Christof Kastner: Christof Kastner im CASH-In...
 
Christof Kastner

Christof Kastner im CASH-Interview: In Generationen denken

Markus Wache
KR Christof Kastner
KR Christof Kastner

Die Kastner Gruppe feiert das 190-jährige Jubiläum. KR Christof Kastner blickt im CASH-Gespräch eher in die Zukunft als in die Vergangenheit: Letztere ist eine Erfolgsgeschichte. Jetzt geht es um die Gestaltung der nächsten Jahrzehnte.

CASH: Herr Kastner, Sie haben Anfang September das 190-jährige Firmenjubiläum gefeiert. Was zeichnet das Unternehmen bis heute aus?
Christof Kastner: Dass wir seit der Firmengründung eine beeindruckende Kontinuität liefern. Dass jeder von uns, der das Unternehmen geführt hat bzw. führt, sehr genau weiß, dass wir das jeweils nur auf Zeit, also nur für eine Generation tun. Damit trägt jeder eine sehr große Verantwortung, und das nicht nur für die eigene Familie. Es ist der Firma Kastner – und das ist bis heute so – immer darum gegangen, auch einen Beitrag für die Öffentlichkeit, die Gesellschaft und für die Region zu leisten. Ich gebe Ihnen ein Beispiel dafür: In Zwettl beschäftigen wir rund dreihundert Mitarbeiter. Wenn das nicht so wäre, dann hätte Zwettl ein Problem. Das verstehe ich unter anderem darunter, wenn ich sage, wir tragen Verantwortung und nehmen diese auch wahr.

Was seit Generationen am Plan steht, ist die Expansion, der Wille zu wachsen. Es gab viele Firmenübernahmen, mit denen sich Kastner gestärkt hat. Welcher Antrieb steckt hinter dieser konsequenten Strategie?

In unserem Bereich ist Größe zwingend. Wir sind ein Lebensmittelgroßhändler und da bedeutet Größe ganz einfach, bessere Einkaufskonditionen zu erhalten.

Fressen die Großen die Kleinen oder die Schnellen die Langsamen? Was halten Sie davon?

Nichts. Darum geht es aus meiner Sicht schon länger nicht mehr. Es geht darum, wer das meiste Geld für Investitionen hat und wer am geschicktesten am Markt agiert.

Woher kommt das Geld für Ihre Investitionen?
Aus dem Cashflow. Die Eigenkapitalquote der Kastner Gruppe liegt weit über fünfzig Prozent. Und wie schon gesagt: Wir denken in Generationen – bei uns bleibt das Geld im Unternehmen.

Derzeit macht die Kastner Gruppe einen Umsatz von rund 217 Millionen Euro, für 2019 peilen Sie 240 Millionen Euro an. Was ist Ihr nächstes großes Ziel?
Wir wollen bis 2025 bei rund 330 Millionen Euro liegen.

Heuer haben Sie Geko gekauft, wer folgt als nächster?
Das werde ich jetzt sicherlich nicht sagen. Aber wir schauen uns den Markt natürlich Tag für Tag und sehr genau an.

Worauf legen Sie bei Ihrem Expansionskurs den Fokus?
Ganz klar darauf – und das war auch schon in der Vergangenheit so –, dass wir ein Lebensmittelgroßhändler sind.

Aber Sie haben ja auch Nah&Frisch-Eigenfilialen.
Ja, aktuell zwölf, und unser Weg ist, diese Anzahl auf fünf, höchstens sechs zu reduzieren. Die wenigsten werden wir schließen, sondern versuchen, Kaufleute für die Übernahme zu gewinnen.

Welche Bedeutung haben die Nah&Frisch-Kaufleute aus Ihrer Sicht?
Für die Kastner Gruppe als Großhändler naturgemäß eine sehr große, und natürlich auch, wie ich eingangs geschildert habe, eine ebenso große für die Öffentlichkeit, die Gesellschaft und für die jeweilige Region.

Sie sind für rund 160 Nah&Frisch-Kaufleute Großhändler. Wie viele hätten Sie gerne als Kunden?
Wir haben eine sehr fleißige und gute Expansionsabteilung, die immer auf der Suche nach guten Standorten ist

…… bzw. nach guten Kaufleuten.
Die große Zeit der aktiven Akquise ist vorbei. Ja, es haben in den letzten Jahren einige zur Kastner Gruppe gewechselt. Es geht uns aber nicht darum, die Anzahl der Kaufleute zu verdoppeln. Wir möchten gerne zwei, drei Kaufleute pro Jahr dazugewinnen. Und auch die Kaufleute aus der Steiermark oder dem Burgenland wissen, dass wir gute Arbeit leisten.

Es ist ja immer wieder die Frage, welche Verkaufsfläche der Kaufmann braucht, um das Geschäft erfolgreich führen zu können. Wie sehen Sie das?
Ich weiß nicht, ob das immer wieder die Frage ist. Unser Thema ist eine überschaubare Fläche von 200 bis 400 Quadratmetern und ist nicht die Größe eines Supermarktes.

Nah&Frisch ist im Wiener Raum ja selten zu sehen. Lassen Sie da nicht viel liegen?
Wien ist eine wachsende Metropole und ist sehr wichtig für uns. Wir sind hier mit unseren Abholmärkten Wien Nord und Wien Süd sehr gut unterwegs. Mit der Übernahme von Geko können wir in Wien weiter aufholen...

… Kastner hat schon sehr viele unterschiedliche Geschäftsfelder, wie etwa auch Kastner Stop+Shop, myProduct, Sie sind mit Biogast auch Bio- und Naturfachhändler. Wo setzen Sie da die Schwerpunkte?
Wenn man unsere Mission, unser Handeln versteht, dann bestätigt sich das, was ich schon gesagt habe: Es geht immer darum, wie wir uns als Großhändler verbessern und wie wir wachsen können. Das zieht sich durch alle Sparten durch, die wir mit einer ausgeklügelten Logistik verschränken. In der Logistik expandieren wir übrigens nach Tirol und Vorarlberg.

Um was zu tun?
Um die Belieferung unserer Gastrokunden oder jener aus dem Bio- und Naturfachhandel zu optimieren und um dort auch weiter wachsen zu können. Die Grenzüberschreitung, also sozusagen aus unserem ursprünglichen Gebiet hinauszugehen, das hat schon vor einigen Jahren begonnen. Die Gastronomie und die Biogast-Kunden wollen unsere Dienste eben österreichweit haben.

In welchen Bereichen sehen Sie denn noch ein schönes Potenzial für Wachstum?
Das gibt es in mehreren. Erwähnen möchte ich, dass der Getränkegroßhandel für uns ein sehr wichtiges Thema im Fachgroßhandelsbereich ist.

Wichtig scheint Ihnen auch die Digitalisierung des Unternehmens und das Thema Onlineshop zu sein.
Das ist mir sehr wichtig. Und um das zu verdeutlichen: Vierzig Prozent des gesamten Onlineshop-Gastronomieumsatzes in Österreich laufen über unseren Onlineshop. Was wir uns so einsparen, investieren wir in unseren Außendienst, der unsere Kunden professionell unterstützt.

Wo macht es für Sie eigentlich Sinn, mit Partnern zusammenzuarbeiten, oder ist die Gruppe ein Einzelkämpfer?
Für bestimmte Prozessoptimierungen setze ich auf starke Partner. Ich gebe Ihnen drei Bespiele: Wir nützen intensiv den Markant-Datenpool, weil wir uns nicht etwas aufbauen wollen, auf das wir zurückgreifen können. Das zweite Beispiel: Wir sind zu klein dafür, selbst Eigenmarken auf den Markt zu bringen. Deshalb setzen wir auf die Selex-Eigenmarken in der Gastronomie, die sensationell funktionieren und auf die Eigenmarke Jeden Tag. Wir verzeichnen bei beiden ein zweistelliges Umsatzwachstum.

Da wird sich die Industrie freuen …
… und ich profitiere vom Mengenpooling der Markant – das ist mein drittes Beispiel …

Finden Sie, dass die Industrie die Big Player im Handel oder sogar die Diskonter bevorzugt?
Ich trete für die Wertschöpfungsgerechtigkeit ein. Unsere Distributionsbreite ist unsere Leistung und die ist eine höhere wie vom Diskont. Großkonzerne würden ohne uns nie bis in die letzten kleinen Räume kommen.

Was ist der Grund für die Ungleichbehandlung?
Es ist die Gier. Wir brauchen einen Systemwechsel, wir brauchen ein viel größeres Engagement aller Beteiligten in der Ökologie. Die Kastner Gruppe ist sich auch dieser Verantwortung bewusst.

Herr Kastner, vielen Dank für dieses Gespräch!

Kurz & wichtig
Gesamtumsatz: 217 Mio. €
Hochrechnung 2019: 245 Mio. €
zählt in NÖ zu den Top 60-Betrieben
ca. 900 Mitarbeiter, davon 40 Lehrlinge
Vertriebsschienen: Nah&Frisch, myProduct.at, ­Kastner Abholmärkte, Kastner Shop + Shop, Biogast
365.000 Rollbehälter p. a.
60.000 Artikel, davon 14.000 Bio
inkl. Geko ab 1.1.2019: 9.500 Zustell-, 33.000 Abholkunden; 66.500 m² Lager- u. VK-Fläche; 90 Lkw; 85 Pkw;
Wertschöpfungsbeitrag der Kastner Gruppe (Summe aller Löhne, Sozialabgaben, Steuern): 31 Mio. €

Auf einen Blick
1828 wurde in Kirchbach/NÖ mit einer Gemischtwarenhandlung der Grundstein für die Unternehmensgeschichte von Kastner gelegt. Jenen für die Großhandelstätigkeit legten Franz und Anna Kastner, die 1903 mit dem Betrieb nach Zwettl übersiedelten, wo seither die Firmenzentrale ist. Von 1923 bis 1964 führte KR Karl Kastner das Unternehmen, ihm folgte KR Peter Kastner, der bis 2007 die Führung innehatte und den Startschuss für eine weitreichende Expansion gab. Ihm folgte sein Sohn, KR Christof Kastner, nach, der die Kastner Gruppe umsichtig ausbaut und wie die Generationen vor ihm auf die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens setzt.

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