Quality Austria: Wie steht es um den CO2-Fußa...
 
Quality Austria

Wie steht es um den CO2-Fußabdruck?

Georges Schneider
V.l.: Brunhard Kehl (Leitung Lebensmittelqualität und Verpackung, Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller), Hanni Rützler (Gründerin und Geschäftsführerin, futurefoodstudio), Wolfgang Holzer (Abteilung Abfallvermeidung, -verwertung und -beurteilung, Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus), Wolfgang Leger-Hillebrand (Branchenmanager Lebensmittelsicherheit, Quality Austria) © Georges Schneider
V.l.: Brunhard Kehl (Leitung Lebensmittelqualität und Verpackung, Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller), Hanni Rützler (Gründerin und Geschäftsführerin, futurefoodstudio), Wolfgang Holzer (Abteilung Abfallvermeidung, -verwertung und -beurteilung, Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus), Wolfgang Leger-Hillebrand (Branchenmanager Lebensmittelsicherheit, Quality Austria) © Georges Schneider

Am 18. September 2019 hat im Wiener Ares Tower das 11. „qualityaustria Lebensmittelforum“ stattgefunden, und es ging um Zukunftsthemen der Branche, wie etwa nachhaltige Verpackungen und Lebensmittelsicherheit.

Das Verpacken von Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln ist seit Längerem ein Thema in der Lebensmittel(handels)branche und wurde, wie cash.at immer wieder berichtet hat, teils heftig diskutiert. Das Forum hat bezüglich dieses Themas vergangene Woche ein differenziertes Bild gezeichnet und konnte mit einer durchaus überraschenden Aussage aufwarten: Verpackte Lebensmittel haben oft einen besseren CO2-Fußabdruck als unverpackte, und Berechnungen zeigen, dass lediglich 1,3 Prozent des ökologischen Fußabdrucks, den man hinterlässt, vom Verpackungsmaterial stammt. Voraussetzung dafür sei, so war der Tenor, dass man die (Plastik-)Verpackungen sinnvoll einsetzt. Hersteller haben allerdings einen wirkungsvollen Hebel an der Hand, wenn sie sich umstellen: Denn Biokunststoffe dürften in Zukunft eine größere Rolle spielen als derzeit – sie sind nämlich noch teurer als mineralölbasierte. Außerdem macht das Recyceln erst bei größeren Mengen Sinn.

„Durch eine Verpackungsumstellung kann die Mindesthaltbarkeit von einem Stück Beiried von sechs auf 16 Tage verlängert und der Lebensmittelabfall von 34 auf 18 Prozent gesenkt werden“, erklärte Wolfgang Leger-Hillebrand, Branchenmanager für Lebensmittelsicherheit bei der Quality Austria, fügt aber sogleich hinzu, dass er von der Forderung von einem völligen Verpackungsverzicht wenig hält, weil dadurch noch mehr Nahrungsmittel verderben würden als bisher: „Ein Drittel aller produzierten Nahrungsmittel landet im Müll. Alleine in Europa sind es 100 Millionen Tonnen pro Jahr.“ Und was in diesem Zusammenhang die erwähnten Biokunststoffe als Verpackungsmaterial angeht, so sind sie „in Hinblick auf die endliche Ressource Erdöl und den Klimawandel eine Option, die man sorgfältig prüfen sollte“, erläuterte Brunhard Kehl, Leiter Lebensmittelqualität und Verpackung bei der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) in Deutschland.

Im Großen und Ganzen war man sich durchaus einig, dass an einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft kein Weg vorbeiführt. Robert Zniva, Forscher und Lektor an der Fachhochschule Salzburg und der Wirtschaftsuniversität Wien, ist sogar bezüglich des stationären Handels sehr optimistisch, wenn man die Sorgen des im Lebensmitteleinzelhandel bezüglich des Onlinehandels betrachtet: „Die Last-Mile-Problematik bei der Zustellung kann derzeit nicht effizient und kostengünstig gelöst werden. Zudem wird oft verdrängt, dass der stationäre Handel in Österreich historisch gewachsen und die Struktur effizient und kundenfreundlich ist“, erklärte der Experte. Der (stationäre) Handel wird also weiterhin der Seismograph der Gesellschaft und ihrer Bedürfnisse sein.
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