Fairtrade Labelling Organisation: Fair & dyna...
 
Fairtrade Labelling Organisation

Fair & dynamisch

Fairtrade
Rob Cameron, CEO Fairtrade Labelling Organisation im Interview mit CASH. © Fairtrade
Rob Cameron, CEO Fairtrade Labelling Organisation im Interview mit CASH. © Fairtrade

Auch in Krisenzeiten kann Fairtrade ein dynamisches Wachstum vorweisen. Während seines Wien-Besuchs sprach Rob Cameron, CEO von FLO (Fairtrade Labelling Organisation), mit CASH über Marktpotenziale, das Gleichgewicht des Systems und die Festlegung der Fairtrade-Standards.

CASH: Herr Cameron, in den letzten Jahren ist die Nachfrage seitens der Konsumenten nach Fairtrade-Produkten überproportional gestiegen. Doch das letzte Jahr war nicht einfach. Zwar ist Fairtrade im ersten Halbjahr 2009 mit 10 Prozent in Österreich noch immer sehr dynamisch gewachsen, dennoch ist damit das Wachstum geringer ausgefallen als in den Jahren zuvor. Glauben Sie, wird die Wachstumsgrenze von Fair-trade schon bald erreicht sein?



Rob Cameron: Nein, das denke ich ganz und gar nicht. Nach bisherigen Berechnungen wird Fairtrade im Gesamtjahr 2009 zwischen 15 und 20 Prozent wachsen. Das ist zwar weniger als in den vergangenen Jahren, doch mittlerweile agieren wir auch in einem viel größeren Markt. Alles in allem erzielen wir also trotz Rezession ein sehr starkes und ausgezeichnetes Wachstum.

Sie denken also, dass Fairtrade nach der Krise wieder stärker wachsen wird?



Ich wüsste keinen Grund, warum nicht. In einigen Märkten ist der Erfolg gewisser Fairtrade-Produkte einfach überwältigend. So sind beispielsweise in der Schweiz  50 Prozent aller verkauften Bananen Fairtrade-zertifiziert, in Großbritannien wiederum 25 Prozent des Kaffees. Wenn wir das in diesen beiden Märkten schaffen, wird es uns in anderen Ländern ebenfalls gelingen.

Und mit welcher Strategie möchten Sie das Wachstum nun weiter ankurbeln?



Zum einen basiert unsere Strategie auf der Marketingarbeit der nationalen Label-Initiativen, wie Fairtrade Österreich. Zum anderen arbeiten wir gerade daran, unsere Strukturen zu vereinfachen, um etwa unseren Lizenznehmern die Zusammenarbeit weiter zu erleichtern. Es geht aber auch darum, den Konsumenten noch mehr Informationen über das Produkt und dessen Hersteller bereitzustellen. Durch diese Maßnahmen werden wir auch in Zukunft weiter wachsen.

Sehen Sie Potenzial dafür eigentlich auch in der Erweiterung der Produktpalette? 



Das ist natürlich eines unserer zentralen Ziele. Möglichkeiten sehen wir derzeit etwa bei mehr frischen Früchten, Gemüse, Fisch aus Aquakultur, Hülsenfrüchten, aber auch Fairtrade-zertifizierte Seide könnte eine Option sein. Zu unseren Zielen gehören aber auch die Aufnahme neuer Produzenten in das Fairtrade-System sowie die Erschließung neuer Produzentenländer und neuer Absatzmärkte.

Sie haben gerade die Aufnahme weiterer Produzenten in das Fairtrade-System erwähnt. Welches Potenzial besteht hier und wo ist die Grenze erreicht?



Natürlich können wir immer nur so viele Produzenten aufnehmen, als es der Nachfrage nach Fair-trade-zertifizierten Produkten entspricht, das bedeutet für heuer rund 20 Prozent mehr Hersteller. Alles andere würde auch das System aus dem Gleichgewicht bringen. Derzeit arbeiten 1, 2 Millionen Produzenten in 800 Kooperativen unter Fairtrade-Standards. Mit deren Familien profitieren insgesamt sechs Millionen Menschen vom Fairtrade-System.

Apropos Standards: Als CEO von FLO stehen Sie an der Spitze jener Organisation, die die Festlegung der Fairtrade-Standards verantwortet. Nach welchen Kriterien werden diese Standards erstellt?



Am Anfang stehen natürlich genaue Analysen, in denen wir prüfen, ob Produzenten vom Fair-trade-System überhaupt profitieren und ob für ein Produkt die entsprechende Nachfrage am Markt gegeben ist. Dann beginnen wir an der Erstellung der Standards zu arbeiten. Das Ganze ist ein partizipatorischer Prozess, in den von den Produzenten bis hin zu den Lizenznehmern alle Beteiligten von Anfang an involviert sind.

Das heißt, es gelten nicht für alle Produzenten die gleichen Standards?



Nein. Wir haben zwar bestimmte Grundstandards, sie bilden sozusagen die Basis, darüber hinaus legen wir für die jeweiligen Produkte jedoch zusätzlich eigene Standards fest.

FLO unterstützt die Produzenten auch bei der Umsetzung der Standards. Wie sieht diese Unterstützung genau aus?



Wir helfen den Produzenten vor und während des Zertifizierungs-Prozesses, darüber hinaus stehen wir ihnen bei technischen oder finanziellen Schwierigkeiten zur Seite und auch, wenn es über die Zertifizierung hinaus weiterhin erforderlich sein sollte. Sobald die Produzenten die Standards jedoch selbstständig erfüllen können, haben wir im Prinzip unseren Teil getan. Schließlich ist es unser Anliegen, sie zu stärken, aber wir wollen uns ihnen nicht aufzwingen.

Und die Einhaltung welcher Standards bereitet eigentlich die meisten Schwierigkeiten?



Es gibt keinen Standard, der mehr Probleme bereitet als ein anderer. Unbestreitbar ist aber, dass die Erfüllung der Standards für die Produzenten eine Herausforderung darstellt. Und so sollte es auch sein. Eine Zertifizierung zu erreichen, heißt schließlich nicht, einfach ein Formular auszufüllen. Und last but not least haben auch die Konsumenten Erwartungen, wenn sie ein Fairtrade-zertifiziertes Produkt kaufen.

Herr Cameron, vielen Dank für das Gespräch!

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