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Manfred Tacker: Jetzt ist die Politik gefragt

Johannes Brunnbauer
Manfred Tacker/FH Campus Wien
Manfred Tacker/FH Campus Wien

Die Diskusssion rund um das Einwegpfand bei Plastikflaschen treffe gerade einmal ein Sechstel der wahren Problematik, meint Manfred Tacker, Leiter des Fachbereichs Verpackungs- und Ressourcenmanagement am FH Campus Wien. CASH bat ihn zum umfassenden Interview.

CASH: Herr Tacker, noch nie stand das Thema Verpackung so sehr im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses wie in wirren Zeiten wie diesen. Was war aus Ihrer Sicht ausschlaggebend für den gewaltigen Imagewandel der Verpackung?
Manfred Tacker: Vor allem in den letzten drei Jahren hat das Thema Verpackung immens an Wichtigkeit zugelegt. Zum einen hat die medial viel beachtete Meeresverschmutzung dazu beigetragen und zum anderen wurde das Kreislaufwirtschaftspaket EU-weit aufgegriffen und Sammel- sowie Recyclingquoten festgelegt. Wobei man anmerken muss, dass die nationale Umsetzung den Vorgaben wie so oft nachhinkt. Eines der Probleme dabei: Im Fokus steht hauptsächlich Kunststoff, da wir hier noch eine sehr geringe Recycling­rate von 25 Prozent haben.

Wobei ja bekannt ist, dass die für das vieldiskutierte Einwegpfand infrage kommenden PET-Flaschen ja nur ein kleiner Teil der gesamten Kunststoffproblematik sind.
Wir sprechen da von gerade einmal einem Sechstel des Marktes. 2025 sollten wir laut EU-Vorgaben mindestens 50 Prozent der in Verkehr gesetzten Kunststoffverpackungen stofflich rezyklieren‚ da haben wir noch eine große Aufgabe vor uns. Bei Getränkeflaschen kommt noch dazu, dass wir bis 2029 90 Prozent Sammelquote erreichen müssen. Das wird ohne Einwegpfand nur schwer zu erreichen sein. Aus meiner Sicht ist es allerding nicht sinnvoll, die Diskussion auf das Thema Getränkeflaschen zu fokussieren, weil wir dabei den Großteil der sonstigen Kunststoffverpackungen völlig außer Acht lassen. Die Ironie dabei ist, dass der Kreislauf für PET-Flaschen ja gut funktioniert und PET der einzige Kunststoff ist, bei dem aus gebrauchten PET-Flaschen nach Sammlung und Recycling wieder Rezyklat für neue PET-Flaschen wird. Das ist für andere Kunststoffe nicht der Fall. Für die restlichen Kunststoffverpackungen sind neue kreislauffähige und nachhaltige Lösungen notwendig. Hier wäre eine umfassende Nachhaltigkeitsstudie dringend notwendig, um Einzellösungen zu vermeiden und das gesamte Sammel- und Recyclingsystem für Kunststoffverpackungen neu zu überdenken. Denn es ist nicht sinnvoll, jeden kleinen Kunststoffartikel zu rezyklieren. Dazu kommt: Österreich ist keine Insel, wir stehen im Banne der europäischen Gesetzgebung. Jede Weiterentwicklung muss mit den Nachbarn abgesprochen werden und umgekehrt, da mehr als die Hälfte der in Österreich auf den Markt kommenden Kunststoffverpackungen aus dem Ausland kommt. Was fehlt, ist eine Standardisierung für die wesentlichen Bereiche wie Recyclingfähigkeit und Design for Recycling. Derzeit ist das leider nicht der Fall und jedes Land hat da seine eigenen Bestimmungen und Tools.

Wer beziehungsweise wie könnte man das harmonisieren?
Von der wissenschaftlichen Seite her kann man viele Methoden errechnen, aber Standardisierung geht ohne politische Vorgaben nicht. Ein erster Schritt kann in der Schaffung von Industrieempfehlungen liegen. Hier hat diesbezüglich ECR sehr viele Aktivitäten gesetzt für Standards. Aber, wie gesagt, ohne Vorgaben hängt die Industrie völlig in der Luft. Zumindest Empfehlungen hinsichtlich nachvollziehbarer Guidelines wären seitens der Politik notwendig.

Das komplette Interview finden sie hier im E-Paper unserer CASH März-Ausgabe.


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