Soma: Gerhard Lassnig: 20 Jahre für jeden da
 
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Gerhard Lassnig: 20 Jahre für jeden da

Soma
Soma-Mitbegründer Gerhard Lassnig sieht in der Arbeit seines gemeinnützigen Vereins einen Iage-Gewinn für Händler und Produzenten.
Soma-Mitbegründer Gerhard Lassnig sieht in der Arbeit seines gemeinnützigen Vereins einen Iage-Gewinn für Händler und Produzenten.

Der Soma – kurz für Sozialmarkt – hilft seit 1999 als gemeinnütziger Händler und Logistiker bedürftigen Menschen. Mitbegründer und Vorstandsmitglied Gerhard Lassnig blickt zum Jubiläum auf den schwierigen Start und die positive Entwicklung der Initiative zurück.

CASH: Herr Lassnig, der Soma ist kein gewöhnlicher Händler. Wie sieht die Idee dahinter aus?
Gerhard Lassnig:
Der Soma ist ein Supermarkt für sozial schwache Menschen, der ausschließlich Warenspenden anbietet und nichts zukauft. Das ist so weltweit einzigartig. Betrieben werden 36 Märkte von einem Netzwerk aus Vereinen, die wir quasi als Dachverein unterstützen. Dabei unterhält Soma Österreich den Kontakt zur Industrie und sorgt für die Logistik, während die einzelnen Vereine und Märkte mit dem Handel kooperieren.

Der erste Markt wurde am 9.9.1999 in Linz eröffnet. Wie war das damals und was hat sich seither getan?
Damals haben wir gesehen, wie viele Lebensmittel verschwendet werden und wie viele Menschen sich armutsbedingt kein Essen leisten konnten. Zu fünft haben wir jeweils 15.000 Schilling in die Hände genommen, um einen dreimonatigen Testbetrieb zu starten – daraus sind mittlerweile 20 Jahre geworden. Von Anfang an hatten wir gute Kontakte zur Industrie, wodurch wir große Mengen an Sachspenden erhalten haben. Die Regale waren zwar voll, aber das Sortiment war noch sehr klein. Das änderte sich gegen 2006, als die unterstützten Vereine, mit denen wir unser Filialnetzwerk erweitert hatten, gezielt die Händler angesprochen haben.

Wie gestalten Sie bei einem so schnell wechselnden Angebot Ihr Sortiment?
Sagen wir es mal so: Bei uns braucht man keinen Einkaufszettel. Unser Sortiment besteht aus dem, was aktuell verfügbar ist, wobei manche Warengruppen besser abgedeckt sind als andere. Nach 20 Jahren haben wir mit unseren Partnern ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut und wir erhalten mittlerweile viele Produkte, die wir auch wirklich brauchen. Durch die enge Zusammenarbeit können wir bedürftige Menschen versorgen und für die Händler und Hersteller ist es ein Image-Gewinn, auf den niemand mehr verzichten möchte.

Und dabei retten Sie Jährlich mehr als 5.000 Tonnen brauchbare Lebensmittel, die in Ihren Regalen landen. Was sind da die Dauerbrenner?
Besonders viel Brot und Gebäck erhalten wir. So viel, dass uns sogar Ware übrigbleibt – die geben wir dann an die Landwirtschaft weiter. Ansonsten erhalten wir auch viele Milchprodukte, Obst und Gemüse, die allesamt noch genießbar sind. Im Verkauf sind frisches Obst und Gemüse sehr beliebt, der Renner sind aber Grundnahrungsmittel.

Zu Ihren Partnern zählen unter anderem Rewe International, Spar, Hofer, Lidl und viele weitere Händler sowie Markenartikler wie Unilever, Mars, Kelly’s und NÖM, um nur ein paar zu nennen. Wie läuft die Zusammenarbeit mit diesen Lieferanten ab?
Wir haben mit unseren Partnern einen Vertrag, der uns in die Verantwortung für den Verkauf der Ware nimmt. Das ist für unsere Spender wichtig, da uns oft Produkte mit überschrittenen Ablaufdaten geliefert werden. Wir stellen aber sicher, dass die Ware bei uns im Verkauf noch einwandfrei ist. Die Abholung in den Märkten wird von den Soma-Filialen selbst abgewickelt, die Hersteller melden sich hingegen bei uns in der Zentrale und wir organisieren die Abholung.

Wie hat sich das Thema „Lebensmittelverschwendung“ in den zwei Jahrzehnten entwickelt?
Es hat sich ein Bewusstsein bei Händlern, Produzenten und Konsumenten gebildet, welches in den 90ern noch nicht vorhanden war. Zwar wird immer noch viel weggeschmissen aber Sozialmärkte wie der Soma helfen, das zu reduzieren und aussortierte Lebensmittel einer sinnvollen Verwendung zuzuführen.

Vor welchen Herausforderungen steht der Verein aktuell?
Die Beschaffung einiger Warengruppen ist kein Problem mehr – zum Glück. Ausbaufähig sind die Bereiche Grundnahrungsmittel und Getränke. Schwierig ist für uns, kompetentes Personal zu finden. Mitarbeiter in Schlüsselpositionen, wie Fahrer oder Marktleiter, sind bei uns angestellt, sonst sind wir aber auf die Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern angewiesen. So sehr wir deren Engagement auch zu schätzen wissen, anfangs haben sie meistens keinerlei Lebensmittel-Erfahrung in einem Bereich, in dem die Ware besonders kritisch beäugt werden muss. Daher ist es wichtig für uns, langfristige Unterstützer zu finden, die in ihrem Feld auch Kompetenzen aufbauen.

Im September wurde mit dem Standort im Wiener Donauzentrum die erste Filiale in einem Einkaufszentrum eröffnet. Sind weitere Standorte geplant?
Das unterliegt den betreibenden Vereinen. Zurzeit gibt es 36 Soma-Märkte, die vorwiegend in größeren Städten zu finden sind. Am Land ist das Soma-Konzept schwer umzusetzen, da in den Städten mehr Anonymität gegeben ist. Somit fällt eine mögliche Hürde für einen Einkauf bei uns weg, da mit einem Soma-Besuch doch noch ein gewisses Stigma verbunden ist. Am Land setzen Hilfsorganisationen daher eher auf mobile Versorgungskonzepte.

Gibt es etwas, das Ihnen aus den vergangenen 20 Jahren im Gedächtnis geblieben ist?
Keine konkreten Dinge – eher das generelle Feedback, welches wir von den Kunden erhalten. Immer wieder höre ich „Ohne euch gäbe es am Monatsende kein Essen mehr auf dem Tisch“. Es hat sich seit 1999 immer wieder gezeigt, dass es Organisationen wie Soma einfach braucht. Für Armutsbetroffene, für den Handel und für die Industrie. Und das ist das Schöne daran: Hier gibt es keine Verlierer.

Vielen Dank für das Gespräch und Gratulation zum Jubiläum.
Soma in Zahlen
Märkte: 36 in ganz Österreich, mit dem SOMA im Wiener Donau Zentrum (eröffnet Anfang September 2019, betrieben vom Samariterbund) gibt es sogar einen Standort in einem Einkaufszentrum.
Kunden: 300 pro Tag
Gründung: 9.9.1999 in Linz
Partner-Märkte: 40 Filialen aller Handelsketten
Betriebspartner: Samariterbund, Hilfswerk, Vinzi, Sozialmärkte Kärnten, SAM
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