Andreas Poschner/Adeg: Gestärkt in die Zukunf...
 
Andreas Poschner/Adeg

Gestärkt in die Zukunft

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Vorstandssprecher Dkfm. Andreas Poschner hat die Höhen und Tiefen der jüngeren Adeg-Geschichte durchlebt. Jetzt, mit Mehrheitseigentümer Rewe und nach Erfüllung aller Auflagen aus Brüssel, soll es mit voller Kraft aufwärtsgehen.

CASH: Herr Poschner, werfen wir einen kurzen Blick zurück: Inwieweit hat es der Adeg summa summarum bei der Industrie bzw. bei den Kaufleuten geholfen oder geschadet, dass die Rewe bei der Ankündigung des Deals mit Nachdruck betont hat, dass es der Adeg sehr schlecht geht?



Andreas Poschner: Es gab wenig Auswirkungen und ich erinnere mich, dass der Ausstieg der Edeka mehr Staub aufgewirbelt hat – das war ja gesellschaftsrechtlich nicht ganz harmlos. Zu den Auswirkungen bei den Kaufleuten möchte ich gerne wieder einmal Folgendes in Erinnerung rufen: Zur Absicht des Mehrheitseinstiegs der Rewe war auch die Zustimmung der Adeg-Kaufleute notwendig, und die hat es auf breiter Basis gegeben.

Vor einem Jahr haben Sie mir im CASH-Interview gesagt, dass es den gläsernen Kaufmann bei der Adeg nicht gibt: Der Datenfluss vom Großhandel zum Adeg-Kaufmann sei gegeben, aber es gibt keinen zwingenden Rückfluss. Wie ist das jetzt? Die Rewe ist gewohnt, per Knopfdruck auf Umsatzentwicklungen reagieren zu können.



Da hat sich nichts verändert, der Rückfluss der Daten erfolgt auf freiwilliger Basis. Andererseits ist auch klar, dass eine gewisse Datentransparenz Vorteile bringt, beispielsweise bei der Aktionsplanung für den Einkauf. Aber das muss jeder Kaufmann für sich selbst entscheiden und ist auch ein Entwicklungsprozess.

Wie geht es der Adeg nun aktuell?



Wir sind zufrieden, auch angesichts der allgemeinen Wirtschaftslage, und sind übrigens auch mit der Entwicklung des Vorjahres zufrieden.

Lässt es sich mit der Rewe im Rücken besser leben?



Was heißt besser leben?

Na ja, dass Sie bessere Konditionen bekommen, die Sie ohne die Rewe nicht bekommen würden. Einige Lieferanten klagen, dass sie arg zur Kasse gebeten wurden bzw. noch immer werden.



Ich registriere bei den Lieferanten eine gute Stimmung und kann nicht bestätigen, was Sie sagen. Was stimmt ist, dass die Rewe bisher keinen C & C-Bereich hatte so wie die Adeg die AGM, und das führt zu neuen Vereinbarungen, man muss sich neu abstimmen. Aber eines steht fest: Ungebührlichen Druck üben wir sicher nicht aus.

Wie schaut denn die Zukunft von AGM aus?



Es ist vieles in Bewegung, AGM ist unverändert eine Tochtergesellschaft der Adeg, wir brauchen das Rad auch nicht neu zu erfinden. Wir wollen die Effizienz steigern und mit Sortimentsbreite, Dienstleistung und Qualität punkten.

Als Vorstandssprecher sind Sie für Marketing und Vertrieb zuständig. Haben Sie schon Marketing-Schwerpunkte gesetzt, bzw. was schwebt Ihnen vor? Das wären etwa auch preispolitische Akzente – das stelle ich mir im Hinblick auf die alles abdeckenden Vertriebskanäle der Rewe sehr schwierig vor.



Wir haben preispolitische Akzente gesetzt, mit denen wir, wie eingangs geschildert, schöne Erfolge erzielen. Die Adeg ist aggressiver und damit wettbewerbsfähiger geworden.

Und der Wettbewerb, sozusagen aus dem eigenen Haus mit Billa, Penny und Merkur, hat keinen Einfluss? Das sind alles Vertriebslinien mit weitreichender Preispositionierung.



Wir streben aber nicht die Preisführerschaft an und messen uns am Niveau der Mitbewerber im Vollsortimentsbereich. Die Adeg ist ein Vollsortimenter, setzt stark auf Regionalität, es gibt eine akzentuierte Aktionspolitik und – ganz wichtig – wir unterscheiden uns von den anderen durch die Persönlichkeit des Kaufmanns, von dessen Stärke die Adeg profitiert.

Die Kaufleute hätten, ist auch zu hören, noch gerne die Verbesserung der Spannen gesehen.



Wir haben steigende Spannen, und das in einem derzeit schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Es bleibt jedoch unsere ständige Aufgabe, alle Möglichkeiten zur Spannenverbesserung auszuschöpfen. Und andererseits ist für die Kaufleute verständlicherweise nie der Plafond erreicht – was übrigens auch starke Unternehmerpersönlichkeiten auszeichnet.

Im Rahmen der Auflagenerfüllung sind Ihnen ja zirka 50 Kaufleute abhanden gekommen. Jetzt geht’s bei der Rewe an die – wie Firmenboss Frank Hensel sagt – Kronjuwelen, sprich, man wird sich von dem einen oder anderen Billa in den kritischen politischen Bezirken trennen müssen. Freut Sie das?



Es ist so, dass es Adeg-Kaufleute gibt, für die die Alternative bei einem Wechsel grundsätzlich ein rotes Tuch war, das hat auch kein finanzieller Anreiz unsererseits geändert. Diese Kaufleute sind der Ansicht, dass sie mit uns mehr erreichen können, und dieser Aspekt freut mich natürlich schon.

Und wer wird für Ihre rund 500 Adeg-Kaufleute in Zukunft die besten Preise aushandeln? Einige wollen wissen, das werden nur mehr die Rewe-Einkäufer sein.



Ich bin immer wieder überrascht, was einige da alles wissen. Die Adeg arbeitet selbstständig, für uns ist im Großhandel der Rewe Group ein eigener Einkauf, der von Wolfdietrich Siller geleitet wird, tätig. Und wir haben eigene dort tätige Sortimentsmanager – das sind die Fakten.

 Herr Poschner, besten Dank für das Interview!

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