CASH+/dm drogerie markt: Harald Bauer: "Wir e...
 
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Harald Bauer: "Wir erwarten uns eine faire Behandlung!"

dm/Kolarik
Harald Bauer, dm-Geschäftsführer für Marketing & Einkauf: "Wir sind ein verlässlicher Partner für unsere Industriepartner und erwarten uns im Gegenzug eine faire Behandlung, um unserem Versorgungsauftrag nachkommen zu können."
Harald Bauer, dm-Geschäftsführer für Marketing & Einkauf: "Wir sind ein verlässlicher Partner für unsere Industriepartner und erwarten uns im Gegenzug eine faire Behandlung, um unserem Versorgungsauftrag nachkommen zu können."

Harald Bauer, Geschäftsführer Marketing & Einkauf bei dm drogerie markt, sprach mit CASH über die Bilanz und die Herausforderungen dieses Geschäftsjahres, in dem man unter anderem mit Lieferschwierigkeiten seitens der Industriepartner konfrontiert war.

Herr Bauer, dm konnte in Österreich in einem schwierigen Geschäftsjahr um 1,6 Prozent wachsen. Entspricht diese Entwicklung Ihren heurigen Erwartungen und sind Sie insgesamt zufrieden?
Harald Bauer: Es kommt darauf an, von welchem Zeitpunkt der Erwartungen wir ausgehen. Zu Beginn des Geschäftsjahres im Oktober 2019 haben wir uns mehr erwartet und auch die Zahlen lagen bis zum März ganz woanders. Angesichts des ersten Lockdowns lagen die Erwartungen niedriger als letztendlich das tatsächliche Ergebnis aussah. In Summe sind wir weit davon entfernt, uns zu beschweren. Im Gegenteil. Wir sind sehr dankbar und demütig, dass wir dieses überaus herausfordernde Jahr so gut gemeistert haben und unserem Versorgungsauftrag nachkommen konnten, wenngleich 2019/20, betrachtet nach der Dynamik, eines unserer bescheidensten Geschäftsjahre war.

Der LEH ist der Profiteur der Krise, Stichwort One-Stop-Shopping. Wie viel ist Ihnen letztlich vom Umsatzkuchen entgangen?
Der LEH hat klar vom One-Stop-Shopping auf Kosten des DFH profitiert. Unter den Drogerien hat sich dann wiederum gezeigt, dass unsere Kunden die treuesten sind. Das ist ein starkes Zeichen, dass wir mit unseren Investitionen der letzten Jahre in unsere Mitarbeiter, unser Sortiment, unsere Läden vieles richtig gemacht haben. Drogerieprodukte im Lebensmittelhandel einzukaufen ist aber keine Dauerlösung, das haben wir auch rasch gesehen.

Heißt das auch, dass dm von den Hamsterkäufen nicht profitieren konnte?
Wir konnten von den Hamsterkäufen vor dem Lockdown anfangs profitieren, aber die Freude währte nicht lange, da das ganz schnell wieder abgeflacht ist. Zudem hatten wir im Lockdown unsere Friseur- und Kosmetikstudios sechs Wochen lang geschlossen. Die Dienstleistungen machen 10 Prozent des Umsatzes aus und dementsprechend groß waren die Einbußen, wenngleich wir in den Wochen nach der Wiedereröffnung eine überaus gute Entwicklung verzeichnet haben.

„Wir sind gerade dabei zu evaluieren, inwieweit wir gegenüber anderen Händlern benachteiligt worden sind.“
Harald Bauer
Trotz alldem konnte dm heuer hierzulande ein Umsatzwachstum von 1,6 Prozent generieren. Dass das nicht auf Preiserhöhungen beruht, geht aus Ihrem Geschäftsbericht hervor, dem zufolge Sie heuer Preisanpassungen unter der Inflationsrate vorgenommen haben. Worauf führen Sie das Wachstum also zurück, was hat Sie heuer gerettet?
Uns haben vor allem Maßnahmen aus der Vergangenheit gerettet – die vielfältigen Investitionen, insbesondere auch in die Unternehmenskultur und in unsere Mitarbeiter. In der Krise hat sich das als sehr hilfreich erwiesen. Dazu gehört auch eine breite Selbstständigkeit, in der unsere Filialteams arbeiten können. Für unsere Mitarbeiter, darunter auch unsere Friseure, war es zum Beispiel selbstverständlich, in anderen Filialen auszuhelfen. Es war unglaublich, was für ein Engagement und welchen Zusammenhalt unsere Teams an den Tag gelegt haben. Ein weiterer Aspekt ist, dass wir die Ressourcen unseres Onlineshops über die letzten Wochen und Monate vervierfacht haben, indem wir einen Teil der Bestellungen auf die Filialkommissionierung umgestellt haben. Wir sind jetzt in der Lage, dieses Konzept sehr schnell zu skalieren und bei Bedarf auf noch mehr Filialen auszuweiten. Auch hier gebührt mein Dank unseren Filialmitarbeitern.

Wie hoch ist der Anteil des Onlineshops am Gesamtumsatz?
Unser Webshop auf dm.at hat weiterhin sehr hohe und weiter steigende Zugriffszahlen, weil sich viele unserer stationären Kunden online über Produkte, Inhaltsstoffe, Anwendungen etc. informieren. Er leistet damit einen wichtigen Beitrag im Gesamt-Kommunikationsmix von dm. Der Umsatzanteil hat sich auf niedrigem Niveau heuer verdoppelt, entwickelt sich nun sehr dynamisch und bewegt sich in Richtung zwei Prozent. Damit ist dm.at bei weitem unsere größte Filiale.

Hatten Sie Schwierigkeiten mit der Warenverfügbarkeit?
Durch unser Dauerpreissystem haben wir sehr glatte Warenströme und keine Peaks. So können wir sehr gut prognostizieren, was wir verkaufen, sodass unsere Reservemengen in den Filialen schlanker sind. Dadurch sind wir aber gleichzeitig anfälliger für Peaks von außen, wie etwa Hamsterkäufe aufgrund von Covid-19. Das ist der eine Aspekt. Der andere liegt bei unseren Lieferanten: Hier sind wir gerade dabei zu evaluieren, inwieweit wir gegenüber anderen Händlern benachteiligt worden sind. Wir sind ein verlässlicher Partner für unsere Industriepartner und erwarten uns im Gegenzug eine faire Behandlung, um unserem Versorgungsauftrag nachkommen zu können. 

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