Hartwig Kirner/Fairtrade: Großes Tun mit eine...
 
Hartwig Kirner/Fairtrade

Großes Tun mit einem kleinen Zeichen

Fairtrade Österreich
Fairtrade Österreich-Geschäftsführer Hartwig Kirner © Fairtrade Österreich
Fairtrade Österreich-Geschäftsführer Hartwig Kirner © Fairtrade Österreich

CASH: Herr Kirner, wie zufrieden sind Sie mit der Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Jahr?

Hartwig Kirner: Wir sind sehr zufrieden mit dem abgelaufenen Jahr. 2008 sind die Verkäufe von Produkten mit dem Fairtrade Gütesiegel im österreichischen Lebensmittelhandel um rund 25 Prozent auf einen Umsatz von mehr als 65 Millionen Euro gestiegen.

Worauf führen Sie diese positive Entwicklung zurück?



Hauptverantwortlich war einerseits die günstige Entwicklung bei den etablierten Produktgruppen Bio-Bananen und Schokolade. Andererseits konnten wir zuletzt neue Handelspartner für frische Bio-Früchte wie z.B. Ananas, Mangos und Avocados sowie für Baumwollprodukte gewinnen. Auch der Absatz von Kaffee in der Gastronomie entwickelt sich nach wie vor sehr positiv.

Ist diese anhaltende Nachfrage nach Fairtrade-Produkten eigentlich ein rein österreichisches Phänomen?



Nein, auch international wächst der Markt kontinuierlich weiter. Mittlerweile sind über 870 Produzentengruppen in 58 Ländern weltweit zertifiziert. Mehr als 1,5 Millionen Bauern und Arbeiter profitieren im Fairtrade-System von verbesserten Marktzugängen und fairen Preisen. Zählt man deren Familien und Angehörige dazu, kommen mittlerweile geschätzte 7,5 Millionen Menschen direkt in den Genuss dieser wirkungsvollen Art der Entwicklungszusammenarbeit.

Wie entwickelt sich das Geschäft mit Fairtrade zertifizierten Produkten im österreichischen Lebensmittelhandel in den ersten Wochen dieses Jahres? Rechnen Sie angesichts der Wirtschaftskrise dieses Jahr mit einem Abflauen der Nachfrage?



Trotz der Wirtschaftskrise entwickelt sich der Faire Handel derzeit überaus erfreulich. Insofern blicken wir sehr positiv ins neue Jahr. Aus Konsumentenstudien wissen wir auch, dass das Thema Nachhaltigkeit weiter Gewicht hat. Wir erwarten deshalb heuer wieder ein Wachstum im zweistelligen Bereich.

Haben Sie dieses Jahr noch besondere Schwerpunktaktionen geplant, um die Bevölkerung noch stärker für das Thema Fairer Handel zu sensibilisieren?



Vor wenigen Tagen haben wir die Fairtrade-Wochen im Handel gestartet. Das Motto der diesjährigen Kampagne lautet: Großes tun mit einem kleinen Zeichen! Die Aktion läuft bis Mitte Mai. In dieser Zeit setzen wir gemeinsam mit dem LEH eine Reihe von Maßnahmen , die im Zeichen des Fairen Handels stehen. So wird erstmals in Kooperation mit zahlreichen Handelspartnern eine weit gefasste Sammelpromotion mit Fairtrade-Produkten durchgeführt. Die Idee dahinter ist einfach: 5 Fairtrade-Gütesiegel auf Produkten ausschneiden, in einen Sammelpass einkleben und einen von vielen attraktiven Preisen gewinnen. Ein zeitgleich ausgestrahlter TV-Spot sowie Verkostungen und Veranstaltungen in Supermärkten, Weltläden und in der Gastronomie sollen auf eine Kaufentscheidung mit Verantwortung aufmerksam machen und dadurch den Fairen Handel ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit bringen.

Wie gestaltet sich sich die Zusammenarbeit mit dem Handel generell, wo orten Sie Optimierungsmöglichkeiten?



Verbraucherstudien zeigen uns leider immer wieder, dass der Konsument im Supermarkt das angebotene Fairtrade-Produktsortiment – und das sind mittlerweile insgesamt mehr als 400 Produkte – nicht sieht bzw. findet. Die Visibilität am PoS ist derzeit noch zu gering, im internationalen Vergleich. Hier können sich Händler noch bestens profilieren!

Herr Kirner, vielen Dank für das Gespräch!



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