Egon Westhoff/ZEV Markant: Alles unter einem ...
 
Egon Westhoff/ZEV Markant

Alles unter einem Hut

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Egon Westhoff ist Leiter der Strategischen Einkaufskoordination der ZEV Markant und steht täglich auf dem Prüfstand: Elf Gesellschafter verlangen nach besten Einkaufsergebnissen – da ist es gut, dass er auch in der Diplomatie zu Hause ist.

CASH: Herr Westhoff, die ZEV Markant wurde einst als klassischer Einkaufskontor gegründet, der aktuell elf operative Gesellschafter angehören. Das klingt nach viel Abstimmungs- und Überzeugungsarbeit für den Chef des Zentraleinkaufs. Wie bringen Sie die unterschiedlichen Wünsche alle unter einen Hut?



Egon Westhoff: Es klingt nicht nur danach, sondern es ist viel Abstimmungs- und Überzeugungsarbeit und oft muss man neben dem Einkauf auch in der Diplomatie zu Hause sein. Gerade das ist wiederum das Interessante und Spannende im Einkauf einer Verbundgruppe, wie es die ZEV Markant eben ist.

Sie sind seit 1986 im Unternehmen, kennen es wie Ihre eigene Westentasche – ich nehme an, das wird Sie in Ihrer Funktion, die exakt „Leitung Strategische Einkaufskoordination" lautet, auch unterstützen.



Das kommt mir natürlich zugute. Es besteht eine gewisse Vertrauensbasis zu unseren Gesellschaftern, aber auch zu den Industriepartnern, und das hilft in heiklen Situationen sicher weiter.

Nun gibt es ja nicht nur die Gesellschafter, sondern 680 Nah&Frisch-Läden von selbstständigen Kaufleuten, die ebenfalls sehr anspruchsvoll sind und auf beste Einkaufspreise warten. Welchen Herausforderungen müssen Sie sich da stellen?



Die Aufgabe der ZEV Markant ist die Verhandlung des Nah&Frisch-Aktionsartikelpools. Die Wünsche der Kaufleute erreichen mich somit nicht direkt, sondern werden über die Großhändler an mich herangetragen. Ich reagiere aber nicht nur auf deren Wünsche, sondern versuche bereits im Vorfeld, die Preise so zu fixieren, dass unsere Kaufleute mit den Letztverbraucherpreisen bei ausreichendem Ertrag gegenüber unseren Mitbewerbern reüssieren können.

Gelingt das den Kaufleuten?



Sie sind erfolgreich – und übrigens liegt unsere Stärke nicht im Preis allein.

Das stimmt, aber der ist doch sehr wichtig und die Diskonter können Sie beispielsweise als Mitbewerber nicht ausklammern. Präzisieren Sie für mich, wo die Stärken liegen?



Man kann keinen ausklammern und es ist natürlich wichtig, im Sortiment, speziell im Frischebereich, auf einem Niveau zu agieren, das jenem der unmittelbaren Mitbewerber entspricht. Mit den Diskontern sind wir jedoch in der Vergangenheit nicht in den Ring gestiegen und werden das auch in Zukunft nicht tun. Unsere Stärken liegen ganz woanders. Die Geschäfte sind ohne großen Zeit- und mit wenig Treibstoffaufwand zu erreichen. Kaufleute und Kunden kennen einander, sind in örtlichen Organisationen sehr oft gemeinsam tätig und begegnen sich dadurch nicht als namenslose Individuen. Außerdem nehmen die Kaufleute viele Möglichkeiten wahr, um Zusatzleistungen anzubieten, was im Filialsystem nicht möglich ist.

Welche Herausforderungen bringt dieses Jahr angesichts der sich abschwächenden Konjunkturlage mit sich? Die Industrie hat nichts zu verschenken, den Diskontern wird ein Boom prognostiziert ...



Dieses Jahr ist für den gesamten Lebensmittelhandel eine extreme Herausforderung und wirklich zu verschenken hatte die Industrie ohnedies noch nie etwas. Das Prinzip Leistung/Gegenleistung hat bei uns schon immer die Verhandlungen geprägt. Ja, und den prognostizierten Boom der Diskonter sehe ich so: Deren Umsatzsituation wird sich möglicherweise nicht verbessern, weil man auf Non-Food-Angebote, die man nicht unbedingt braucht und in der Vergangenheit einfach so mitgenommen hat, komplett verzichtet.

Weil wir soeben über die Industrie gesprochen haben: Die „Aktion Scharf" ist eine preispolitische Maßnahme. Ich nehme an, daran nimmt auch die Industrie teil.



Sie ist ein Modul des gesamten Nah&Frisch-Aktionsgeschehens, an dem sich die Industrie seit über 25 Jahren beteiligt.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit ihr in diesem Fall – und wie generell? Gibt es Veränderungsbedarf?



Sie findet generell auf partnerschaftlicher Ebene statt. Dass es auch dabei hin und wieder zu unterschiedlichen Auffassungen kommt, liegt in der Natur der Sache. Es gibt aber keinen Änderungsbedarf im Grundsätzlichen.

Welche Rolle spielt eigentlich, dass Ihre Gruppe nicht zu den Umsatzriesen zählt?



Das spielt eine Rolle, aber man darf hier nicht nur die 700 Distributionspunkte sehen, die Nah&Frisch hat und die von der Industrie sehr wohl geschätzt werden. Wenn man von der ZEV Markant redet, dann sollte man nicht vergessen, dass unsere Gesellschafter mit vielen anderen Vertriebsschienen wie etwa
C & C, Drogerie- und Verbrauchermärkten oder mit der Tankstellen- und Gastronomiebelieferung äußerst aktiv unterwegs sind. Die Industrie weiß, welches Potenzial wir ihr bieten. Und das wird auch entsprechend anerkannt.

ZEV Markant-Geschäftsführer Erwin Wichtl hat festgehalten, dass Nah&Frisch heuer die Nummer eins für selbstständige Kaufleute wird. Welche Bedeutung hat dies für Sie als Chef des Zentraleinkaufs?



Es ist sehr wichtig, dass wir als Gruppe den selbstständigen Kaufleuten diese Position bieten können. Und zumindest genau so wichtig ist es, in den Verhandlungen mit der Industrie darauf hinweisen zu können, dass Kaufleute in der Nah&Frisch-Gruppe Zukunft haben und dadurch weiterhin die flächendeckende Versorgung mit deren Produkten gewährleistet ist.

Herr Westhoff, vielen Dank für dieses Gespräch.



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