Meinl am Graben: Auf nach Dubai
 
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GF Udo Kaubek: "Für Gourmets sind wir die erste Adresse." ® peter.svec@pixXL.at
GF Udo Kaubek: "Für Gourmets sind wir die erste Adresse." ® peter.svec@pixXL.at

International und top sind bei Meinl am Graben nicht nur das Sortiment und die Preise, sondern auch die Mitarbeiter und deren Gehälter, versichern Udo Kaubek und Michael König, die beiden Geschäftsführer, im Interview mit CASH.

CASH: Herr Kaubek, Herr König, ist die Wirtschaftskrise inzwischen auch am Wiener Graben angekommen?



Udo Kaubek: Das Leben ist viel zu kurz, um schlechte Sachen zu essen oder zu trinken. Wohl deshalb werden außergewöhnliche Produkte auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten stets ihre Abnehmer finden. Möglicherweise ist aber auch die mediale Berichterstattung etwas überzogen. Von einer Krise spüren wir nämlich – zumindest derzeit noch – nichts.

Ihr Haus gilt unter Gourmets im In- und Ausland seit jeher als erste Adresse für Delikatessen aller Art. Wie viele Artikel umfasst ihr Sortiment wirklich?



Michael König: Inzwischen mehr als 17.000 Artikel. Die Zahl ändert sich aber ständig, denn wir sind laufend auf der Suche nach hochwertigen und interessanten Produkten, um neue Trends im Feinkosthandel zu setzen und die Lust der Konsumenten auf Neues zu stillen.

Kommen dabei eigentlich auch regionale Produkte zum Zug oder baut Ihr Geschäft in erster Linie auf den Absatz international bekannter Marken?



Kaubek: Es ist immer schön zu wissen, wo ein Produkt herkommt, und ohne Zweifel gibt es spezielle, regionale Produkte, die gehören vor den Vorhang, wie z.B. der Mariazeller Wild-Saibling von Quester. Dahinter steht ein durchdachtes Konzept und das Produkt überzeugt auch qualitativ in jeder Hinsicht. Dass da aber jetzt eine Genuss-Region nach der anderen ausgerufen wird, das beobachten wir durchaus mit einer gewissen Skepsis. Da gibt es zum Beispiel seit kurzem die Genuss-Region Laaer Zwiebel. Was an der Laaer Zwiebel so sensationell sein soll, das muss mir aber erst einmal jemand erklären.

Also Qualität vor Regionalität?



Kaubek: So könnte man es auch ausdrücken. Hohe Qualität zu haben und auch zu halten, das ist mit Sicherheit der Punkt, bei dem wir hier im Haus kompromisslos sind. Beispielsweise hatten wir vor fünf Jahren in unserem Restaurant ausschließlich neuseeländisches Lammfleisch. Als dann die Qualität nachließ, haben wir uns nach einer neuen Bezugsquelle umgeschaut und die Frischware gut ein Jahr von einem schottischen Lieferanten bezogen. Dass wir nunmehr seit drei Jahren sowohl im Restaurant als auch im Markt ausschließlich österreichisches Lammfleisch führen, hat auch überhaupt nichts damit zu tun, dass es sich um Ware österreichischer Herkunft handelt, sondern schlicht damit, dass sie die beste Qualität hat. Darauf gebracht hat uns übrigens eine unserer Kundinnen. Diese Kundin hatte im Restaurant ein Lammfleisch-Gericht konsumiert, dabei einen entsprechenden Unterschied zur Ware im Markt festgestellt und schließlich darauf bestanden, dass wir im Markt Lammfleisch von eben demselben Lieferanten anbieten.

Kundin ist ein gutes Stichwort. Als Hauptkunde von Meinl am Graben galt lange Zeit die klassische Hofratswitwe. Ist sie das immer noch?



König (schmunzelt): Der erste Bezirk hat knapp 20.000 Einwohner. Die sind mit Sicherheit nicht alle Hofratswitwen.

Kaubek: Natürlich kauft die eine oder andere nach wie vor bei uns ein. Genauso haben wir aber auch Kunden, die barfuß, bloß mit Jeans bekleidet oder in einen Blaumann gewandet bei uns einkaufen. Wir sind ja vor allem auch ein Nahversorger.

Wie viele Kunden zählen Sie an einem durchschnittlichen Einkaufstag?



König: Rund 3.000 an schlechten Tagen, an Spitzentagen ein Vielfaches davon. Es gibt Tage, da bewegt sich die Zahl der Kunden im fünfstelligen Bereich.

Und wie viele ihrer Kunden kaufen ebenso regelmäßig beim Diskonter ein?



Kaubek: So gut wie jeder. Zwar ist die Kundentreue nach wie vor sehr hoch. Den wirklich monogamen Kunden gibt es aber schon lange nicht mehr, zumal wir ja auch nicht über den Preis, sondern ausschließlich über die Qualität punkten können.

Eigenmarken haben Sie aber sehr wohl im Programm?



König: Sehr viele sogar und es werden laufend mehr. Aus Kundengesprächen haben wir beispielsweise herausgehört, dass es keine Pastetengewürze gibt. Also haben wir zunächst eine kleine Charge davon auf den Markt gebracht. Die Nachfrage hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Später folgten weitere Produkte wie z.B. Sechuan-Pfeffer, Scharfer Sesam oder ein Fischgewürz. Ganz ähnlich ist es uns bei einem Honig-Produkt gegangen. Es gäbe auch noch viele andere Beispiele.

Kaubek: Im Gegensatz zu den Eigenmarken des Handels im herkömmlichen Sinn, die sehr oft im Preiseinstiegssegment platziert sind, bieten wir unter unserem eigenen Namen jedoch ausschließlich Top-Qualitäten. Entsprechend sind die Preise dieser Produkte ebenfalls ausschließlich im Top-Segment angesiedelt.

Ihr Sortiment ist international, Ihre Preise sind top. Gilt das auch für Ihre Mitarbeiter bzw. für deren Gehälter?



König: Die Schar unserer Mitarbeiter ist so bunt wie unser Sortiment. Da ist alles vertreten: alle Hautfarben, alle Religionen, alle sexuellen Orientierungen.

Kaubek: Und natürlich sind unsere Mitarbeiter angesichts der Internationalität unserer Kundschaft auch entsprechend gefordert. Trotzdem erwarten wir von ihnen Leidenschaft, Liebe zu den Produkten und Liebe zu den Kunden. Umgekehrt bieten wir ein flexibles Arbeitszeitmodell mit einem mütterfreundlichen Durchrechnungszeitraum von einem Jahr und wir zahlen auch deutlich besser als der Mitbewerb.

Apropos Mitarbeiter: Wie ist das eigentlich mit dem Einkauf? Bewerkstelligen Sie den zur Gänze selbst oder bedienen Sie sich dazu eines Partners?



Kaubek: Wir verfügen sehr wohl über eine eigene Einkaufsmannschaft. Immerhin gibt es eine Vielzahl an Produkten, die ausschließlich bei uns erhältlich sind. Bei einigen Basisprodukten wie zum Beispiel Mineralwasser und dergleichen bedienen wir uns der einfacheren Logistik halber, aber auch aus ökologischen Gründen allerdings der Rewe als Kooperationspartner.

Der Name Meinl hat in den vergangenen Wochen und Monaten trotzdem nicht immer nur für positive Schlagzeilen in den Medien gesorgt. Hat Meinl am Graben – wie von einer auflagenstarken Wochenzeitschrift jüngst behauptet – tatsächlich unter der Aufregung um Meinl European Land bzw. Meinl International Power gelitten?



Kaubek: Das Einzige, worunter wir zuletzt tatsächlich gelitten haben, war die Fußball-EM. Zwar gab es keine negative Stimmung und auch die befürchteten Ausschreitungen sind glücklicherweise ausgeblieben. Wirtschaftlich betrachtet aber war diese Zeit für uns trotzdem eine Katastrophe. Zum einen, weil Fußballfans nun mal nicht unbedingt zu unserer Kernzielgruppe zählen, zum anderen, weil viele unserer Kunden eben aufgrund der EM erst gar nicht gekommen sind bzw. in diesem Sommer aus der Stadt geflüchtet sind.

König: Ähnliche Probleme werden wir wohl auch nächstes Jahr haben, wenn im ersten Halbjahr der Umbau des Graben vonstatten geht.

Und deshalb geht Meinl am Graben jetzt in die Wüste?



Kaubek: Julius Meinl am Graben ist eine wertvolle Marke mit einem enormen internationalen Brand Equity, die sich auf vielfältige Weise gewinnbringend einsetzen lässt. Neben dem Erste-Klasse-Catering im neuen Railjet der ÖBB und dem Meinl 2 go am neuen Flughafen Terminal in Wien Schwechat ist der geplante Lebensmittel-Gourmet-Flagship-Store in Dubai aber wohl das prestigeträchtigste Projekt, auch weil es ein erster Schritt in Richtung internationale Expansion ist.

Werden weitere Flagship-Stores folgen?



König: Wir wollen erst einmal dieses Projekt erfolgreich lancieren. Wenn Dubai funktioniert, steht einem Roll-out in angrenzende Länder allerdings nichts im Weg. Wir sind für weitere Kooperationen jedenfalls offen.

Herr Kaubek, Herr König, vielen Dank für das Gespräch!



GF Michael König (li.): "Wenn Dubai funktioniert, steht einem Roll-out in angrenzende Länder nichts entgegen." ® peter.svec@pixXL.at
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GF Michael König (li.): "Wenn Dubai funktioniert, steht einem Roll-out in angrenzende Länder nichts entgegen." ® peter.svec@pixXL.at
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