Apfelbäumchen/Kastner Gruppe: Antonia Kastner...
 
Apfelbäumchen/Kastner Gruppe

Antonia Kastner im CASH-Interview: „Wir geben unser Bestes“

Markus Wache

Neben ihrer Tätigkeit in der Kastner Gruppe leitet Antonia Kastner, Ehefrau von Christof Kastner, den Kindergarten Apfelbäumchen, der u.a. dank eines sehr flexiblen Öffnungszeitenmodells berufstätige Eltern unterstützt.

CASH: Frau Kastner, Sie führen als diplomierte Pädagogin seit mittlerweile drei Jahren die Kindergruppe Apfelbäumchen in Zwettl. Wie sind Sie dazu gekommen, und was ist das Besondere an Ihrem Kindergarten?
Antonia Kastner:
Die Kindergruppe Apfelbäumchen ist auf Initiative des Wirtschaftsforums Waldviertel entstanden. Träger ist der 2014 von mir und fünf weiteren im sozialen Bereich sehr engagierten Personen gegründete gemeinnützigen Verein „Waldviertler Bildungswerkstatt“. Wir haben uns damals Gedanken gemacht, wie wir u.a. die Abwanderung verhindern, und das Waldviertel als Wirtschaftsstandort und Lebensraum attraktiv machen können, und haben dabei vor allem nach Lösungen gesucht, die Frauen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen. Die erste Initiative des Vereins war die Errichtung einer modernen und pädagogisch hoch qualitativen Tagesbetreuungseinrichtung für Kinder ab dem ersten bis zum zehnten Lebensjahr. Das Besondere an unserer Einrichtung ist unter anderem das flexible Betreuungs­modell. Unsere Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag von 7 bis 18:30 Uhr und das 50 Wochen im Jahr.

Ich könnte mir vorstellen, dass Ihnen angesichts dieser Öffnungszeiten, berufstätige Eltern die Tür einrennen?! Wie viele Kinder betreuen Sie derzeit?
Wir merken, dass der Bedarf an flexiblen Betreuungsmodellen in einem langen Zeitrahmen wirklich sehr hoch ist. In manchen Branchen bräuchten Eltern sogar vor 7 Uhr schon Kinderbetreuung. Derzeit betreuen wir 47 Kinder und 10 Kinder sind bereits für 2019 vorangemeldet.

Wie flexibel gestalten sich denn die Betreuungsmodelle im Apfelbäumchen?
Im Grunde können Eltern die Betreuung an ihre individuelle Lebenssituation anpassen und sich aussuchen, wann und wie oft sie ihre Kinder zu uns bringen möchten. Vieles ist möglich, sofern es aus pädagogischer Sicht auch empfehlenswert ist, ebenso die Kombination mit anderen Betreuungsmöglichkeiten. Durch diese Flexibilität erfahren insbesondere Mütter mehr Freiheit in der Ausübung ihrer Tätigkeiten und haben so weniger Stress.

Dadurch unterstützen Sie Mütter maßgeblich beim Wiedereinstieg ins Berufsleben, deren Knackpunkt ja nicht selten die adäquate Kinderbetreuung ist. Wie gewinnen Sie ihr Vertrauen als noch relativ neue Betreuungsstätte?
Indem wir von Beginn an auf gute Kommunikation achten und transparent sind. Die Mütter bekommen sehr viel Einblick und Feedback darüber, was ihre Kinder im Apfelbäumchen erleben. Eine behutsame Eingewöhnungszeit für Kind und Mutter ist darüber hinaus sehr wichtig. Je nachdem, wem die Loslösung schwerer fällt – dem Kind oder der Mutter – begleiten wir beide sehr achtsam. Ich kümmere mich insbesondere um die Mütter und setze dabei meine langjährige Erfahrung als Familienmentorin und Mamacoach ein. Jede Frau hat andere Bedürfnisse und Lebenssituationen. Ich nehme mir daher für persönliche Gespräche mit den Müttern sehr viel Zeit und berate sie individuell. 

Wie gelingt es Ihnen, als berufstätige Mutter mit gleich zwei Jobs – Sie sind ja noch in der Kastner Gruppe tätig – alles unter einen Hut zu bringen?
Ja, genau. Ich unterstütze meinen Mann neben repräsentativen Terminen auch bei CSR-Projekten und Nachhaltigkeitsthemen. Es war und ist eine ständige Herausforderung, allen Ansprüchen und Anforderungen als Frau, Mutter und Unternehmerin gerecht zu werden. Ich denke, da geht es mir genauso wie vielen anderen berufstätigen Müttern – wir geben unser Bestes. Aber ohne Unterstützung geht es nicht. Mein Mann und ich werden bei der Kinderbetreuung von einem Aupair unterstützt, was auch den Vorteil mit sich bringt, dass unsere Kinder mittlerweile schon ganz gut Englisch sprechen. Auch die Großeltern springen immer wieder ein und entlasten mich.

Auf der Apfelbäumchen-Homepage steht, Sie möchten dazu beitragen, dass „das Apfelbäumchen ein Ort der Herzlichkeit und des Wohlfühlens für Kinder und Erwachsene ist“. Was gehört für Sie alles dazu?
Menschen, die ihr Herz am richtigen Fleck haben und die Arbeit mit Kindern lieben. Ich bin stolz darauf, mit genauso einem Team arbeiten zu dürfen. Wir sind alle bereit, uns selber und unsere Arbeit zu evaluieren und demnach bedürfnisorientiert zu handeln. Eltern – also unsere Kunden –  spüren, dass wir uns im Team mit Respekt begegnen und ihre Kinder mit Freude begleiten. Dadurch vertrauen sie uns auch und wissen, dass es ihren Kindern im Apfelbäumchen gut geht. Zusätzlich zu all unseren pädagogischen Angeboten bieten wir beispielsweise ein selbstgekochtes biologisches Frühstück sowie Mittagessen an und sorgen auch für entsprechende Schlaf- und Ruhezeiten bei den jüngeren Kindern. Wir bemühen uns auch sehr, mit den Kindern in Beziehung zu treten, um sie gut bei Themen wie Konflikten, Sprachentwicklung, altersgemäße und bedürfnisorientierte Entwicklung und Fertigkeiten begleiten zu können. Sich Zeit für Gespräche zu nehmen, dem Kind zuzuhören, gemeinsam zu essen und zu feiern, und viel Raum für freies Spiel und Kreativität zu geben. Dies alles ist nur in Kleingruppen mit entsprechend hoher Betreuerzahl möglich.

Galerie: Antonia Kastner im CASH-Interview: „Wir geben unser Bestes“


Kommen wir nochmal auf Kastner zurück und damit auch zum Grund, weswegen CASH auf das Apfelbäumchen aufmerksam wurde. Es ist schön, dass Mitarbeiter der Kastner Gruppe das Betreuungsangebot kostenlos nutzen können. Das ist ja nicht gerade selbstverständlich. Wie viele Mitarbeiter machen davon Gebrauch, und haben Sie auch mit anderen Unternehmen aus Zwettl und der Umgebung ähnliche Kooperationen?
Mit dem Angebot, die Kinderbetreuungskosten für Mitarbeiter zu 100 % zu übernehmen, ist die Kastner Gruppe sicher Vorreiter. Ich habe den Eindruck, dass unsere Mitarbeiter dies sehr schätzen. Bis jetzt wurden schon 16 Kinder von Kastner-Mitarbeitern im Apfelbäumchen betreut. Weitere sind bereits für 2019 vorangemeldet. Es besteht eine Kooperation mit einer Bank, die einen Anteil der Betreuungskosten ihrer Mitarbeiter übernimmt. Im Vorfeld habe ich einige Gespräche mit großen Unternehmen in der Region geführt und sie zu einer Kooperation eingeladen. Leider war das Verständnis und Bereitschaft für die Unterstützung weiblicher Mitarbeiter nicht gegeben. Da das Apfelbäumchen mittlerweile schon drei Jahre erfolgreich besteht und es für qualitativ hochwertige Kinderbetreuung steht, hoffe ich jedoch, dass andere Unternehmen in Zukunft auch auf diesen Zug aufspringen werden.

Sie haben zu Beginn angedeutet, dass das Apfelbäumchen die erste Initiative des gemeinnützigen Vereins ist. Gibt es bereits eine zweite oder gar dritte?
Genau, das Apfelbäumchen war unser erster Schritt. Nun arbeite ich mit fünf anderen Unternehmerinnen, u.a. Anne Blauensteiner (Anm. d. Red.: Unternehmerin und Ehefrau von Kastner-GF Andreas Blauensteiner) daran, die zweite Initiative umzusetzen. Es handelt sich dabei um die Eröffnung eines repräsentativen Betriebsstandorts mit einem breiten Serviceangebot im Stadtzentrum von Zwettl, in das sich unternehmerisch tätige Frauen einmieten können. Sie sollen sich dort miteinander vernetzten können und eine professionelle Begleitung durch ein Mentorinnen-Team erhalten. Wir glauben, dass wir Unternehmerinnen sowie Gründerinnen auf diese Weise unkompliziert und nachhaltig unterstützen können und damit auch zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie beitragen.

Frau Kastner, viel Erfolg und danke für das Interview.
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