Billa: Der Jongleur
 
Sabine Klimpt
Einwegpfand ist ein weiterer Themen-Ball, mit dem Robert Nagele, der auch ­Vorstand im Trägerverein Einwegpfand ist, dieser Tage jongliert.
Einwegpfand ist ein weiterer Themen-Ball, mit dem Robert Nagele, der auch ­Vorstand im Trägerverein Einwegpfand ist, dieser Tage jongliert.

Robert Nagele ist Vorstand für Immobilien bei Billa. Doch diese knappe Job-Description deckt nur einen Bruchteil seiner Aufgabengebiete ab. Im Alltag jongliert er unter anderem mit Expansions- und Umbauplänen, digitalen und nachhaltigen Konzepten im Ladenbau und der Einwegpfandthematik. Welche Herausforderungen ihm dabei begegnen, erzählt er im Interview.

CASH: In der Bauwirtschaft geht es 2022 drunter und drüber. Inwieweit hat sich das heuer auf Ihre Expansionspläne ausgewirkt?
Robert Nagele: Unsere Pläne sind weiterhin rund 30 Neueröffnungen und 50 Umbauten bis Jahresende. Ich bin guter Dinge, dass sich das auch alles ausgehen wird, wobei das Umfeld heuer in Summe extrem herausfordernd geworden ist. Das zeigt sich im Wesentlichen an zwei Dingen: Zum einen haben wir bei einzelnen Komponenten ein Verfügbarkeitsproblem. Das beginnt in der Bauwirtschaft bei dem Mangel an Professionisten und der Verfügbarkeit von einzelnen Materialien. Es ist momentan sehr schwierig, das alles zu sichern. Hinzu kommt das große Kostenthema. Der Baustoffindex liegt heuer um 25 Prozent über 2020. Zum anderen haben wir nach wie vor auch behördliche Verfahren, die je nach Bezirkshauptmannschaft sehr lange dauern. Sie sehen, das Umfeld ist extrem herausfordernd und schwierig geworden.

Auf der anderen Seite entwickeln sich auch die Mietpreise auf einem hohen Niveau. Beeinflusst das Ihre Strategie in Bezug auf neue Handelsimmobilien?
Die wirklich guten Lagen sind teurer geworden, die schlechten Lagen sind eher günstiger geworden. In Summe hat sich das auf einem sehr hohen Niveau eingependelt. Momentan sind die Handelsimmobilien ein Stück weit im Umbruch. Ein großes Thema in der Mietpreisentwicklung ist aber die Koppelung an den Verbraucherpreisindex. Diese Klausel gibt es ja in jedem Mietvertrag. Dadurch steigen die Mieten automatisch, was aber natürlich in der derzeitigen Situation noch dramatischer ist. Für uns als Händler sind das mehrere Millionen Euro zusätzliche Mietkosten im Jahr. Wir hätten gerne mehr gute Eigentumsobjekte, aber die sind leider nach wie vor schwer zu bekommen, vor allem in den letzten Jahren, wo ein historisch niedriges Zinsniveau am Markt herrschte. Deswegen haben wir vergleichsweise wenige Eigentumsobjekte realisieren können. Ich denke, das wird auch die nächsten Jahre schwierig bleiben.

Inwieweit beeinflusst die strikte Bauordnung im Westen Österreichs Ihr dortiges Expansionsvorhaben?
Im Westen hätten wir natürlich großes Expansionspotenzial, wir haben noch einige weiße Flecken vor allem in Tirol und Salzburg. Dort sind die Flächen aber schwer verfügbar und die Raumordnung ist sehr dicht, was die Expansion erschwert. Wir werden im Osten, allen voran in Wien und im Wiener Umland weiter expandieren und versuchen stets, dort zu wachsen, wo es sinnvoll ist und wo auch die Bevölkerung wächst.

Eine Genehmigung heißt noch nicht, dass alles im Lot ist, da neue Lebensmittelmärkte nicht überall mit offenen Armen empfangen werden. Wie sind da Ihre Erfahrungen und haben Sie sich schon einmal von einem Projekt abgewendet, weil der Widerstand zu groß war?
Das stimmt, man stößt immer wieder auf Widerstand von Interessensvertretern. Das ist unterschiedlich und geschieht auch durchaus in Gemeinden, in denen die Nahversorgung nicht optimal ist und wo es durchaus noch Platz für weitere Lebensmittelhändler gibt. In den meisten Situationen geht es um das Thema Umwelt. Um einen Markt betreiben zu können, braucht es eine regelmäßige Anlieferung der Ware, die natürlich mit einer gewissen, wenn auch eingeschränkten, Lärmentwicklung verbunden ist. Da geht’s um die Thematik, wie gut kann man einen Markt in einer Gemeinde einbetten und ein ausgewogenes Verhältnis der Bedürfnisse aller Beteiligten finden. Nachhaltigkeitsmaßnahmen sind für uns seit vielen Jahren ein wesentlicher Punkt in der Planung und im Betrieb eines Marktes. Wenn ich ehrlich bin, fällt mir jetzt kein Projekt ein, von dem wir uns wegen des Widerstands abgewendet hätten. Ich bin der Meinung: Recht muss Recht bleiben. Und dort, wo wir aus rechtlicher Sicht einen Markt eröffnen dürfen, machen wir das auch. Wir befinden uns bei jedem Projekt in engem Austausch mit der Gemeinde, welche die Interessen ihrer Bürger vertritt und welche auch den Rahmen – gestalterisch sowie rechtlich – schafft, innerhalb dessen wir für die Gemeinde tätig werden können.

Das Interview in voller Länge lesen Sie im E-Paper der CASH Septemberausgabe 2022

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