen Ziele wurden bereits erfüllt, wir sind weit vor dem Plan. In Österreich sind die Händler jedoch skeptischer als etwa in Deutschland. Das Argument der Sichtbarkeit wurde hierzulande oftmals geäußert. Doch man muss nicht uns als Unternehmen sehen, der Händler muss gefunden werden. Ebenso kommen weit mehr als 80 Prozent der Umsätze aus dem Ausland. Die österreichischen Händler auf Rakuten machen also mehr Umsatz außerhalb Österreichs als im Land selber. Trotzdem stehen durch die Werbekampagne nun viele Händler Rakuten positiver gegenüber, da wir nun verstärkt in der Öffentlichkeit sichtbar sind.



etailment.at: Wieso ist Rakuten gerade in den österreichischen Markt eingestiegen?



Dieter Kindl: Wir sehen hier sehr viel Potenzial im Markt, da der österreichische Endkunde zwar schon sehr viel im Internet umsetzt, der Handel jedoch weit hinterherhinkt. Der österreichische Endkunde erwirbt doppelt so viel wie der österreichische Handel im Internet umsetzt. Deshalb ist es unser Ziel, den Händler zu empowern und ihm zu helfen, das Potenzial abzuschöpfen. In Österreich gibt es eine starke KMU-Struktur – der Ansatz von Rakuten liegt ursprünglich hier. Unser Konzept bietet eine Chance gegen Internetgiganten wie Amazon.



etailment.at: Welchen Unterschied sehen Sie zwischen dem österreichischen Markt und dem jenem in Asien, wo Rakuten als japanisches Unternehmen stark agiert?



Dieter Kindl: Am asiatischen Markt erfolgt eine viel stärkere mobile Durchdringung. Dort ist unser Ökosystem ebenfalls voll ausgebaut. In Japan nimmt man Rakuten nicht nur als E-Commerce-Player wahr, sondern zum Beispiel auch als Online-Travel- oder Financial Service. Das sind die größten Unterschiede. Beim Nutzerverhalten ist Rakuten in Japan vergleichbar wie Amazon in Österreich, da sich die Konsumenten auf das jeweilige System eingestellt haben. In Japan gibt es etwa Longpages, also einen strukturierten Aufbau der Produktdetailseite. Auf diesen muss der Kunde sehr lange scrollen, um zum Kauf-Button zu gelangen. Dies scheint vollkommen undenkbar für europäische Verhältnisse. Eine eins-zu-eins Kopie der japanischen Longpages würde hierzulande nicht funktionieren. Rakuten hat zwar das Know-how, muss dieses aber individuell auf den jeweiligen lokalen Markt anwenden.



etailment.at: Stichwort Mobile Shopping. Wie sehen die Zahlen bei Rakuten Österreich über mobile Endgeräte aus?



Dieter Kindl: Über Smartphone und Tablet zusammen laufen bereits mehr als 30 Prozent der mobilen Einkäufe, obwohl wir hier noch viel Potenzial sehen. Ich denke, dass der Markt sehr stark hinterher hinkt. Viele Entscheidungsträger machen den Fehler, Conversion Rates von Mobile und Online miteinander zu vergleichen, obwohl die Entwicklung im Mobile-Bereich viel weiter zurückliegt. Wir sollten unsere Entscheidungen nicht auf den Ist-Zustand legen, sondern die Trends beachten und dementsprechend die Ressourcen auf die Zukunft ausrichten. Man muss sich ansehen, wie der Traffic verteilt ist. Schon deswegen sollte man 50 Prozent der Entwicklung auf Mobile setzen.



etailment.at: Ist das Shopsystem von Rakuten auch dementsprechend aufgebaut?



Dieter Kindl: Jeder Shop bekommt von uns eine mobil optimierte Seite, die automatisch im Template enthalten ist. Unternehmen können so über alle Kanäle hinweg aktiv sein. Hier schließt sich auch der Kreis zur etailment WIEN Konferenz nächstes Jahr. Wir reden seit Jahren schon von Multichannel, aber wirklich gelebt und umgesetzt wird dieser noch nicht bei allen Händlern. Ich warte auf den ersten Händler, der den Mut besitzt, Mobile Only zu machen oder die Devise Mobile First wirklich lebt.



etailment.at: Können Sie für unsere Leser in ein paar Sätzen erklären, was Rakuten-Superpunkte sind und wie diese am besten eingetauscht werden können?



Dieter Kindl: In Österreich erwirbt der Kunde in unserem Ökosystem, egal bei welchem Händler er kauft, Superpunkte, welche er händlerübergreifend einlösen kann. Jeder Konsument hat mehrere Kundenkarten in der Geldbörse – bei Rakuten gibt es eine Karte, die für alle Händler gilt. So wird ein Treuepunkte- und Loyalitätsprogramm geschaffen. In Zukunft wird dies in Österreich nicht nur über Marktplätze gehen, sondern über alle Services, die Rakuten anbietet.



etailment.at: Sind bei den Online-Käufern auf Rakuten regionale Unterschiede nach städtischen und ländlichen Gebieten bemerkbar?



Dieter Kindl: Pauschal gesagt ist diese überregionale Einkaufsmöglichkeit gerade in ländlichen Gebieten, wo das Angebot geringer ist, interessant und dementsprechend wird auch mehr umgesetzt. Auf der anderen Seite ist die Offenheit für E-Commerce in den Städten größer. Beides gleicht sich also aus.



etailment.at: Der Christmas Sale bei Rakuten läuft noch bis 16. Dezember 2014. Welches Kaufverhalten können Sie in dieser Zeit feststellen?



Dieter Kindl: Natürlich sind die Geschenkeklassiker auf der Kundenseite stärker vertreten. Es werden sehr viele Elektronik- und Spielwaren gekauft, prinzipiell kommt es erwartungsgemäß zu einer Steigerung des Umsatzes.



etailment.at: Vom 23. bis 25. Februar 2015 findet die etailment WIEN Konferenz im Austria Trend Hotel statt. Sie sind einer der Teilnehmer beim Panel “Die Qual der Wahl – Welches Shopsystem passt zu dir?” am Conference Day. Mit welchen Erwartungen nehmen Sie an der Konferenz teil?



Dieter Kindl: Ich denke, dass Bernd Platzer, der Mastermind der Konferenz, durch Gespräche mit Verantwortlichen im Vorfeld sehr viel Know-how in dieses Event gelegt hat, um die heißen Themen im E-Commerce auf der Konferenz zu präsentieren. Es wird ein toller Mix aller aktuellen und spannenden Themen geboten. Bei vielen Konferenzen vermisse ich oft die Qualität der Vorträge. Auf der etailment WIEN Konferenz sind einerseits aktuelle Themen und Sprecher vertreten. Andererseits wird Wissen vermittelt, das On-the-job und praxisnah ist. Ich halte die Themenschwerpunkte sowie die Workshops für gut gewählt. Ich erwarte mir ein volles Haus, sehr viel Interaktion und spannende Vorträge.



etailment.at: Eine abschließende Frage: Welche Ziele hat sich Rakuten für das Jahr 2015 gesetzt?



Dieter Kindl: Händlerseitig haben wir das Ziel, weiter KMU anzubinden und zu empowern. Wir möchten für die Händler auch den Cross-Border-Trade pushen, den grenzüberschreitenden Verkauf. Dieser funktioniert derzeit stark über Deutschland und soll in anderen Ländern wie Spanien, Frankreich und Großbritannien noch aktiver werden. Kundenseitig wollen wir weiter an Bekanntheit und Vertrauen zulegen sowie für die Rakuten-Händler weiter eine interessante Kundenschicht aufzubauen.



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