Versandhandel: Wirtschaftsforscher für Rückse...
 
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Wirtschaftsforscher für Rücksende-Gebühr

W. Streitfelder / Österreichische Post

Ein Sechstel aller online bestellten Pakete wird zurückgeschickt. Forscher der Universität Bamberg sehen kostenpflichtige Retouren als Bremse für diesen Trend.

Rund 70 Milliarden Euro macht der E-Commerce in Deutschland aktuell an Umsätzen. Damit zusammen hängt eine regelrechte Paketflut: Über 2,9 Milliarden Artikel wurden im vergangenen Jahr verschickt - und ein Sechstel davon retourniert. Besonders im Mode-Bereich ist die Rücksendequote mit rund 40 Prozent besonders hoch. Björn Asdecker, Studienleiter Wirtschaftswissenschaften der Universität Bamberg, hält daher einen Unkostenbeitrag für Retourware für notwendig: "Schon eine Rücksendegebühr von rund drei Euro könnte die Zahl der Retouren um 16 Prozent senken, erwarten die befragten Online-Händler in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Bei 490 Millionen zurückgeschickten Artikeln im vergangenen Jahr entspräche das etwa 80 Millionen Retouren weniger. Das würde dem Klima fast 40.000 Tonnen CO2 ersparen."

Für den Handel hätte die Gebühr einen erheblichen Vorteil, denn die durch Rücksendung entstehenden Kosten müssten nicht mehr auf den Gesamtpreis der Waren umgemünzt werden. Folge einer kostenpflichtigen Retour wären somit günstigere Preise in den Onlineshops. "Die befragten Händler stehen für 5,5 Milliarden Euro Online-Umsatz. Nur 15 Prozent von ihnen erheben Rücksendegebühren, vor allem kleinere Händler. Sie berichteten von einem minimalen Umsatzrückgang, aber wegen niedrigerer Kosten eher positiven Folgen beim Gewinn. Auch beim Marktführer Amazon gibt es bei einem Teil des Sortiments keine kostenlose Retouren", erklärt Asdecker. Ihm ist jedoch bewusst, dass kostenlose Rücksendungen für viele Kunden ein Kaufgrund sind. Daher müsse die Gebühr gesetzlich verankert werden, um einen fairen Wettbewerb weiterhin zu garantieren.

Doch nicht nur eine Hemmschwelle durch Kosten, auch Datenreinheit könnte die Anzahl an Rücksendungen signifikant verringern. Ein Viertel aller Retouren könnte laut dem Forscher durch verbindliche Größenangaben und eine einheitliche Größenberatung im Onlinebereich vermieden werden. Hier könnte eine technologische Lösung helfen, etwa die Größenvermessung durch Handykameras oder Datenanalyse durch KI.
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