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Gerhard Günther: "Bewusstsein lässt sich nicht mehr wegdenken"

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Gerhard Günther: "Die jungen Landwirte trauen sich einfach mehr."
Gerhard Günther: "Die jungen Landwirte trauen sich einfach mehr."

AbHof bietet den Direktvermarktern des Landes ein Netzwerk, eine Vertriebsplattform und vielseitige Software-Lösungen für den Onlineauftritt und E-Commerce. Gründer und Geschäftsführer Gerhard Günther fasst die Auswirkungen von Corona auf die vielschichtige Branche zusammen.

CASH: Herr Günther, das Image der Direktvermarkter hat sich in den vergangenen Monaten positiv entwickelt – was waren hierbei die wichtigsten Faktoren?
Gerhard Günther: Wenn man etwas Positives aus der Krise mitnehmen möchte, dann ist es das gesteigerte Bewusstsein für Regionalität und Qualität bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Es gab einen regelrechten Boost bei der Nachfrage an Direktvermarkter, wobei sie immer stärker auf ökologische Nachhaltigkeit achten, also darauf, woher die Produkte stammen, sprich eine regionale Produktion, eine ökologische Erzeugung, Saisonalität und Qualität, auf kürzere Transport- und Lieferwege und wenig Verpackung sowie nachhaltige wiederverwertbare Verpackung. Den Leuten wird eben immer mehr bewusst, wie die Lieferketten im LEH aussehen, wo oft keine Transparenz hinsichtlich Herkunft und Herstellung gegeben ist. Dadurch entstand der Wunsch nach Lebensmittelvielfalt und mehr Mut zum Einkauf bei regionalen Spezialisten, weg vom allgemeinen Einheitsbrei im Supermarkt. Ein Plus von 23 Prozent im Jahr 2020 ist eine enorme Entwicklung. Das hatte einen Schneeballeffekt zur Folge, wir haben mehr Leute erreicht, die uns wiederum ihre liebsten Produzenten empfohlen haben. Den größten Sprung in der Nachfrage gab es im ersten Lockdown, das Interesse ist aber auch danach nicht drastisch gesunken, sondern hat sich auf einem wesentlich höheren Niveau als zuvor eingependelt. Das Bewusstsein lässt sich nicht mehr wegdenken.

Was können die Direktvermarkter denn besser als große Händler oder Hersteller?
Definitiv auf Kundenwünsche eingehen, da man permanent im direkten Austausch mit den Kunden steht, Feedback aufnehmen und in die Produktion einfließen lassen. Sich auf Qualität und nicht Quantität fokussieren. Auch das Nachhaltigkeitsdenken ist ein ganz anderes und fokussiert auf ein nachhaltiges Wirtschaften mit Bedacht auch an nächste Generationen, Stichwort ökologischer Fußabdruck. Die kurzen Lieferketten haben außerdem den Vorteil, dass die Direktvermarkter machen können, worin sie gut sind. Das sorgt für Vielfalt und Ideenreichtum, außerdem landet das Geld beim Einkauf dort, wo die Ware entstanden ist. Dafür kann das Fleisch zum Beispiel auch nicht zwei Euro pro Kilo kosten, das muss aber erst in die Köpfe vieler Menschen rein.

Wie sehen die Ambitionen der Kleinproduzenten aus – wollen sie zu großen Markennamen werden oder sind sie in ihrer Nische zufrieden?
Das ist sehr unterschiedlich. Viele Partnerbetriebe von AbHof haben eine Wachstumsstrategie, um von regionalen zu überregionalen Anbietern zu werden und schließlich auch auf internationalen Märkten einzutreten. Der Weinsektor ist hierbei ein Vorreiter. Es gibt aber genauso Produzenten, die sich auf ihre Kernprodukte konzentrieren und keine Expansion anstreben. Generell ändert sich die Landwirtschaft von der Altersstruktur her gerade und die jungen Landwirte trauen sich einfach mehr, besonders im digitalen Bereich.

Das komplette Interview finden Sie in der Juli/August-Ausgabe von CASH.

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