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Werner Gruber: „Mit den Öffis in die Arbeit“

Privat

Auch wenn das Thema Corona momentan alles in den Hintergrund stellt: Die Klimaschutz-Problematik brennt nach wie vor. Kaum ein Unternehmen kann heute auf Nachhaltigkeits-Strategien verzichten. CASH fragte bei Physiker, ­Autor und Science Buster Mag. Werner Gruber nach, was es denn mit dem CO2 tatsächlich auf sich hat.

CASH: Alle reden vom CO2 – aber was ist das eigentlich genau?
Werner Gruber: Viele sagen, wir sind schon in einer Klima­krise. Nein, sind wir nicht. Wir haben folgende Situation: Das Sonnenlicht gelangt auf die Erde. Da es durch die Atmosphäre durchkommt, ist das relativ entspannt. Es gelangt auf die Erdoberfläche, was dazu führt, dass das sichtbare Licht die Erdoberfläche erwärmt, die wiederum Wärmestrahlung abgibt. Und jetzt kommt etwas Gemeines: Das CO2 wirkt wie ein Spiegel auf die Wärmestrahlung. Das bedeutet, dass diese Wärme wieder auf die Erde zurückgestrahlt wird. Mit dem Ozean gibt es eine natürliche CO2-Senke. Die Algen nehmen CO2 auf. Dadurch, dass sich aber die Meere ebenfalls erwärmen, können die Algen nicht mehr so gut arbeiten, daher reichert sich mehr CO2 an. Wir sind derzeit in dieser Phase, wo man das tatsächlich schon messen kann. CO2 wird nicht mehr so stark gebunden, es wird noch wärmer und die wirkliche Katastrophe haben wir dann in 15 bis 20 Jahren, wenn die Permafrostböden aufgetaut sind. Dann wird nämlich Methan freigesetzt – ein zwanzigmal so starkes Klimagas, das wir nicht mehr in den Erdboden zurückbringen können.

Kann man diese Entwicklung noch stoppen?
Ja. In 15 bis 20 Jahren müssen wir massiv unseren CO2- und Methangas-Ausstoß reduzieren. Es gibt viele kleine Maßnahmen, die durchaus alle sinnvoll sind. Wir haben verschiedene Arten zur Energiegewinnung, die aber meist CO2-intensiv oder wie Atomkraft nicht ganz unproblematisch sind. Die Deutschen wollen komplett auf alternative Energieformen umstellen und haben wirklich alles hinein investiert. Aber auch sie schaffen höchstens 25 Prozent. Ein Windkraftwerk liefert ein Megawatt, wir brauchen aber Gigawatt. Es gibt bereits eine großartige Lösung, von der viele noch nichts gehört haben: Iter. Nach einem langen Entwicklungsprozess im Rahmen internationaler Forschungsgruppen wurde letztes Jahr in Südfrankreich mit dem Bau eines Kernfusionsreaktors begonnen, der emissionsfrei genügend Strom liefern kann. 2025 soll der Reaktor in Betrieb gehen, liefert aber noch keinen Strom.  Nach einer Testphase soll dann Demos ans Netz gehen und tatsächlich Energie liefern. 5.000 dieser Reaktoren weltweit und wir haben genügend Strom.

Was kostet das?
Ich sage mal so: Kärnten hätte sich mit 13 Milliarden einen leisten können. Das deckt alle Kosten, also schlüsselfertig. Ich hätte mir allerdings von der Regierung erwartet, dass man sagt: Wir zahlen eine Milliarde mehr in den EU-Topf, dann können wir den Reaktor ein Jahr früher haben. So hätte man direkt in den Klimaschutz investiert und tatsächlich etwas bewirkt. Wir Physiker verursachen Probleme, wir lösen aber auch Probleme.

Das gesamte Interview zum Nachlesen gibt's im E-Paper:
März 2020



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