Rewe International: Die natürliche Evolution
 
Markus Wache
Verena Wiederkehr, Billa Plant-based-Verantwortliche und Billa-Vorständin Elke Wilgmann
Verena Wiederkehr, Billa Plant-based-Verantwortliche und Billa-Vorständin Elke Wilgmann

Vom Selbstversuch pflanzlicher Ernährung bis zur Eröffnung der ersten rein pflanzlich sortierten Billa-Pflanzilla-Filiale war es ein langer Weg. Was die neue Plant-based-Verantwortliche Verena Wiederkehr und Vorständin Elke Wilgmann auf dem pflanzlichen Pfad mit Billa noch alles vorhaben, ­beschreiben Sie im CASH-Interview.

Obwohl das typische graue Novemberwetter auch das Rewe Headquarter in Wiener Neudorf einhüllt, erfüllt beim Interview eine „grüne“ Stimmung die Luft. Kein Wunder, dreht sich dabei alles rund um Nachhaltigkeit und die Plant-based-Strategie von Billa. Um diese weiter zu forcieren, hat sich der Handelskonzern mit Verena Wiederkehr im Sommer auch eine eigene Head of Plant-Based Business Development an Bord geholt. Sie will das Thema ganzheitlich angehen, wie sie im Gespräch mit CASH und gemeinsam mit Billa-Vorständin Elke Wilgmann betont, dafür muss auch manches weichen, um für Neues Platz zu schaffen.

CASH: Frau Wilgmann, Sie haben mit der Position Head of Plant-Based eine ganz neue Stelle geschaffen. Warum war das innerhalb der Nachhaltigkeitsstrategie wichtig?
Elke Wilgmann: Vor zwei Jahren haben wir begonnen, auch aus persönlichen Motiven innerhalb des Teams, uns noch stärker mit dem Thema Plant-based auseinanderzusetzen. Wir haben den Veganuary mitgemacht, und in einem Selbstversuch getestet, ob wir es schaffen, uns eine Woche rein pflanzenbasiert zu ernähren. Es hat funktioniert, wir haben aber auch gesehen, dass es viel spezielles Know-how braucht. Wir wissen natürlich, dass wir nicht die ersten Händler sind, die das Thema angehen, aber wir sind uns der Relevanz bewusst und wollen die Kompetenz bei uns haben. Expertise haben wir uns einerseits über unser Good Food Board und unterschiedliche Influencer geholt, andererseits war es uns wichtig, jemanden im Team zu haben, der für das Thema brennt und Skeptiker – auch unter den Kollegen – überzeugen kann. Und das ist Verena Wiederkehr.

Wie kann man sich Ihren Job vorstellen, Frau Wiederkehr?
Verena Wiederkehr: Als Head of Plant-Based Business Development bin ich im Category Management und Einkauf angesiedelt und beschäftige mich mit dem Sortiment, der Strategie und Trend-Scouting. Dafür bringe ich meine Expertise im Bereich Kommunikation, Marketing und Zielgruppenansprache mit und lasse mein Wissen ganzheitlich einfließen. Pflanzenbasierte Ernährung ist keine Nische, kein Trend mehr, sondern eine nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft. Wir als Einzelhändler müssen dem Rechnung tragen und uns entsprechend aufstellen. Deshalb ist es mir so wichtig, dass ich die Menschen mitnehme. In den frühen Tagen wurde viel verbrannte Erde hinterlassen, weil die Produkte einfach nicht gut waren. Dieses Image will ich abschütteln und zeigen, dass Plant-based-Produkte durchaus sehr gut schmecken können und man gleichzeitig noch etwas Gutes für Mensch, Tier und Umwelt tun kann.

Die Branche hat Sie jedenfalls schon wahrgenommen, man hört, dass Sie kräftig umräumen, hinterfragen und Sortimente neu überdenken. Nach welchen Kriterien treffen Sie die Auswahl?
Wiederkehr: Es fließen viele und unterschiedliche Kriterien ein. Ganz vorne steht der Geschmack, denn wenn ein Produkt nicht schmeckt, kann es noch so gesund und nachhaltig sein, die Menschen kaufen es nicht. Auch Herkunft und Inhaltsstoffe in Verbindung mit CleanLabel sind wichtig. Da muss man die unterschiedlichen Produktkategorien aber auf verschiedenen Entwicklungsstufen beurteilen. Alles, was mit pflanzlichen Pendants zu Milch und Joghurt zusammenhängt, ist beispielsweise schon viel besser aufgestellt als pflanzliches Fleisch. Unsere Aufgabe ist es, die besten Produkte zu identifizieren.

Müssen dafür vegetarische Produkte den veganen weichen?
Wiederkehr: Die Entwicklung hin zu pflanzlichen Produkten ist eine, die wir schon länger beobachten. 95 Prozent aller V-Label-Lizensierungen in Österreich sind bereits mit dem Vegan-V-Label ausgestattet, das vegetarische V-Label sieht man kaum mehr am Markt. Sogar bei pflanzlichen Wurstprodukten, wo man früher noch überwiegend tierisches Ei verwendete. Heute überzeugen sie auch rein pflanzlich. Die Reduktion dieser Inhaltsstoffe hat auch den Vorteil, dass weniger Allergene vorkommen, wodurch man eine noch breitere Zielgruppe ansprechen kann. Das Ganze ist ein natürlicher Evolutionsschritt, den die Hersteller auch mittragen sowie selber forcieren und den möchten wir als Händler in unserem Sortiment abbilden.

Das Interview in voller Länge lesen Sie im E-Paper der CASH-Ausgabe 11-12/2022.

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