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Christian Prauchner im CASH-Interview: Immer in Bewegung

Das war Christian Prauchner auch beim CASH-Lokalaugenschein in seinem Nahversorgerzentrum in Pöchlarn. Den Kunden Hände schütteln, die Mitarbeiter begrüßen – Stillstand gibt’s nicht. Er will mitgestalten, mitwirken, um etwas zu bewegen. Auch als Sprecher und Vizepräsident der Spar-Kaufleute.

Christian Prauchner, Spar-Kaufmann und Sprecher und Vizepräsident der Spar-Kaufleute
© Markus Wache
Christian Prauchner, Spar-Kaufmann und Sprecher und Vizepräsident der Spar-Kaufleute
Christian Prauchner: „Ich habe die Spar immer so erlebt: Wir haben Verträge, und die werden eingehal
© Markus Wache
Christian Prauchner: „Ich habe die Spar immer so erlebt: Wir haben Verträge, und die werden eingehal
CASH: Herr Prauchner, Sie sind seit zwei Jahren Spar-Vizepräsident beziehungsweise Sprecher der Spar-Kaufleute. Sie haben drei Geschäfte, die Sie seit Jahren gemeinsam mit Ihrer Frau Claudia sukzessive weiterentwickelt haben und das auch weiterhin tun. Es fehlt Ihnen also nicht an Arbeit. Wieso tut man sich dann eigentlich eine Funktion wie die des Vizepräsidenten an?
Christian Prauchner: Ich bin ein Idealist, und diesen Idealismus habe ich in mir. Ich möchte mitgestalten, mitwirken und dazu beitragen, etwas zu bewegen. Wir haben mit Spar eine sehr starke Dachmarke. Wenn sich jeder Kaufmann dann auch noch die Frage stellt, was kann ich den Kunden darüber hinaus noch vermitteln und bieten, dann werden wir die Kraft der Gruppe noch besser nützen können. Und das ist natürlich auch für mich als Spar-Kaufmann gut.

Ist man sich in der Gruppe immer einig? Wie erleben Sie das?
Es gibt wie überall auch kritische Stimmen zu bestimmten Themen, und genau hier müssen wir ansetzen und hinhören. Dazu gehört eine gewisse Offenheit und auch Wertschätzung dem anderen gegenüber. Das möchte ich noch verstärken und bewusstmachen, dass uns das stärkt.

Es taucht immer wieder die Frage auf: Wie frei ist ein Kaufmann wirklich, der einer Organisation angehört? Fühlen Sie sich als Spar-Kaufmann wirklich ganz frei und als eigenständiger, selbstständiger Unternehmer?
Ja. Ich entscheide mich frei, einen Vertrag zu unterschreiben. Wenn ich mich dadurch unfrei fühle, na dann werde ich schauen, wie ich mich frei fühlen kann.

Sie sind aber jedenfalls in die Aktionspolitik eingebunden, und die ist bei der Spar durchaus aggressiv angelegt. Gefällt Ihnen das?
Die Branche ist in einer brutalen Situation, was die Marktverdrängung betrifft. Ich frage Sie: Wo sind diejenigen, die nicht auf Aktionen gesetzt haben? Die ganze Branche vermittelt in dieser brutalen Situation jedenfalls, dass Lebensmittel nichts wert sind. Wir werfen mit den Preisen herum und verwirren die Kunden. Natürlich gefällt mir das alles nicht und mein Wunsch ist, weniger aggressiv zu sein. Aber das schau ich mir an, was passiert, wenn wir mit den Preisen hinaufgehen.


In Ihren eigenen Flugblättern machen Sie aber auch über nationale Aktionen hinaus eigene.

Die Kunden verlangen das. Der Markt in Pöchlarn, wo wir jetzt gerade sitzen, ist von Mitbewerbern dicht umgeben. Das ist eine große Herausforderung.

Hin und wieder werden die Spar-Kaufleute ja auch von den Eigenfilialen der Spar in die Zange genommen.
Das kommt vor, aber man muss sich auch die Frage stellen: Würde es die Filialen nicht geben, würde es die Spar-Kaufleute heute geben? Man muss sich immer beide Seiten anschauen.

Sie sind seit Ihrer Firmengründung im Jahr 1994 bei der Spar. Was hat sich seither am stärksten in der Beziehung Kaufleute – Großhandel verändert?
Der Großhandel ist natürlich in den Jahren auf allen Ebenen immer professioneller geworden. Wenn ich nur an die Sortimentspolitik denke: Die Vielfalt, aus der ich heute auswählen kann, ist enorm. Durch die Professionalität ist auch das Raunzen in der Kollegenschaft weniger geworden.

Auch, wenn sie an die letzte Spanne denken?
(lacht): Mehr kann es auf jeden Fall sein, das wird jeder Kaufmann, egal welcher Organisation er angehört, sagen. Nein, im Ernst: Wir sind auf einem guten Weg, aber ich sehe für uns Spar-Kaufleute schon, dass wir in den nächsten Jahren sicherlich um ein Prozent mehr brauchen. Das hängt mit der Marktentwicklung generell, mit den steigenden Kosten zusammen.

Was meinen Sie: Wie gesund ist die Struktur der Spar-Kaufleute?
Ich glaube, sie ist die gesündeste im Vergleich mit anderen Kaufleuten.

Wenn Sie an den gesamten Stand der Kaufleute denken, was betrifft alle gleichermaßen?
Dass wir unternehmerisch denken müssen. Der selbstständige Unternehmer darf nicht der schlechtverdienenste Mitarbeiter sein. Wenn unternehmerisches Risiko nicht mehr bezahlt wird, macht es keinen Spaß mehr.

Weil wir schon bei den Mitbewerbern sind: Was fällt Ihnen spontan zu den Diskontern ein?
Die Frage: Wohin bewegt er sich jetzt? Was ist das Profil eines Diskonters? Und natürlich ist der Diskont ein bedeutender Mitbewerber, aber ich sage Ihnen auch: Ich habe mittlerweile schon eine gewisse Gelassenheit, denn wir versuchen ja, Paroli zu bieten – in der Feinkost, in der Frische, auch wenn wir da manchmal extrem preisaggressiv sind. Aber das ist auch gut so.

Die Spar feiert ja im nächsten Jahr das 65-jährige Jubiläum. Was erwarten Sie da an Maßnahmen seitens des Konzerns?
Man wird sich da sicherlich was einfallen lassen, aber das erfahren wir erst später. Wir sind in diesen Prozess nicht eingebunden.

Finden Sie das nicht komisch? Es gibt über 750 Spar-Standorte von Kaufleuten.
Nein, ich finde das nicht komisch. Das ist nationales Marketing, es war für mich nie eine Frage, darin eingebunden zu sein. Wir sehen uns da eher als die Umsetzer der Jubiläumsaktivitäten. Ich persönlich finde auch, dass wir uns lieber um unsere eigenen Geschäfte kümmern sollen.

Wie werden Sie dann 65 Jahre Spar feiern?
Im Detail weiß ich das noch nicht. Dieses Jubiläum fällt mit unserem eigenen 25-jährigen Bestandsjubiläum in Pöchlarn zusammen. Darauf schauen wir maßgeblich. Ich möchte dafür die Regionalität noch mehr in den Mittelpunkt rücken.

Herr Prauchner, vielen Dank für dieses Gespräch.

Großumbau in Pöchlarn
Christian Prauchner steht in Pöchlarn vor einem Mammutprojekt. Mit einem Investitionsvolumen von rund 7 bis 7,5 Millionen Euro wird der Eurospar beziehungsweise die gesamte in Prauchners Besitz befindliche Immobilie, in der sich auch ein Bipa, ein Libro, ein Mode- und ein Blumengeschäft befindet, völlig neu gebaut. Das alles bei laufendem Betrieb, weshalb die Bauarbeiten auch abschnittsweise durchgeführt werden. Die Anordnung der Geschäfte erfolgt nach neuesten Erkenntnissen wie auch der Ausbau der Gastronomie, die sich bisher direkt im Eurospar befunden hat. Die Anzahl der Parkplätze wird von 100 auf 170 aufgestockt. 2020 soll das Großprojekt beendet und die Kompletteröffnung gefeiert werden.

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