Martina Hörmer/Rewe Group Austria: Bioniere -...
 
Martina Hörmer/Rewe Group Austria

Bioniere - Ja! Natürlich

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Sie hat die Eigenmarken-Welt der Rewe voll im Griff: Mag. Martina Hörmer. ® Johannes Brunnbauer
Sie hat die Eigenmarken-Welt der Rewe voll im Griff: Mag. Martina Hörmer. ® Johannes Brunnbauer

Ja! Natürlich sprengt die 1.000-Produkte-Grenze, Clever boomt wie nie, Quality First zeigt sich dynamisch. Auch in Krisenzeiten sieht Mag. Martina Hörmer, Leiterin der Rewe Eigenmarken, jede Menge Potenzial für weiteres Wachstum - wie Hofstädter, die jüngste Eigenmarke beweist.

Cash: Frau Hörmer, als Eigenmarken-Leiterin der Rewe Group Austria verantworten Sie die Premium-Marke Ja! Natürlich sowie die Diskontmarke Clever. Wie können Sie in Ihrer Funktion zwei so unterschiedliche Marken eigentlich vereinbaren?

Martina Hörmer: Das kann ich ebenso vereinbaren, wie es auch unsere Kunden vereinbaren. Diese wünschen sich Marken, die sowohl den Preiseinstieg, als auch den Premiumbereich abdecken. Und da ist es eine ganz logische Konsequenz, dass wir zum einen Clever als Preiseinstieg und zum anderen die Bio-Marke Ja! Natürlich im Premiumbereich anbieten. Insofern sehe ich das nicht als Gegensatz. Viele Kunden sagen, bei der Milch oder beim Joghurt, also bei Dingen, die sie täglich konsumieren, ist es ganz wesentlich, dass sie biologische Lebensmittel kaufen. Aber genauso gibt es Produktgruppen, wo für den Kunden vorrangig der Preis zählt und dann entscheidet er sich für den Preiseinstieg.

Der Preiseinstieg profitierte schon 2008 von der zunehmenden Sparsamkeit der Konsumenten. Für welche dieser zwei Eigenmarken sehen Sie daher 2009 den größeren Boom, für Clever oder doch für Ja! Natürlich?

Ich hoffe natürlich für beide. Natürlich ist Clever eine Marke, die durch den aufkommenden Spargedanken profitiert – seit Beginn 2008 hat sie einen richtigen Schub bekommen. Doch ebenso ist die Nachfrage nach Ja! Natürlich, nach Bio-Produkten etwas, das auch in der Krise nicht verschwindet. Im Jänner haben wir gesehen, dass sich beide Marken weiterhin sehr gut entwickeln. Möglicherweise – aber das wird sich erst zeigen – wird Clever 2009 stärkere Zuwachsraten haben.

Ja! Natürlich feiert heuer 15-jähriges Jubiläum. Mit welcher Strategie möchten Sie das Wachstum 2009 weiter ankurbeln?

Indem wir uns auf unser Kerngeschäft besinnen, aber auch indem wir die Kommunikation des Mehrwerts von Ja! Natürlich in den Mittelpunkt rücken. Der Kunde soll wissen, dass die Leistung eines Ja! Natürlich Produktes seinen Preis wert ist. Wie sich bereits gezeigt hat, können wir mit dieser Strategie unsere Kunden sehr gut mitnehmen. Der Jänner 2009 war unser stärkster Jänner in der Geschichte der Marke.

Ja! Natürlich ist heute die größte Bio-Marke Österreichs und umfasst mittlerweile 1.000 Produkte. Mit wie vielen Produkten denken Sie, ist der Plafond erreicht?

Als Zahl lässt sich das nicht festmachen, aber wir haben noch viel Wachstumspotential. Bei Obst und Gemüse, aber auch bei Getränken, Tees oder heimischen Fischen ist noch sehr viel machbar. Es gibt noch viele Möglichkeiten.

2008 war das Wachstum nicht mehr ganz so stark, wie noch in den Jahren zuvor. Ist die Grenze schon erreicht?

Das glaube ich nicht. 2008 war ein Wachstumsjahr, wenn auch nicht so stark, wie in den zwei Jahren davor. Auch für heuer rechne ich mit einem guten, einstelligen Wachstum. Zudem erreichen wir bereits Anteile, die im Lebensmittelbereich sehr hoch sind. Wenn man im Bereich Bio einmal einen Marktanteil von 30 % erreicht, ist man damit Weltmeister. In manchen Bereichen erreichen wir das schon, hier gibt es für zusätzliche Marktanteile natürlich weniger Potenzial bzw. man muss sich härter dafür einsetzen.

Potenzial für einen Ausbau haben Sie offenbar auch im Bereich Fleisch gesehen. Seit kurzem gibt es exklusiv bei Billa Fleisch von Hofstädter. Welchen Sinn macht es, eine eigene Fleisch-Dachmarke einzuführen?

Marke schafft Vertrauen. Und natürlich war das unser Gedanke bei Hofstädter, unserer jüngsten Eigenmarke. Wir haben hier ein ganzes Qualitätsprogramm dahinter gesetzt. Und Fleisch war bei Billa immer schon ein Kompetenz-Bereich, jetzt setzen wir mit Hofstädter einmal den Fokus neu darauf.

Soll dieses Angebot weiter ausgedehnt werden, etwa auf Merkur?

Das ist eine Möglichkeit, die wir noch nicht entschieden haben.

Und was gibt es bei Quality First Neues?

Quality First ist eine noch relativ junge Marke, die sich von Segment zu Segment weiter arbeitet. Wir haben zuletzt sehr starke Akzente im TK-Bereich gesetzt. Im Vorjahr haben wir hier geschätzte 20 Produkte auf den Markt gebracht, in Summe waren es 41 neue Artikel. Heuer ist das im Jänner im Ansatz weiter gegangen, es gibt also noch sehr viele Möglichkeiten für die Marke.

Noch einmal zurück zu Clever: Mit wem steht die Preiseinstiegsmarke vorrangig im Wettbewerb?

Mit dem Diskont, ganz logisch. Jeder Vollsortimenter muss für seine Kunden den gesamten Bereich unter einem Dach abdecken, von billig bis teuer. Für den Kunden ist das ein riesiger Vorteil, denn er muss nicht zuerst bei Hofer und Lidl schauen, wo es das günstigste gibt. Mit Clever hat er die Garantie, das Billigste im Lebensmittelhandel zu kaufen.

Und wie ist das mit den Eigenmarken anderer Händler, beispielsweise mit S-Budget?

S-Budget ist ja eine Neuentwicklung von der Spar und gerade erst dazu gekommen. Clever ist eine sehr starke Marke, immerhin gibt es sie schon seit 10 Jahren. Inwieweit beide Marken in Konkurrenz stehen werden, wird man erst sehen.

Bei der Adeg sind mittlerweile auch schon Clever- und Ja! Natürlich-Produkte erhältlich. Soll das Angebot an Eigenmarken der Rewe im Adeg-Sortiment noch weiter ausgebaut werden?

Doch, aber Schritt für Schritt. Wir haben bei der Adeg mit Ja! Natürlich und Clever begonnen, mit unseren beiden größten Marken. Aber die Sortimente bei den Kaufleuten sind noch in Entwicklung. Mit der Zeit wird sicher auch Quality First, Chef Menü und Hofstädter hinzukommen. Und mit unseren Marken haben die Kaufleute bereits sehr gute Erfahrungen gemacht.

Für ihre Eigenmarken versprechen Sie eine hohe Qualität zu einem günstigen Preis – wie geht das?

Nicht für alle versprechen wir das! Bei Ja! Natürlich haben wir ein anderes Markenversprechen. Wir bieten den besten Preis, aber es kann natürlich nicht der billigste sein, die Produktion von Bio-Produkten folgt ja anderen Gesetzmäßigkeiten. Hingegen bei Clever ist es möglich durch die Konzentration auf Schnelldreher erstklassige Qualität zum billigsten Preis anzubieten. Zudem haben wir bei Clever das Packaging auf seine Urfunktion, den Schutz der Ware, reduziert. Natürlich sind auch unsere Spannen bei Clever geringer, dafür machen wir einen entsprechenden Umschlag.

Gibt es dann eigentlich bei der Qualität Abstriche?

Nein, niemals! Wenn sie bei der Qualität Abstriche machen, werden sie keine Kunden haben.

Und ist es schwierig, Hersteller für Clever-Produkte zu finden?

Das ist überhaupt nicht schwierig. Dadurch, dass Clever so groß ist, ist es auch für die Lieferanten interessant. Durch die großen Mengen werden entsprechend große Umsätze lukriert. Insofern gibt es bei der Lieferantensuche nie Probleme.

Frau Hörmer, vielen Dank für das Gespräch!

Ja! Natürlich-Geschäftsführerin Mag. Martina Hörmer: "Der Kunde soll wissen, dass die Leistung eines Ja! Natürlich-Produkts seinen Preis wert ist." ® Johannes Brunnbauer
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Ja! Natürlich-Geschäftsführerin Mag. Martina Hörmer: "Der Kunde soll wissen, dass die Leistung eines Ja! Natürlich-Produkts seinen Preis wert ist." ® Johannes Brunnbauer
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