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Christof Kastner: Ein Vierteljahrhundert am Ruder

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KR Christof Kastner feiert heuer sein 25-jähriges Firmenjubiläum. Im CASH-Interview lässt er Branchenentwicklungen und Meilensteine der Unternehmensgeschichte Revue passieren.

CASH: Herr Kastner, was waren damals Ihre ersten Aktivitäten, als Sie im Jahr 1994 offiziell in die Firma eingestiegen sind?
Christof Kastner: Bereits während meiner Schul- und Studienzeit war ich in den verschiedensten Firmenbereichen praktisch tätig – vom operativen Wareneingang, über die Kommissionierung bis hin zur Auslieferung mit Lkw und Anhänger. Als ich dann im Jahr 1994 offiziell ins Unternehmen eingestiegen bin, war eines meiner ersten Projekte die Schaffung der Marke Kastner. Aufbauend auf meinem Diplomarbeitsthema „Strategieimplementierung im Großhandel“ habe ich daran gearbeitet, für unsere vier Geschäftsbereiche Großhandel, Einzelhandel, Abholmarkt und Gastrodienst ein gemeinsames Logo zu schaffen. Diese vier versetzten Rauten prägen auch heute noch unser Firmenlogo.

Wie war das Handelsunternehmen Kastner damals hinsichtlich geografisches Tätigkeitsgebiet aufgestellt?
Im Jahr 1994 hatten wir die drei Großhandelsstandorte Zwettl, Krems und Eisenstadt. Bis heute sind mit Amstetten, Jennersdorf, Wien Nord, Wien Süd, Gmünd und Zagging sechs weitere hinzugekommen. Dazu passend noch eine andere Zahl. In der Geschichte der Kastner-Gruppe, die bis zum Jahr 1828 zurück reicht, gab es insgesamt 25 Firmenübernahmen. 16 davon habe ich in den letzten 25 Jahren federführend abgewickelt. Das hat unter anderem dazu geführt, dass sich unser Firmenumsatz von 56 Millionen Euro im Jahr 1994 auf heuer wahrscheinlich rund 245 Millionen Euro mehr als vervierfacht hat.

Und das Kastner-Sortiment, wie hat sich das in den letzten 25 Jahren entwickelt?

Ich möchte sogar noch etwas weiter zurückblicken. In den 1970er-Jahren hat sich unser Sortiment aus rund 2.500 Artikeln zusammengesetzt. Als wir dann im Jahr 1987 in das Gastrogeschäft eingestiegen sind, erhöhte sich die Artikelanzahl auf in etwa 15.000. Aktuell stehen wir bei rund 60.000 Artikeln, davon beispielsweise 15.000 Bio-Lebensmittel, weitere 15.000 Produkte aus dem Bereich Geschirr und Co sowie 7.000 Getränke, davon alleine 2.500 Weine von über 450 in- und ausländischen Winzern.
 
Gleich zu Beginn Ihrer Berufskarriere erfolgte am 1. Jänner 1995 der EU-Beitritt Österreichs. Was hat sich dadurch für den Lebensmittelhandel geändert?
Die oberste Priorität für uns Lebensmittelhändler war damals die Kalkulation. Die Preise für etliche Produkte wie etwa Mehl oder Butter sind ja durch den EU-Beitritt stark nach unten gerutscht. Da mussten wir schauen, dass der Rohertrag in absoluten Zahlen gleich bleibt und nicht nur der prozentuelle Wert.

Weil wir gerade bei Rohertrag und Kalkulationen sind – wie hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten 25 Jahren die Zusammenarbeit zwischen Handel und Markenartikelindustrie gewandelt?
Die Industrie hat immer schon besser verdient als der Handel. Aber wenn derzeit FMCG-Hersteller zum Teil EBIT-Margen von 15 bis 25 Prozent erzielen, dann plädiere ich ganz klar für eine neue Wertschöpfungspartnerschaft. Schließlich sind es wir Händler, die die flächendeckende Distribution der Produkte der Markenartikler bis in den hintersten Winkel des Landes sicherstellen. Weiters möchte ich in diesem Zusammenhang erwähnen, dass Nachhaltigkeit selbstverständlich Geld kostet. Ein Beispiel sind die Mehrweggebinde, die sich wieder steigender Beliebtheit erfreuen. Es ist daher meiner Meinung nach absolut legitim, wenn der Lebensmittelhandel zur Abdeckung seines erhöhten Aufwands von der Industrie eine Mehrwegmanipulationsgebühr einhebt, umgelegt etwa pro umgeschlagener Bierkiste.
   
Als Großhändler stehen Sie ja im permanenten Austausch mit den Kaufleuten. Wie haben sich hier die Anforderungen an Großhändler im letzten Vierteljahrhundert verändert?
Von Kaufleuten geführte Geschäfte leben in erster Linie von den Menschen, die dort arbeiten. Das war in der Vergangenheit so und wird auch in Zukunft so sein. Damit sich die Kaufleute voll und ganz auf ihre Kunden konzentrieren können, haben wir als Großhändler in den letzten Jahrzehnten ein immer dichteres Netz an Serviceleistungen etabliert. So übernehmen wir heute bei Kastner wenn gewünscht die komplette Buchhaltung und Lohnverrechnung für die Kaufleute, beraten beim Ladenbau und helfen beim Kommunikationsauftritt.

Ihre zweite Kundengruppe sind die Gastronomen – mit welchen Anforderungen wurden Sie hier vor 25 Jahren konfrontiert und welche sind dies heute?
Auch hier gilt: Der volle Fokus der Gastronomie muss auf ihren Kunden liegen. Um dabei möglichst effizient zu sein, hat es meines Erachtens mehr Sinn, sich auf einen Systempartner zu konzentrieren, als mit fünf oder mehr unterschiedlichen Lieferanten zusammenzuarbeiten. Als Multifachgroßhändler, der alles aus einer Hand anbieten kann, sehe ich uns hier sehr gut aufgestellt.
Abschließende Frage: Wo sehen Sie sich selbst in 25 Jahren?
Da werden auf alle Fälle schon andere Personen das Ruder im Unternehmen übernommen haben. Ich will sicher nicht bis zum 80. Lebensjahr Vollzeit arbeiten und dann langsam in die Teilzeit wechseln. (lacht)

Herr Kastner, vielen Dank für das Gespräch.
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