Frank Hensel/Rewe Group Austria: Alles unter ...
 
Frank Hensel/Rewe Group Austria

Alles unter neuem Dach

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Frank Hensel: "Sehr geringe Wechselwilligkeit der Adeg-Kaufleute im Vergleich zu dem, was kolportiert wurde."
Frank Hensel: "Sehr geringe Wechselwilligkeit der Adeg-Kaufleute im Vergleich zu dem, was kolportiert wurde."

Die Rewe Austria AG wird in den nächsten Wochen zur Rewe International AG. Unverändert bleibt Vorstandsvorsitzender Frank Hensel an der Spitze – und ist ab 1. Mai auch Generalbevollmächtigter der Rewe Group. Er schildert exklusiv in CASH, was geht, was bleibt und was kommt.

CASH: Herr Hensel, die Umstrukturierung der Rewe Group, die in wenigen Wochen vollzogen sein wird, bringt auch auf österreichischer Ebene für viele Rewe-Manager schöne Karrieresprünge. Sie sind beispielsweise ab 1. Mai Generalbevollmächtigter der Rewe Group. Was heißt das genau? So manchem fällt dazu sicherlich spontan Veit Schalle ein, der als der Allmächtige der Rewe in Österreich galt.

Frank Hensel: Es geht nicht um schöne Karrieresprünge und die Zeit der Allmächtigen ist auch schon längst vorbei. Wir sehen uns als Team, wo der Einzelne mehr oder weniger Verantwortung hat. Es geht um die Ausrichtung der Strategischen Geschäftseinheit Vollsortiment International für den Konzern, die von mir geleitet wird. Diese ist im Unternehmen eine der größten neben Deutschland. Gleichzeitig mit mir werden ja auch Jan Kunath und Lionel Souque Generalbevollmächtigte in der Rewe Group. Damit wird einer noch breiteren Meinungsbildung im Konzern, einem noch stärkeren Gedankenaustausch zwischen den Vollsortimentsbereichen und einem noch breiteren Prozess bei der Entscheidungsfindung Rechnung getragen. Natürlich ist das in unserem Konzern nicht neu, denn wir hatten schon in der Vergangenheit viel Potenzial, beispielsweise aus dem länderübergreifenden Gedanken- und Erfahrungsaustausch, erfolgreich genützt und umgesetzt. Neu ist nun durch diese Organisation, dass es auf einer noch höheren Ebene zum Tragen kommt.

Sie haben bereits die Strategische Geschäftseinheit Vollsortiment International erwähnt, in der ja sämtliche Aktivitäten von Eurobilla zusammengeführt werden und letztlich wird die Rewe Austria AG dann Rewe International AG heißen. Wann wird die Umbenennung konkret erfolgen?

Es hängt davon ab, wie zügig alle Formalitäten abgewickelt werden können. Es wird in den nächsten Wochen nach außen wirksam
werden.

Wenn über die Rewe International künftig das gesamte Vollsortiment-Geschäft der Rewe Group – außer jenes in Deutschland – abgewickelt wird, dann wird man dafür schlagende Gründe haben. Welche sind das?

Wir haben heute in den einzelnen Märkten eine stärkere Durchdringung als in der Vergangenheit, das heißt, wir sind nicht mehr Pioniere, sondern haben in den einzelnen Ländern eine bedeutende Rolle. Außerdem sehen wir auch, dass sich die Märkte einander annähern. So war der nächste logische Schritt aus dieser Gesamtsicht, eine zentraleuropäische Struktur zu schaffen, aus der wir in den rückwärtigen Bereichen und im Einkauf Synergien heben können, um die Effizienz zu steigern. Und wir können Maßnahmen schneller umsetzen und noch stärker voneinander lernen.

Opfert die Rewe Group damit die Taktik, auf länderspezifische Gegebenheiten einzugehen?

Nein, die opfern wir natürlich nicht, sondern unser Fokus bleibt auf den einzelnen Märkten. Wir werden noch flexibler und können mit der neuen Struktur noch besser und schneller reagieren.

Für den Discount-Bereich wird von vielen prognostiziert, dass er auf internationaler Ebene weiter zulegen wird, das betrifft auch Penny. Sie leiten den Vollsortiment International-Bereich, der es laut den Prognosen schwerer haben wird ...

Ich weiß nicht, wer aller diese Prognosen abgibt, demnach dürfte es ja gar keine Supermärkte mehr geben – sie sind aber gewachsen. Wir verabschieden uns ja auch nicht vom Discount. Es ist doch gerade unsere Stärke und unstrittig, dass wir mit unserer Philosophie, mehrere Vertriebslinien zu führen, weiterhin das ganze Marktpotenzial ausschöpfen. Und für die Strategische Geschäftseinheit Vollsortiment International ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um die Dinge weiter anzugehen.

Ich nehme an, Sie denken bei der von Ihnen geschilderten „Gesamtansicht" auch an Ihre Lieferanten. Was wird sich für diese verändern?

Das kann ich jetzt nicht generell sagen. Aber die Markenartikler brauchen ein Pendant, um die ausländischen Märkte erfolgreich zu bearbeiten, und das sind wir. Wo es Sinn macht, werden wir mit unseren Lieferanten reden, um Potenzial im Ausland gemeinsam zu heben, aber das ist kein Neuanfang, sondern war schon immer so. Vom Österreich-Bezug werden wir jedenfalls nicht abrücken und das bedeutet Planungssicherheit für unsere österreichischen Lieferanten. Hier sehe ich eher die Chance – wie in der Vergangenheit –, mit uns im Ausland zu wachsen.

Bleiben wir gleich bei Österreich: Sie sagen, Sie sind mit dem Geschäftsjahr 2008 sehr zufrieden, verzeichnen im LEH und DFH ein Umsatzplus – ohne Adeg – von mehr als fünf Prozent. Woher kommt das Plus – aus bestehender Fläche, der Expansion und woher soll es in Zukunft kommen?

Ja, wir sind mit dem Jahr 2008 sehr zufrieden. Man muss sich das auch einmal in absoluten Zahlen anschauen, wir haben im In- und im Ausland um rund 800 Millionen Euro mehr Umsatz als im Vorjahr gemacht. Wenn Sie sich die Umsätze anschauen, dann sehen Sie, dass wir eigentlich ein ganzes Handelsunternehmen neu geschaffen haben. Und in Österreich sind wir auch stolz darauf, dass das Wachstum im Wesentlichen aus bestehender Fläche kommt. Wir hatten per Saldo im Vorjahr um sieben Läden mehr, aber die Modernisierungsoffensive brachte den erwünschten Erfolg und die Mehrumsätze. Wir werden natürlich in Zukunft weiter expandieren, aber nicht auf Teufel komm raus. Es gibt bei uns keine Expansion mehr, die nicht auch wirtschaftlich vertretbar ist. Hier unterscheiden wir uns schon von anderen im Markt.

Wie sind Sie denn als Neo-Eigentümer mit dem Geschäftsverlauf der Adeg seit Juli 2008 zufrieden?

Ich glaube, man kann den Geschäftsverlauf der letzten sechs Monate nicht unter normalen Gesichtspunkten bewerten. Es war ein Übergangsjahr mit vielen Veränderungen bei der Adeg und der Prozess der Auflagenumsetzung ist erst mit 30. Juni abgeschlossen. Den Relaunch, die Neupositionierung der Marke Adeg, können wir erst im zweiten Halbjahr in Angriff nehmen. Dann werden wir auch zu sichtbaren Ergebnissen bei der Adeg kommen.

Wie ist der aktuelle Stand der Auflagenumsetzung?

Bei den Adeg-Eigenfilialen sowie kaufleuteseitig ist der Prozess abgeschlossen. In den von der Europäischen Kommission festgestellten Bezirken, in denen wir noch Umsatz abzugeben haben, müssen wir nun an unsere Kronjuwelen, sprich auf Filialen der Rewe Group in Österreich verzichten.

Wie schmerzlich war der Abschied von Adeg-Kaufleuten für die Rewe Group Austria?

Man wäre doch kein richtiger Händler, wenn man gern freiwillig Umsätze abgibt. Wir haben das akzeptiert, aber froh waren wir nicht darüber. Und es war außerdem ein schwieriger Überzeugungsprozess, denn die Wechselwilligkeit der Adeg-Kaufleute, die eine starke emotionale Bindung zur Handelskette haben, war sehr gering, im Vergleich zu dem, was ständig kolportiert wurde.

Worauf führen Sie das zurück?

Anscheinend gibt es für einzelne Kaufleute zu wenig Erfolg versprechende Alternativen am Markt.

Wie werden Sie denn den Erfolg der Adeg unter Rewe-Flagge weiter vorantreiben?

Wie schon erwähnt, es wird einen Relaunch, eine Neupositionierung geben, beides getragen von den alten Tugenden der Adeg – dem Kaufmann als starker Unternehmerpersönlichkeit sowie der tiefen Verwurzelung in der Region. Natürlich werden wir auch die allgemeinen Basiselemente im Handel, wie den Preis, das Sortiment und die Aktionspolitik bei der Adeg weiter stärken.

Sie haben festgestellt, dass es in diesem Jahr durchaus auch bei der Rewe Group Austria zu einem Rückgang beim Wachstum kommen könnte, vielleicht auch zu Umsatzrückgängen. Sollte das eintreten, was werden Sie tun?

Wir werden kämpfen, so wie wir es bisher schon in guten Zeiten gemacht haben. Es ist übrigens ja nicht so, dass uns eine negative Tendenz überraschen könnte, denn wir schauen uns natürlich jeden Tag unsere Umsätze an. Wenn es also Signale in diese Richtung gibt, werden wir entsprechend handeln und Gegenmaßnahmen setzen. Kostenseitig sind wir schon seit Längerem dabei, alle Potenziale zu nützen. Es wäre nicht glaubhaft und würde der Verantwortung nicht gerecht, 2009 von einem Jubeljahr zu sprechen. Aber wir blicken trotzdem optimistisch in die Zukunft und investieren heuer rund 500 Millionen Euro im In- und Ausland.

Herr Hensel, vielen Dank für das Gespräch!

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