Top-Team Zentraleinkauf: EXKLUSIV Manuel Hofe...
 
Top-Team Zentraleinkauf

EXKLUSIV Manuel Hofer: Stärker als je zuvor

I Factory GmbH
Manuel Hofer, Geschäftsführer Top-Team Zentraleinkauf
Manuel Hofer, Geschäftsführer Top-Team Zentraleinkauf

Die klare Ausrichtung auf den Einkauf für den nationalen Markt ist einem internationalem Wirkungsraum gewichen. Top-Team Zentraleinkauf-Geschäftsführer DI (FH) Manuel Hofer, MBA, schildert im exklusiven CASH-Gespräch die Benefits der neuen Eigentümerstruktur und kündigt einen Relaunch der Bio-­Eigenmarke „natürlich für uns“ an.

CASH: Herr Hofer, der Konkurs von Zielpunkt Ende 2015 hat die Branche ziemlich durcheinandergewirbelt. Auch Top-Team Zentraleinkauf war von den Ereignissen massiv betroffen, hat Einkaufsvolumen verloren und war gezwungen, sich neu aufzustellen. Wenn Sie heute zurückblicken, wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Manuel Hofer:
Das war keine leichte Zeit, denn damals war nicht abzusehen, was das für uns bedeutet. Auch die Lieferanten waren verunsichert und es war ein hartes Stück Arbeit, diese bei der Stange zu halten. Dass man uns trotz allem so viel Vertrauen entgegengebracht hat, dafür bin ich bis heute sehr dankbar. Letztendlich muss man sagen, dass wir extrem gestärkt aus dieser Situation hervorgegangen sind.

Inwiefern? Vor der Zielpunkt-Pleite lag ihr Einkaufsvolumen bei rund einer Milliarde Euro ...
Natürlich ist das Einkaufsvolumen in einer ersten Konsequenz gesunken, aber mittlerweile stehen wir wieder bei 930 Millionen Euro. Wir managen aktuell rund 30.000 Einzelartikel von etwa 1.000 Lieferanten. Mit Partnern wie Lekkerland und der guten Entwicklung bei Transgourmet Österreich und Eurogast konnten wir den Wegfall von Zielpunkt als Vertriebspartner gut kompensieren. Heute arbeiten wir darüber hinaus nach wie vor erfolgreich für Pfeiffer Großhandel Nah&Frisch, Unimarkt, Eurogast, Kiennast Einzelhandel und die Weiß-Gruppe, die unseren 360-Grad-Verhandlungsansatz sehr schätzen.

Lekkerland könnte ja vorbehaltlich der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden von der Rewe übernommen werden. Damit würde Ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit wieder ein Partner abhandenkommen. Auch die Weiß-Gruppe hat ihre Standorte Welas, Tabor und Pro-Kaufland verkauft.

Die Zusammenarbeit mit Lekkerland läuft sehr gut und wir hoffen natürlich, diese fortsetzen zu können. Aktuell ist davon auszugehen, dass die rechtliche Prüfung der Übernahme noch etwas Zeit in Anspruch nimmt. Weiters ist noch offen, wie die Lösungen je nach Land aussehen werden. Wenn Lekkerland Österreich von der Rewe übernommen wird, gehen wir davon aus, dass Lekkerland als Partner von Top-Team wegfällt. Wir wachsen mit unseren Partnern jedoch so stark, dass wir – im Szenario ohne Lekkerland – beispielsweise heuer ein Beschaffungsvolumen in gleicher Höhe haben wie vor zwei Jahren mit Lekkerland. Aber wie gesagt, noch sind die Würfel in dieser Causa nicht gefallen. Für die Weiß-Gruppe kaufen wir nach wie vor ein, da der Standort Pro-Kaufland noch betrieben wird.

Sie haben vorhin Ihren 360-Grad-Verhandlungsansatz angesprochen. Inwiefern ist das für die heimische Industrie ein Vorteil, dass Sie den Einkauf für mehrere Unternehmen verantworten?

Wir vereinbaren je nach Leistungsspektrum Preise, Konditionen, Fixgelder und vieles mehr für die unterschiedlichsten Vertriebsschienen unserer Partner. Damit sorgen wir für eine geballte Vermarktung der Marken und die Hersteller können davon ausgehen, dass sie ihren Umsatz steigern werden. Und das ist letztendlich genau das, worum es geht. Aufgrund der internationalen Anbindung an die Transgourmet- und Coop-Unternehmen ermöglichen wir den Lieferanten, auch an internationalen Ausschreibungen teilzunehmen und so ihre Exporttätigkeit und den Eintritt in neue Märkte anzukurbeln.
„Wir nützen Synergien dort, wo es sinnvoll ist.“
Manuel Hofer

Wie wichtig ist das internationale Geschäft für die Performance von Top-Team Zentraleinkauf und wie eigenständig können Sie das Unternehmen eigentlich noch leiten?
Das Umfeld von Top-Team Zentraleinkauf hat sich massiv verändert, denn wir haben uns mit einer klaren Ausrichtung auf den nationalen Absatzmarkt in der Beschaffung deutlich internationaler aufgestellt. Die Kombination des Österreich-Geschäfts mit dem internationalen Geschäft hat dazu beigetragen, dass wir heute kompetenter und stärker sind als je zuvor. Die Transgourmet Holding als neuer Eigentümer ist dezentral organisiert und Verwaltungsratspräsident Hansueli Loosli legt großen Wert darauf, dass die Geschäfte von den Teams vor Ort geführt werden. Somit haben wir genau den Gestaltungsspielraum, den wir brauchen. Wir nützen Synergien dort, wo sie sinnvoll sind.

Wo zum Beispiel?
Wir profitieren einerseits enorm vom internationalen Erfahrungsaustausch mit den Ländergesellschaften in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Polen, Rumänien und Russland. In Sachen Convenience-Konzepte können wir uns zum Beispiel wahnsinnig viel von der Coop Schweiz abschauen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die internationale Rohstoffbeschaffung. Wir sind gut in das Netzwerk der produzierenden und handelnden Unternehmen der Coop-Gruppe – wie Bell Food Group, Eisberg oder Alifresca – eingebunden, aber nicht zur Zusammenarbeit verpflichtet. Auch hier gilt wieder: Wo es sinnvoll ist, nutzen wir die Möglichkeiten, die uns die Gruppe bietet.

S
tark erweitert hat sich auch das von Ihnen zu verantwortende Eigenmarkenportfolio. Werden Sie diesen Bereich in Zukunft stärker forcieren?
Wir managen alle Eigenmarken für Transgourmet Österreich, Unimarkt und Pfeiffer Großhandel. In Summe sind das mittlerweile acht Marken, die wir in den Bereichen Sortiment, Qualitätsdefinition, Auswahl, Sourcing und Abstimmung mit den anderen Ländern betreuen. Mit diesem Portfolio decken wir alle Preiskategorien von Preiseinstieg über Preis-Leistung und das Mehrwertsegment als auch Preispremium sowie Bio und Nachhaltigkeit ab und können uns über zweistellige Umsatzzuwächse freuen. Dennoch liegen wir im Vergleich mit unseren Mitbewerbern immer noch deutlich unter dem Marktdurchschnitt. Eigenmarken sind ein wichtiges Instrument zur Kundenbindung und ermöglichen eine Differenzierung in einem hart umkämpften Markt. Unsere Bio-Marke „natürlich für uns“ haben wir nach zehn Jahren am Markt einem Relaunch unterzogen, das Logo neu gestaltet und das Packaging überarbeitet. Wir setzen auf einen neuen Werbeauftritt und präsentieren uns jünger und moderner. Darüber hinaus gehen wir den nächsten, wichtigen Schritt hin in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz – Details werden wir im Oktober bekannt geben.

Ich habe den Eindruck, dass Kundenbindung nach wie vor sehr stark über den Preis gespielt wird und ohne Aktionen im Handel gar nichts mehr funktioniert. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Wenn ich so zurückblicke, dann waren die vergangenen 20, 30 Jahre extrem stark vom Preis getrieben. Heute geht es aber darum, die Kunden emotional abzuholen und Strategien zu entwickeln, um sie an sich zu binden. Das funktioniert über den Preis alleine aber nicht, weil die Konzepte am Markt viel zu vergleichbar sind. Ich bin überzeugt, dass die Differenzierung der künftige Erfolgsfaktor sein wird. Es geht darum Mehrwerte zu schaffen und die Kunden mit einem durchdachten Sortiment, tollen Platzierungen, personalisierten Angeboten und hervorragendem Service zu überzeugen. Wenn man das schafft und sich nicht immer die Frage stellt, was etwas maximal kosten darf, sondern was der Kunde bereit wäre zu bezahlen, dann könnte das ein erster Schritt in die Richtung sein, die allen in der Kette einen Mehrwert bietet.

Herr Hofer, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Top-Team Zentraleinkauf
  • Eigentümer: Transgourmet Holding AG und Pfeiffer HandelsgmbH; zu jeweils 50 %
  • Geschäftsführer: DI (FH) Manuel Hofer, MBA
  • Unternehmenssitz: Egger-Lienz-Straße 15, 4050 Traun (OÖ)
  • Einkaufsvolumen 2018: 930 Mio. Euro
  • Mitarbeiter: 40
  • Artikel: rd. 30.000
  • Lieferanten: rd. 1.000
Strategische Kernkompetenzen
  1. Preis- & Konditionsverhandlungen in Orientierung am Prinzip Leistung-Gegenleistung
  2. Internationale Beschaffungen: Beschaffungen ­direkt bei Produzenten auch in entfernten Ursprungsländern, Einsatz einer Datenbank mit 11.000 ­internationalen Rohstoffindizes sowie einer ­Ausschreibungsplattform; Einbindung ins Netzwerk der produzierenden und handelnden Unternehmen der Coop-Gruppe
  3. Eigenmarkenmanagement: Entwicklung und Betreuung aller Eigenmarken von Transgourmet Österreich, Unimarkt und Pfeiffer Großhandel. Das sind: natürlich für uns, Transgourmet Vonatur, Transgourmet Premium, Transgourmet Quality, Transgourmet Economy, Java Premiumcafe, Prime Beef, Asaredo Beef
  4. Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement und Nachhaltigkeit für alle Eigenmarken und Industriemarkenartikel
  5. Datenmanagement/Digitalisierung: Zentrales Artikel- und Lieferantendatenmanagement, B2B-Portal zur Datenerfassung durch die Lieferanten, Business-Analysen und Einkaufspreismonitoring
Erster Top-Team Partnertag
Zum ersten Mal hat Top-Team heuer am 25. Juni in Traun einen Partnertag für alle Kooperationspartner (Transgourmet Österreich, Unimarkt, Pfeiffer Großhandel Nah&Frisch, Eurogast Österreich, Lekkerland Österreich) veranstaltet, bei dem konstruktiv über Trends, zukünftige Herausforderungen und Synergien in der Zusammenarbeit mit Top-Team diskutiert wurde. Besonders spannende Inputs mit internationalem Fokus lieferte Hansueli Loosli, Verwaltungsratspräsident der Coop-, Transgourmet- und Bell-Gruppe.

Manuel Hofer: „Wir profitieren enorm vom internationalen Erfahrungsaustausch mit den Ländergesellschaften der Transgourmet Gruppe.“
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Manuel Hofer: „Wir profitieren enorm vom internationalen Erfahrungsaustausch mit den Ländergesellschaften der Transgourmet Gruppe.“
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