ECR Austria: Alfred Schrott: Gemeinsam viel e...
 
ECR Austria

Alfred Schrott: Gemeinsam viel erreichen

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Alfred Schrott (Foto: Markus Wache)
Alfred Schrott (Foto: Markus Wache)

Dafür ist die ECR-Initiative erfunden worden. Die österreichische erbringt im Europavergleich Spitzenleistungen. Dass das als Co-Chairman besonders Spaß macht, ist klar. Speziall dann, wenn man als dieser nun ein 10-Jahres-Jubiläum feiert – wie Manner-Vorstandsdirektor Alfred Schrott.

CASH: Herr Schrott, Sie sind seit 2008 durchgängig Co-Chairman für die Industrie, kürzlich wurden Sie für zwei weitere Jahre einstimmig bestätigt. Diese Funktion kann man sich ja nicht kaufen – wie fühlt sich dieses Vertrauensvotum für Sie an?
Alfred Schrott (lacht): Sehr gut! Darüber freue ich mich natürlich sehr. Durch diese lange Zeit habe ich zu den meisten ECR-Kollegen auch schon einen persönlichen Zugang, das ist sehr schön. So macht das Arbeiten auch wirklich Spaß!

Während Sie als Co-Chairman Industrie nun ihr zehnjähriges Jubiläum feiern, schaut es auf Handelsseite ganz anders aus.
Ich hatte vier Co-Chairmen, die alle sehr verschieden waren. Und ich kann sagen, dass ich von jedem Einzelnen persönlich etwas lernen konnte. Es war auch so, dass jeder von ihnen in sehr unterschiedlichen Phasen der ECR-Initiative tätig war. Das heißt, jeder hat unterschiedliche Dinge eingebracht, hat unterschiedliche Blickwinkel auf die jeweiligen Themen gehabt und wir haben – vielleicht gerade wegen dieser unterschiedlichen Herangehensweisen – gemeinsam doch vieles erreicht.

Seit der Gründung von ECR Austria steht ja eines unverändert auf der Agenda: Dass nämlich alle Geschäftspartner in einer offenen und vertrauensvollen Atmosphäre zusammenarbeiten. Geht das überhaupt noch, wo doch die Augen und Ohren der Wettbewerbsbehörde quasi überall sind?
Das steht noch immer auf der Agenda. Was sich verändert hat ist, dass wir alle die Spielregeln sehr genau kennen. Das heißt, dass wir ganz klar die Themen ausgrenzen, die diesen Spielregeln nicht entsprechen.

Das heißt, es wird nicht etwa über heikle preispolitische ­Aspekte gesprochen.
Genau. Sie müssen ja auch eines bedenken: Obwohl wir uns um eine positive Weiterentwicklung in der Zusammenarbeit zwischen Handel und Industrie bemühen, kann ECR ja nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir beispielsweise in jeder Arbeitsgruppe mit unseren Mitbewerbern sitzen. Da regelt sich einiges von selbst.

Das mit den Arbeitsgruppen ist ja immer so eine Sache. Kommt dabei auch wirklich etwas heraus?
Es gibt viele Beispiele dafür. Eines hat sich aber jedenfalls im Laufe der Jahre geändert. Wir nehmen uns nur die Themen gemeinsam vor, von denen wir glauben, dass wir in ein, eineinhalb Jahren eine Lösung gefunden haben, beispielsweise dafür, wie man die Effizienz in der Zusammenarbeit noch weiter verbessern kann.
Verliert man da nicht das eine oder andere Thema? Manche sind halt eben zäh.
Die Branche ist schnelllebig geworden und die Zeitressourcen jedes einzelnen ECR-Beteiligten sind äußerst knapp. Wenn sich ein Thema über drei, vier Jahre hinzieht, macht keiner mehr mit.

Sie sagen es: Die Branche ist schnelllebig und auch sehr veränderungswillig, um Trends und Entwicklungen nicht zu verschlafen. Im Vergleich zu früher: Was sind heute die großen Themen?
In den 90er-Jahren war man ständig auf der Suche nach mehr Effizienz in der Logistik und nach Prozessoptimierungen im Category Management. Heute stehen Omnichanneling, Digitalisierung, Smart Packaging am Programm. Oder etwa Themen wie die Vermeidung von Lebensmittelabfällen, wie man mit Sozialmärkten zusammenarbeitet usw.

Die so oft zitierte Win-win-win-Situation – welche Relevanz hat sie noch?
Eine sehr große, wobei es bei einigen Themen gar nicht mehr um die Relevanz für das einzelne Win – also Handel, Industrie und Konsument – geht, sondern deutlich darüber hinausgeht: Es sind gesellschaftliche Herausforderungen und Anliegen, die uns alle beschäftigen, wie etwa die Vermeidung von Lebensmittelabfällen.

Im Augenblick gibt es ja gerade viel beachtete Pläne der EU-Kommission, die den Handel und die Industrie vor große Herausforderungen stellen. Eingefordert werden faire Geschäftspraktiken der Händler, Einkaufsallianzen stehen auf dem Prüfstand, für bestimmte Produkte soll ein Plastikverbot umgesetzt werden. Und über alledem schwebt das Dauerthema Ernährung sowie der Plan, die Herkunft von Inhaltsstoffen viel genauer am Etikett zu deklarieren. Wie geht ECR mit dieser geballten Ladung aus Brüssel und Österreich um?

Nicht alles, was da im Raum schwebt, ist ein Thema für ECR. Die Ernährung ist jedoch eines, so wie etwa die Versuche, mit Farbleitsystemen und bunten Punkten den Konsumenten gesunde oder ungesunde Produkte vor Augen zu führen. Aus meiner Sicht ist das die totale Verwirrung für die Konsumenten, und gerade bei Ernährung sollte wirklich nichts radikalisiert werden.

Ein ganz anderes Thema ist die Kennzeichnung von Ingredienzien, die ein Produkt ausmachen und die in Summe dann die Herkunft eines Produkts bestimmen. Österreich will da über EU-Standards hinaus Vorschriften erteilen. Das könnte im schlimmsten Fall bedeuten, dass Österreich nicht mehr als Herkunftsland genannt werden darf, wenn das Produkt zum Beispiel Kakao enthält. Das würde Manner ja stark treffen. Wie sehen Sie das?
Mit diesem Golden Plating würde man einen großen Schaden anrichten, weil sich so manches Unternehmen fragen könnte: Warum wähle ich Österreich als Produktionsstandort, wenn für mich die EU-Standards nicht gelten? Es ist nun einmal so, dass Kakao nicht in Österreich wächst, aber für unsere Schnitten und Waffeln unverzichtbar ist. Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Verantwortlichen verschiedene Aspekte nicht berücksichtigen wollen.

Kommen wir nochmals zu ECR zurück. Nicht jedes Thema ist für jeden interessant. Wie groß ist überhaupt das Interesse an einer aktiven Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe?
Früher hat man sich das eine oder andere Thema angehört, ohne jetzt wirklich aktiv und intensiv daran mitzuwirken. Heute ist das ganz anders: Es gibt klare Ansagen.

Welche?

Zum Beispiel: Ja, das Thema ist interessant, aber ich bin nicht dabei. Das wird auch nicht immer begründet, muss aber auch nicht sein.

Gibt es Diskussionen, Auseinandersetzungen?
Natürlich gibt es sie, wenn man bedenkt, dass man ja Prozesse und Standards entwickeln will, die für möglichst alle in der Wertschöpfungskette eine Optimierung bringen soll.

Es gibt also keinen Kuschelkurs?
Nein. Der Wettbewerb am Markt ist sehr hart geworden. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

Herr Schrott, vielen Dank für unser Gespräch!
 

Alfred Schrott & ECR
Bei der ECR Board-Sitzung im Oktober 2018 wurde Dr. Alfred Schrott erneut und einstimmig als ECR Co-Chairman Industrie für weitere zwei Jahre bestätigt.
Der Manner-Vorstand für Marketing und Verkauf feiert somit sein zehnjähriges Jubiläum als ECR Co-Chairman: 2008 wurde er erstmals in diese Position gewählt. Ein Fremdwort war ECR für Alfred Schrott aber schon viele Jahre zuvor nicht: Bevor er 2006 ins ECR Austria Board stieß, engagierte er sich bereits seit drei Jahren für die Initiative.



Die Co-Chairmen
Seit jeher bildet ein Manager aus dem Handel und einer aus der Industrie die Chairmen-Spitze. Neben Alfred Schrott besetzt diese Position handelsseitig Mag. Thomas Zechner, Geschäftsführer der Markant Österreich. Er folgte im September 2017 Dr. Andreas Nentwich als Co-Chairman nach, der die Markant Österreich in Richtung Mars Austria verließ.



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