A-Commerce: Stephan Grad: Da geht noch mehr
 
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Stephan Grad: Da geht noch mehr

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Stephan Grad, Geschäftsführer von A-Commerce: "Wer ein Rezept anbietet, kann die Zutaten verkaufen."
Stephan Grad, Geschäftsführer von A-Commerce: "Wer ein Rezept anbietet, kann die Zutaten verkaufen."

Im Vergleich zum Non-Food-Handel hinkt der LEH beim E-Commerce hinterher. Weshalb das so ist, was sich ändern muss und bei wem sich die Onlineshops etwas abschauen können, erklärt A-Commerce-Geschäftsführer Stephan Grad im CASH-Gespräch.

CASH: Herr Grad, 20 Prozent des Einzelhandelsumsatzes wird mittlerweile durch den Distanzhandel generiert, im LEH sind es allerdings nur zwei Prozent. Woran liegt das?
Stephan Grad: Dieser Unterschied liegt einfach darin, dass das Thema Lebensmittel sehr komplex ist. Die Frischwaren müssen gemäß der aktuellen Lebensmittelverordnung durchgehend gekühlt werden. Dies ist sehr aufwendig, gerade an heißen Sommertagen. Weiters spielt das Gewicht in der Zustellung eine große Rolle und dies spiegelt sich in den Prozesskosten wider. Aber es ist ja nicht so, dass die Marktteilnehmer untätig wären – Unimarkt liefert seit 2015 und Rewe International sowie Spar haben massiv in diesen Bereich investiert. Durch Corona ist das Bewusstsein der Kunden gestiegen, welche Vorteile es hat, online seine Lebensmittel zu bestellen.

Durch den Lockdown gab es viele Neukunden. Wie viele davon werden Bestandskunden bleiben?
Sofern der Erstkunde ein angenehmes Einkaufserlebnis hatte, kann man guten Gewissens von einer 20- bis 30-prozentigen Konvertierung zu Stammkunden sprechen. Viel mehr werden es im Normalfall kaum sein, weil man doch zu seinem alten Einkaufsverhalten zurückkehrt. Und es wird für Firmen, die ihre Mitarbeiter verpflegen und dafür online Produkte bestellen, ein großes Thema sein.

Die Handelsketten sind ja bald nicht mehr die einzigen Lieferanten von Lebensmitteln – gurkerl.at startet demnächst und Mjam liefert bereits Produkte der Merkur-Shops von OMV-Tankstellen. Wie wird diese digitale Konkurrenz den Markt beeinflussen?
Neue Player im Markt helfen immer dem Kunden – das war auch in der Telekommunikationsbranche so. Daher wird vor allem gurkerl.at den Food-Commerce-Bereich in Österreich stark aufrütteln. Doch auch die Rewe-Gruppe hat ihre Angebote in den vergangenen Jahren spürbar verbessert und die Prozesse optimiert. Regionale Anbieter wie MPreis in Tirol oder Unimarkt zeigen ebenfalls, dass Kundennähe auch im digitalen Umfeld essenziell ist, um aus den Anforderungen zu lernen. Dennoch muss für alle Anbieter der Fokus klar auf einer gesamten Lieferabdeckung von ganz Österreich liegen. Alternativ kann man sich auch im benachbarten Ausland sehr spannende Ideen ansehen und daraus lernen. Gut kopiert ist immer noch besser als schlecht erfunden.

Das gesamte Interview zum Nachlesen gibt's im E-Paper.

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