Hannes Mraz/Wirtschaftskammer Österreich: Gan...
 
Hannes Mraz/Wirtschaftskammer Österreich

Ganz entspannt

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"Noch ist die Krise nicht im LEH angekommen", sagt der Syndikus der Sparte Handel.
"Noch ist die Krise nicht im LEH angekommen", sagt der Syndikus der Sparte Handel.

Dr. Hannes Mraz, Geschäftsführer der Bundessparte Handel, ortet im LEH auch in schwierigen Zeiten keinen Anlass zu Pessimismus. Die Aufhebung des Kündigungsschutzes für Lehrlinge will er nicht überbewerten, bei der Raumordnung sieht er hingegen Verbesserungsbedarf.

CASH: Herr Mraz, welche Branchen sind von der Wirtschaftskrise bisher am stärksten betroffen?



Hannes Mraz: Am stärksten betroffen ist momentan natürlich der Autohandel, der seit Ende vergangenen Jahres die größten Umsatzeinbrüche verzeichnet. Generell ist es im Handel aber bisher nicht so schlecht gelaufen. Wetterbedingt, jahreszeitbedingt ist es natürlich zu Rückgängen gekommen. Aber zu sagen, dass die Krise den Handel bereits ergriffen hat, dazu ist es noch zu früh.

Wenn Sie sich den LEH anschauen, was kommt eigentlich auf diesen zu?



Der Lebensmittelhandel zählt zu den Branchen, wo die Krise noch am wenigsten durchschlägt. Wie es weitergeht, hängt davon ab, inwieweit viele andere Branchen von der Krise erfasst werden, denn das könnte auf die Entwicklung des Handels entscheidend durchschlagen.

Gibt es somit derzeit kein getrübtes Stimmungsbild im LEH?



Unseren Informationen zufolge ist man natürlich auf die Situation eingestellt. Es ist aber noch kein Anlass zu großem Pessimismus gegeben. Wir glauben schon, dass die Situation im Griff ist.

Viele Lebensmittelhändler haben ihre Geschäfte in Tourismushochburgen. Wie lautet daher Ihre Prognose für den Tourismus und wie wird er sich auf den LEH auswirken?



Das lässt sich momentan nur schwer abschätzen. Bislang hat es im Tourismus keinen dramatischen Einbruch gegeben. Sollte es jedoch zu Rückgängen kommen, wird es auch Auswirkungen auf den Handel haben.

Eine ganz andere Auswirkung wird durch die Aufhebung des Kündigungsschutzes für Lehrlinge erwartet. Viele sehen eine Kündigungswelle auf die jungen Menschen zurollen.



Es wird mit Sicherheit keine dramatischen Entwicklungen geben. Man muss auch die Umstände bedenken: Es wurde im Juni des Vorjahres nur die Möglichkeit der Kündigung von Lehrverträgen geschaffen, und zwar mit Ende jeden Lehrjahres, wobei dieser Kündigung ein Mediationsverfahren, das vom Lehrherren zu bezahlen ist, vorausgehen muss. Wir haben in Österreich rund 130.000 Lehrlinge und bislang wurden sechs Kündigungen ausgesprochen.

Das heißt also, die Sache wird derzeit künstlich hochgespielt?



Ja, es wird hier offenbar dramatisiert, ohne dass ein wirklicher Grund dafür besteht. Lehrverträge konnten auch vor dieser Regelung aufgelöst werden, im Vorjahr wurde es nur vereinfacht und ist unter den genannten Bedingungen möglich. Aber niemand kündigt einen Lehrvertrag aus Jux und Tollerei, es müssen triftige Gründe vorliegen. Und für den Handel gilt generell: Wir suchen Lehrlinge, wir suchen Mitarbeiter, und wir kündigen sie nicht, trotz Krise.

Ein großes Thema ist auch die ländergeregelte Raumordnung. Ist sie in Krisenzeiten ein noch größerer Nachteil?



Wenn die Raumordnung ein Problem ist, dann ist sie es unabhängig von der Krise. Man könnte auch sagen: die Raumordnung ist die Krise. Sie ist sicher ein notwendiges Steuerungselement, eben weil die Fläche ein beschränktes Gut ist. Ob sie, so wie in Österreich, mit derzeit neun verschiedene Regelungen günstig geregelt ist, lasse ich dahingestellt.

Kommt es bei neun verschiedenen Regelungen nicht willkürlich zu Wettbewerbsverzerrungen?



Die Raumordnung sollte eigentlich für ausgeglichene Verhältnisse sorgen, sie tut es aber nicht. Schon allein die länderkonkurrierenden Bestimmungen stehen dem entgegen, denn Märkte entwickeln sich eben unabhängig von Landesgrenzen. Daher fordern wir ja einheitliche Rahmenbedingungen.

Wenn wir gerade bei der Wettbewerbsverzerrung sind: Stellt der Rewe-Adeg-Deal eine solche dar?



Die Wettbewerbsbehörde in Brüssel wird sich sehr wohl überlegt haben, welche Entscheidung sie trifft. Da wir uns im Lebensmittelhandel in Österreich in einem hoch konzentrierten Markt befinden, gehe ich aber auch davon aus, dass die Anordnung, Geschäfte in bestimmten Regionen abzugeben, richtig ist.

Pushen so Themen wie der Rewe-Adeg-Deal oder die Wirtschaftskrise ganz allgemein eigentlich die Anfragen der Mitglieder an die Sektion Handel erheblich?



Die Anfragen mehren sich im Hinblick auf die Wirtschaftskrise zurzeit natürlich. Da geht es aber eher um Auskünfte rechtlicher Natur, etwa in Zusammenhang mit Banken, Kreditmöglichkeiten und ähnlichem.

Und wandelt sich in schwierigen Zeiten die Rolle der Sektion Handel?



Nicht nur in schwierigen Zeiten, sondern generell wandeln sich die Anforderungen unserer Mitglieder, weil sich auch die Themen ständig ändern. Gerade die Diskussionen im abgelaufenen Jahr mit diesen unseligen Preisvergleichen und das ungerechtfertigte Vorgehen gegen den Handel haben das gezeigt. Sowie, dass es sinnvoll ist, eine Organisation zu haben, die außerhalb des unmittelbaren Geschehens steht, die aber mit dem entsprechenden Know-how Themen einfach objektiver besetzen kann.

Herr Mraz, herzlichen Dank für das Gespräch!



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