Delivery Hero: Artur Schreiber: In 30 Minuten...
 
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Artur Schreiber: In 30 Minuten zugestellt

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Artur Schreiber möchte, dass Mjam auch LEH-Produkte liefert.
Artur Schreiber möchte, dass Mjam auch LEH-Produkte liefert.

Delivery Hero, Betreiber von Mjam und Foodora, interessiert sich für die ­Lieferung von LEH-Produkten. Artur Schreiber, CEO von Delivery Hero Österreich, würde am liebsten sofort loslegen – denn laut ihm könnte niemand sonst diesen Service so schnell anbieten.

CASH: Herr Schreiber, wo sehen Sie Wachstumspotenzial für Mjam und Foodora am österreichischen Markt?
Artur Schreiber: Wir haben aktuell 2.400 Partner und decken somit fast ganz Österreich ab. Wir arbeiten stets an einer Erweiterung unseres kulinarischen Angebotes, aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Die meisten Bestellungen erfolgen abends, daher sehen wir das Mittagsangebot als ausbaubar. Hier braucht es aber Angebote in einem niedrigeren Preissegment – zu Mittag essen die meisten Leute eben nicht so viel.

Und wo wird von Ihnen überall selbst zugestellt?
Wir haben 800 Fahrradkuriere, die in Wien, Graz, Salzburg, Linz, Klagenfurt und neuerdings in St. Pölten liefern. Dazu kommen Drittanbieter, die mit dem Auto oder Scooter unterwegs sind.

Die Infrastruktur ist also vorhanden, wäre die Zustellung von Lebensmitteln und Non-Food-Produkten aus Supermärkten für Sie interessant?
Vorrangig sehen wir uns als Convenience-Anbieter, das muss nicht bei zubereiteten Speisen enden. In anderen Ländern, besonders in Südamerika, liefert Delivery Hero bereits Produkte aus Supermärkten. Das kann auch in Österreich funktionieren, zumal das aktuelle Zustellungsangebot der Handelsketten nicht convenient genug ist. Da kann nur für einen bestimmten Zeitraum, teils am Folgetag bestellt werden. Was ist aber, wenn ich die Milch oder das Klopapier jetzt brauche? Wir könnten mit dem richtigen System einen Einkauf innerhalb von 30 Minuten liefern. Ich wage zu behaupten, dass wir in ganz Österreich sogar die Einzigen sind, die das umsetzen könnten.

Was wäre das richtige System dafür?
Die zentrale Frage ist nicht die Lieferung, sondern die Kommissionierung. Wenn die Fahrer in die Märkte gehen und erst alles raussuchen müssen, sind die 30 Minuten unrealistisch. Es bräuchte also Mitarbeiter von uns in den Filialen, die den Einkauf erledigen, die Fahrer holen diesen nur noch ab. So würden auch die eigentlichen Mitarbeiter der Filialen nicht zusätzlich belastet werden. Außerdem können die Kunden mit unseren Mitarbeitern vor Ort noch chatten, wie weich die bestellte Avocado sein soll oder ob der Eistee gekühlt sein soll oder nicht. Da müssten wir schauen, wie sich diese Arbeitsteilung rechnet.

Halten Sie Ihr Liefermodell in diesem Szenario für sinnvoll?
Da Fahrradkuriere nur ein gewisses Gewicht tragen können, bräuchte es Scooter oder E-Autos, sonst ist schon ab einem Kasten Getränke Schluss. Aktuell arbeiten wir eben mit Dritt­anbietern zusammen, die solche Transportmittel bereitstellen. Für Einkaufslieferungen würden wir aber eine eigene Flotte aufbauen.

Aber nicht gleich von null auf hundert nehme ich an.
Nein, am liebsten würde ich sofort in einem einzigen Markt anfangen und direkt praktische Erfahrungen sammeln. Auch, wenn das vorerst nicht profitabel ist, können wir etwa feststellen, welche Produkte gefragt sind oder wie die Kommunikation mit den Kunden optimiert werden kann. Starten würden wir mit einem überschaubaren Sortiment, das sich auf Convenience-Produkte und die gefragtesten Alltagsartikel konzentriert. Das würden wir schrittweise ausbauen, ein Vollsortiment wäre dabei unser Ziel. Wir haben schon mit vielen Handelsketten gesprochen, sind aber noch am Abtasten des Marktes. Wichtig ist uns, dass wir einen gemeinsamen Weg und gemeinsame Prozesse mit den Händlern finden. Aber wenn heute eine Handelskette zu uns kommt und sagt, dass wir ausliefern sollen, kann morgen der Probebetrieb losgehen.

Wie könnte die Finanzierung von einem Zustelldienst dieser Art aussehen und welche offenen Fragen gibt es darüber hinaus?
Die Prozesse der Zusammenarbeit müssten erarbeitet werden und es ist fraglich, inwieweit Kunden eine Liefergebühr oder einen höheren Preis für ihren Einkauf akzeptieren. Wenig Sorgen mache ich mir um die Kühlkette. Unsere Lieferanten hätten die Ware maximal 15 Minuten in einer Kühltasche bei sich – das ist nicht anders als der Transport nach Hause.

Was würden Sie also den Betreibern von Supermärkten und deren Onlineshops und Lieferdiensten raten?
Redet mit uns. Wir haben bei der Sofortlieferung einige Jahre Vorsprung, die dafür notwendige Technik und das Volumen sind vorhanden. Die Kundschaft, die bei uns Essen bestellt, deckt sich mit der potenziellen Kundschaft für Sofortlieferungen von Supermarktprodukten stark. Die ersten zwei bis drei Monate würden wir im Testbetrieb den Markt genau kennenlernen, danach bauen wir Schritt für Schritt das Sortiment und die Fahrzeugflotte aus. Dafür muss keine große Kette unser Partner werden, auch kleine, unabhängige Geschäfte wie etwa Bio-Märkte sind für uns interessant.

Lässt sich bereits sagen, ab wann Mjam oder Foodora neben dem Abendessen auch den Liter Milch liefern?
Nein, dafür ist es noch zu früh. Aber wenn das Food- und Non-Food-Sortiment startet, wird sich das Angebot rasant schnell entwickeln.

Herr Schreiber, danke für den Einblick in die mögliche Zukunft von Delivery Hero.
Über Artur Schreiber
  • 33 Jahre alt, aus Berlin
  • Seit Juni 2018 Geschäftsführer von Delivery Hero Österreich
  • War als „Head of Sales und Business Development“ an der Einführung der Fahrradkuriere in Österreich 2018 beteiligt
  • Hat an der Universität Mannheim den Master of Science in Management absolviert
  • Vor Delivery Hero war er bei der Boston Consulting Group tätig
  • Sieht Mjam als „Convenience Lieferant“
Über Delivery Hero
  • 2011 als „RPG International Holding GmbH“ in Berlin gegründet, im ersten Jahr in Delivery Hero umbenannt
  • Märkte: In 39 Ländern weltweit tätig, 19.000 Mitarbeiter
  • Mehr als 290.000 Partner (Restaurants und Geschäfte, bei denen bestellt werden kann)
  • Über 1.000 Bestellungen pro MinuteKonnte im Q1 2019 im Vergleich zur Vorjahres­periode einen Umsatzanstieg von 93 % auf 267,2 Millionen Euro verbuchen
  • In Österreich betreibt Delivery Hero Mjam und Foodora, wobei beide Dienste aktuell zusammengeführt und als „Mjam“ und „MjamPlus“ betrieben werden
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