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CASH+ / Leadership

"Wichtig sind weiche Kompetenzen"

Peter Rigaud

CASH: Wie suchen Sie Führungskräfte aus? Welche menschlichen und fachlichen Kriterien sind für Sie ausschlaggebend?
Sigrid Krupica: Unser gutes Betriebsklima ist ein wesentliches Kriterium, das unsere derzeitigen und auch ehemaligen MitarbeiterInnen immer wieder hervorheben und worauf wir auch sehr stolz sind. Neben den klar definierten fachlichen Kenntnissen und der nötigen Erfahrung ist der menschliche Aspekt für uns von zentraler Bedeutung, wenn wir neue Teammitglieder suchen – ob auf Führungsebene oder bei Berufseinsteigern. Fachliche Lücken können leichter geschlossen werden als soziale Aspekte wie grundsätzliche Einstellung, Dienstleistungsbereitschaft, Stressresistenz oder Offenheit neuen Themen gegenüber. Die meisten unserer Führungskräfte sind schon sehr lange bei Grayling und haben eine fundierte Entwicklung durchgemacht.

Welche Eigenschaften sind Ihnen bei Ihren Führungskräften besonders wichtig?
Unsere Führungskräfte müssen in unterschiedlichen Situationen flexibel handeln können. Sie tragen die Verantwortung, nicht nur für sich selbst und die eigene Arbeitsleistung, sondern auch und besonders für die unserer MitarbeiterInnen. Führung basiert auf Wertschätzung. Es gibt für mich keine goldenen Regeln für erfolgreiches Führen, aber es gibt Eigenschaften und Fähigkeiten, die für mich ausschlaggebend sind. Und das sind vor allem die „weichen“ Kompetenzen wie Empathie, Eigeninitiative, das persönliche Auftreten, Vertrauen und Verlässlichkeit. Aber auch Selbstreflexion, analytisches und systemisches Denken sowie Team- und Kritikfähigkeit sind zentrale Aspekte. Diese Eigenschaften sind für eine reibungslose Zusammenarbeit und Motivation verantwortlich und tragen wesentlich zu unserem guten Arbeitsklima bei.

„Ich versuche für mein Team sowohl Vorbild als auch Impulsgeberin und Mentorin zu sein.“

Wie würden Sie Ihren eigenen Führungsstil beschreiben?
Ich bin keine CEO oder Chefin, die ihrem Team ausschließlich die Strukturen vermittelt oder gar vorgibt und alle Entscheidungen im Alleingang trifft. Für mich ist das Arbeiten auf Augenhöhe essenziell. Ich versuche für mein Team sowohl Vorbild als auch Impulsgeberin und Mentorin zu sein. Mir ist wichtig, die individuellen Stärken meiner Kolleginnen und Kollegen zu identifizieren und gezielt zu fördern, damit sie authentisch in ihren Rollen wachsen können. Offene Kommunikation und gegenseitiger Respekt ist die Basis, um auch eine vertrauensvolle Ansprechperson bei Problemen zu sein. Meine (Büro-)Tür ist immer offen und ich ermutige jeden Einzelnen, sich mit seinen Ideen selbst einzubringen. Und natürlich gehört auch eine Prise Humor dazu – für einen herzlichen Lacher bin ich immer zu haben – das erleichtert ungemein.

Welchen USP macht Ihr Unternehmen im Umgang mit den Mitarbeitern aus und was wird Ihrer Meinung nach am meisten geschätzt?
Es gibt den schönen Leitspruch: "A company is its people". Auch bei uns steht der Mensch immer im Mittelpunkt. Gemeinsam mit meinem Führungsteam ist mir wichtig, eine erfolgreiche Organisation zu bilden – mit allem, was dazugehört. Ein anerkennendes, respektvolles Miteinander, voneinander zu lernen, der Erfahrungsaustausch – nicht nur lokal, sondern auch mit internationale Kollegen und Kolleginnen: das wird von unseren MitarbeiterInnen sehr geschätzt. HR spielt dabei eine wichtige Rolle – ein Team aufzubauen, das mit Freude an der Sache dabei ist. Gemeinsam eine Kultur zu entwickeln, die Raum für Entfaltung, Diversität und Weiterentwicklung bietet. Es geht auch darum, die Arbeitsbedingungen ständig der sich wandelnden Welt anzupassen. Wir machen uns Gedanken darüber, wie ein Arbeitsplatz und die Zusammenarbeit in den nächsten Monaten oder auch in fünf, zehn Jahren ausschauen können. Hier spielen Inklusion, Gleichberechtigung und Flexibilität eine entscheidende Rolle.

Wie gehen Sie mit Fehlern oder Scheitern um? Wann loben Sie, und wie tun Sie das?
Ein guter Team-Spirit wird bei uns seit jeher gelebt und dazu gehört ganz besonders der Umgang mit Fehlern. Ich finde den Leitsatz "Spread the fame and take the blame" sehr zutreffend. Bei uns steht man gemeinsam als Team für Fehler ein. Im Gegenzug feiern wir Erfolge auch gemeinsam. Aber natürlich ist es auf Führungsebene wichtig, Anerkennung und Lob punktgenau dort zu zollen, wo es nötig ist. Gleichzeitig ist es uns aber wichtig, Anerkennung für Erfolge so weit wie möglich auf unsere MitarbeiterInnen zu verteilen. Auf der anderen Seite übernimmt eine gute Führungskraft jedoch auch die professionelle Verantwortung für Fehler. Dadurch gibt man den MitarberiterInnen ein Gefühl von Sicherheit, wenn mal etwas schiefläuft, und außerdem schweißt es das Team noch mehr zusammen.

Zur Person
Sigrid Krupica ist seit drei Jahrzehnten in der PR-Branche aktiv. Sie verfügt über weitgefächerte Erfahrung in der Entwicklung und Umsetzung von Kommunikationslösungen für Unternehmen und Marken. Sigrid Krupica ist seit Juli 2014 CEO von Grayling Austria. Zuvor war sie von 2006 bis 2014 Managing Director bei Grayling /ehemals Trimedia, wo sie seit 2001 als Mitglied des Management-Teams das Centre of Excellence „Consumer Brands & Healthcare“ leitete und in der Geschäftsführung die Stabstelle HR verantwortete.
Von 1998 bis 2000 war Sigrid Krupica bei ikp Institut für Kommunikations-Planung als Senior Beraterin und Teamleiterin beschäftigt. Zuvor war sie drei Jahre lang für Communications & Marketing von The Body Shop Österreich zuständig.

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