bellaflora: F. Koll und P. Schweiger-Bodner: ...
 
bellaflora

F. Koll und P. Schweiger-Bodner: Grün und mutig

Johannes Brunnbauer
Die bellaflora-Geschäftsführer Franz Koll und Patricia Schweiger-Bodner wissen, wie sich die Branche ändert.
Die bellaflora-Geschäftsführer Franz Koll und Patricia Schweiger-Bodner wissen, wie sich die Branche ändert.

Mit Franz Koll und Patricia Schweiger-Bodner hat bellaflora ein neues Duo in der Geschäftsführung. Im CASH-Interview erzählen die beiden, wie sie nachhaltige Akzente in Zeiten des Klimawandels setzen wollen.

CASH: Herr Koll, Frau Schweiger-Bodner, seit Mitte des Jahres leiten Sie bellaflora nun gemeinsam – was wird sich unter Ihrer Führung ändern?
Franz Koll:
Wir haben uns viel vorgenommen, bei dem immer der Kunde im Mittelpunkt steht. Darum haben wir ein firmenweites Motto ausgerufen: Die grüne Nummer eins – wir für unsere Kunden. Konkret bedeutet das, dass wir mit Beratung, Service und unserem Sortiment und dessen Präsentation begeistern möchten. Nur, wenn wir unsere Kundschaft motivieren können, wird sich im Handel auch etwas bewegen. Eines unserer Ziele ist es außerdem, mehr zu kommunizieren. Wir sind ein österreichisches Familienunternehmen, welches schon immer sehr nachhaltig agiert hat – das wollen wir fortsetzen und öffentlicher darstellen.
Patricia Schweiger-Bodner: Unser Sortiment entwickelt sich seit Jahren rasch weiter, wir setzen Trends und greifen sie auf. Aktuell sehen wir, dass sich bei Solarbeleuchtung und beim Wassersammeln viel tut – beides bedingt durch den Klimawandel. Wir wollen zeigen, dass trotz dessen Auswirkungen eine heimische Wohlfühloase im Grünen möglich ist, nur eben nachhaltig und klimafreundlich. Beim Führungsstil setzen wir auf firmeninterne Kommunikation und Austausch miteinander. Niemand entscheidet alleine.

Stichwort Klimawandel: Im Sommer 2019 gab es einige Hitzewellen. Wie wirkt sich das auf den Betrieb Ihrer Filialen aus?
Schweiger-Bodner:
Durch den für Pflanzen notwendigen Ladenbau hat die Hitze denselben Effekt wie in einem Glashaus. Das ist eine Herausforderung für Kunden und Mitarbeiter, die wir beide durch Kühl- und Beschattungs-Lösungen entlasten möchten. Unsere Mitarbeiter sind zusätzlich dazu angehalten, regelmäßig Pausen zu machen und wir stellen natürlich kostenlose Getränke zur Verfügung.
Koll: Generell muss man sagen, dass das Bewusstsein für den Klimawandel in der Bevölkerung mittlerweile flächendeckend vorhanden ist. Diese Situation ist kein abstraktes Problem irgendwo auf der Welt, sondern im heimischen Garten angekommen. Wir bemerken, dass bewusster eingekauft wird.

Franz Koll sieht Gärtnern und Gestalten als einen Ausgleich zum oft stressigen Alltag - auch für junge Leute.
Johannes Brunnbauer
Franz Koll sieht Gärtnern und Gestalten als einen Ausgleich zum oft stressigen Alltag - auch für junge Leute.
Und welche Auswirkungen hat das auf die Gestaltung des Sortiments?
Koll:
Zwei Drittel unserer Lieferanten sind aus Österreich und wir setzen auf regionale und Bio-Produkte. Schlagworte wie im LEH, ich weiß. Um das auch tatsächlich umzusetzen sind manchmal radikale Schritte notwendig, so haben wir schon 2013 Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat ausgelistet und durch natürliche Alternativen ersetzt sowie den Torfanteil in Erdsubstraten stark reduziert. Das hat uns Umsatz gekostet, aber es war einfach das Richtige und dazu stehen wir.
Schweiger-Bodner: Durch die langen Sommer und die zunehmenden warmen Abende halten sich die Österreicher häufiger draußen auf. Rund um das Thema „Outdoor Living“ sind wir schon länger gut aufgestellt, es wird sich aber noch viel tun. Um die Aufenthaltsqualität im Außenbereich zu steigern, erweitern wir also unser Sortiment jenseits der Pflanzen auch in Richtung Dekoration und Gartenmöbel.

Nun haben ja Supermärkte und Diskonter bereits Blumen, Saatgut und Gartenzubehör im Angebot. Sehen Sie den LEH als Konkurrenten?
Schweiger-Bodner:
Ja, definitiv. Jeder Händler, der Pflanzen führt, ist unabhängig von dessen Größe für uns ein Mitbewerber. Stellen Sie es sich vor wie ein Kiosk im Vergleich zu einem Supermarkt. Wir wollen uns durch ein breit gefächertes und qualitativ hochwertiges Sortiment sowie durch Kompetenz bei der Beratung unterscheiden. Aber wir wissen: Der Mitbewerb schläft nicht.
Koll: Große Unterscheidungsmerkmale sind neben dem Sortiment die Mitarbeiter und der Service. Von unseren 562 Mitarbeitern sind 85 Prozent Fachkräfte, die zum Beispiel als Gärtner oder Floristen mit entsprechend guter Beratung punkten können. Als Dienstleistungen bieten wir etwa einen klimaneutralen Lieferservice, Topf-Bepflanzungen oder für Firmenkunden ganze Büro-Begrünungen an. Während in anderen Branchen nur noch der Preis und das Aussehen den Unterschied ausmachen, können sich Gartenfachmärkte noch viel stärker durch Spezialisierungen im Sortiment und ihre Dienstleistungen differenzieren.

Wohin sich das entwickelt, können wir ab Anfang Oktober in den neuen Filialen in Graz Liebenau und Leonding sehen – diese eröffnen mit einem frischen Shopkonzept. Können Sie uns dazu bereits etwas sagen?
Schweiger-Bodner:
Wir wollen noch nicht zu viel verraten, aber wir bieten den Kunden mit dem neuen Konzept eine Erlebnis-Welt. Die Produktpräsentation soll inspirieren und Ideen mitgeben. Details gibt es dann zur Eröffnung.
Koll: Wir sehen das neue Konzept als Prototyp, mit dem wir neue Standards setzen möchten. Die hier zu findenden Ideen werden wir feinjustieren und in die bestehenden Standorte übertragen.

Apropos Standorte – 27 Filialen gibt es aktuell, wollen Sie noch weiter expandieren?
Koll:
Nicht in näherer Zukunft. Aktuell setzen wir auf Klasse statt Masse. Wir wissen, dass Kunden teilweise eine Stunde Anfahrt auf sich nehmen und ein Einkauf bei bellaflora soll das auch wert sein. Dafür wird auch das neue Filialkonzept sorgen.

Patricia Schweiger-Bodner sieht den LEH als Konkurrenz an - jedoch nicht in der selben "Gewichtsklasse".
Johannes Brunnbauer
Patricia Schweiger-Bodner sieht den LEH als Konkurrenz an - jedoch nicht in der selben "Gewichtsklasse".
Lassen Sie uns über die Demographie Ihrer Kunden sprechen. Ist Gärtnern und Gestalten auch bei jungen Menschen beliebt?
Schweiger-Bodner:
Wir unterteilen grob in drei Gruppen, die wir fokussieren: Individualisten sind jung und sehen das Gärtnern als Lifestyle, für sie sind Trends wichtig und die bieten wir auch an. Traditionalisten hingegen sind älter und konservativer beim Einkauf, man kann sie eher für die „Klassiker“ im Sortiment begeistern. Dann gibt es noch die Ökologischen, die auf biologisch einwandfreie Produkte und Nachhaltigkeit achten. Wir orten eine große Begeisterung für das Gärtnern und Gestalten bei Jung bis Alt und wollen alle drei Gruppen glücklich machen.
Koll: Für viele junge Leute ist das Gärtnern eine Möglichkeit zum Entspannen. Etwas Greifbares, das Zeit braucht als Gegenpol zum manchmal stressigen Alltag. Diese Kunden sind teils gut informiert und haben ein starkes Bewusstsein für Giftstoffe, Herkunft der Waren und Umgang mit den Mitarbeitern. Hier ist Transparenz wichtig, die wir in Zukunft noch stärker fördern werden.

Sehr trendbewusste Konsumenten also – auch bei Ihnen sind damit Innovationen gefragt. Werden die von der Industrie geliefert?
Koll:
Mir sind viele Hersteller noch zu zurückhaltend, der Mut zur Innovation geht bei Gartencentern vom Handel und erweitert von den Kunden aus. Wir haben zuletzt unser Sortiment bei den hitzeresistenten Pflanzen und Bewässerungssystemen erweitert– beides wieder bedingt durch den Klimawandel. Die Nachfrage in beiden Segmenten ist sehr hoch.
Schweiger-Bodner: Richtig, Trends wie Zero Waste oder Urban Gardening werden wir auch zukünftig weiter bedienen und als Händler können wir durch unsere Nähe zum Kunden besser reagieren. Wir sehen uns trotz unserer mehr als 40-jährigen Firmengeschichte nicht als alteingesessen, viel mehr als ständige Pioniere unserer Branche. Die braucht es heute mehr denn je, denn mit dem Klima wandelt sich auch der Handel.

Aufregende Zeiten stehen also an. Danke für das Gespräch.

Über bellaflora
Umsatz 2018: 83 Millionen Euro
Mitarbeiter: 562, davon 28 Lehrlinge
Geführte Artikel: rund 25.000 aus den Kategorien Pflanzen, Pflanzenzubehör, Gartentechnik, Deko, Gartenmöbel und Wolle
Gründung: 1978 in Linz von Josef Umdasch
Standorte: 27 in 7 Bundesländern (keine Filialen in Salzburg und Vorarlberg)
Firmenzentrale: Leonding bei Linz
Eigentümerin: Hilde Umdasch

stats